Mein Vater hat sich komplett aus der Schule herausgehalten und meine Mutter ging nur bis Klasse 6 auf die Elternabende, weil so gut wie alle anderen Eltern damals Akademiker waren und sie sich da nicht wohl gefühlt hat. Wir mussten als Kinder viel helfen, alle Wege mit dem Rad oder zu Fuß erledigen, sind schon mit 12 allein zu Ärzten gegangen und wenn meine Mutter im Krankenhaus war (was öfter der Fall war), konnte ich als Teenie komplett meinen 11 Jahre jüngeren Bruder versorgen, den Haushalt führen und meinem Vater die Hemden bügeln.
Als ich selbst Kinder hatte, sagten meine Eltern : "Bei euch kommen die Kinder immer zuerst". Ja, ich würde mir keinen Pelzmantel kaufen, wenn das Geld knapp ist, das stimmt. Und ich finde es selbstverständlich, dass man zuerst auf die Kinder schaut.
Bis ich achteinhalb war, haben wir bei den Großeltern in einem "Lothringer" Bauernhaus gelebt. Das war der schönste Teil meiner Kindheit. Es gab Schweine, Hühner, Katzen, anfangs noch Kühe. Wald und Feld gehörten uns, meiner Schwester, meinen Kusins und den Kindern der Straße. Bullerbü. Wir hatten ein Baumhaus am Waldrand. Hier habe ich mit 11 meine erste Zigarette geraucht. Meine Kusins waren damals schon 15 und hatten die irgendwo geklaut. In den Sommerferien waren wir alle bei Oma und meiner Tante, die gegenüber wohnte. Hier war die Freiheit.
In der Kleinstadt, in die wir gezogen sind, waren die Schule und das Helfen zu Hause. Meine Mutter hat meine Schwester und mich mit 20 und 22 bekommen, war bei Oma noch das Kind und hat dann viel geweint, als wir damals ausgezogen sind. Sie war 30, mein Vater 39, meine Schwester 10 und ich 8. Wir Kinder mussten die Mutter trösten und hatten selbst Heimweh. Es ist immer noch so. Meine Mutter ist die Prinzessin und ich fühle mich schlecht, weil ich denke, ich kümmere mich zu wenig. Wenn ich anrufe, kann es aber sein, dass sie nach 3 Sätzen auflegen will, weil sie aufs Klo muss oder der Kaffee durch ist. Plane ich es, sie zu besuchen, was in jeden Ferien und auch an Wochenenden der Fall ist, kann es sein, dass sie plötzlich was anderes im Sinn hat und ich muss darauf Rücksicht nehmen.
Genieße die Zeit!