Als mein Vater erzählte, wie ein geistig behindertes Nachbarskind, ein Spielkamerad, "zur Erholung" weggeschickt wurde und nie mehr wiederkam, da war er ganz nah, der Geschichtsunterricht. Meine Mutter, Ende des Krieges geboren, erzählte von Luftangriffen und Verdunkeln von Fenstern..., vom Ausharren in eiskalten Kellern und Luftschutzbunkern. Meine Oma erzählte von einquartierten Franzosen und netten Gesten dieser eigentlich "ungeliebten Gäste" , vom Hamstern und Tauschen und ich hörte, dass es meiner Familie wegen des Bauernhofes versorgungstechnisch vergleichsweise gut ging. Mein Grundschullehrer war 10 Jahre in russischer Gefangenschaft, seine Finger waren z.T. unbeweglich, weil erfroren, aber er spielte trotzdem gerne auf seiner Geige.
Wie mich das beeinflusst? Was überwiegt sind die Erzählungen von Zusammenhalt und Liebe von Familie, Nachbarn, Freunden. Angst und Schrecken habe ich bei den Erzählungen nie so gespürt, eher Bewunderung.
In der Familie sind öfter Kleinkinder, Kinder, Mütter im Kindbett verstorben. Zu Hause. Der Tod war gar nicht so weit weg. Ich könnte jetzt einige Familienmitglieder aufzählen und das waren sicherlich auch sehr schmerzhafte Erfahrungen. Ein Beispiel: Meine Uroma verstarb bei der Geburt ihres letztes Kindes am Kindbettfieber mit Ende 30. Zurück blieb mein Uropa mit 12 Kindern. 1 Mädchen, 10 Jungs, 1 Mädchen. Mein Opa hatte einen Zwillingsbruder, der starb mit 8 Jahren an einer Mittelohrentzündung. Es gab kein Penicillin. usw.,usw. Viele Geschichten vom Tod geliebter Menschen, die bei der heutigen medizinischen Versorgung nicht sterben würden.
In meiner Familie wurde dann viel gebetet. Das hat wohl geholfen. Heute stirbt man nicht mehr so schnell. Der Tod kommt oft erst im hohen Alter. Jetzt kommt so eine Krankheit und wir sind natürlich völlig aus dem Ruder.