ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass Rita Süßmuth dafür gekämpft hat, dass sie offizielle Dokumenten mit Bundestagspräsidentin unterzeichnen darf und nicht die männliche/generische Form nutzen muss. das kommt einem heute geradezu absurd vor und ich nur selten erlebe ich, dass eine Frau, wenn sie von sich spricht, die nicht markierte Form wählt. warum ich das schreibe? weiss ich auch nicht so genau. vielleicht, weil ich daran gedacht habe, dass solche sprachlichen Änderungen oft auch Ergebnis von langwierigem Ringen war und nicht wie die Gendersprechpause, gefühlt über Nacht eingeführt wurde. wenn diese Veränderung noch mit dem Duktus der moralischen Wahrheit verkauft wird, der sich alle zu beugen haben, die "gut" sein wollen, dann ruft man natürlich Widerstand hervor.
edit: ich würde mir wirklich, wirklich wünschen, dass die Sichtbarmachung von Frauen in der Sprache nicht mit der Sichtbarmachung von allen anderen Gendern in einem Diskurs abgehandelt würde. ich befürchte, dass die jahrelang erkämpften Erfolge des feministischen Anliegens gesellschaftlich wieder kassiert werden, weil Menschen das Gendern allgemein ablehnen.