Beiträge von qchn

    Eben. Wer meint, sich von Extremisten unter Druck setzen lassen zu müssen, statt den Maßnahmenkatalog zu nutzen, der zur Verfügung steht, muss sich nicht wundern, wenn seine als weinerliche Schlaffheit verstandene Toleranz ausgenutzt wird.

    Wir sind ein funktionierender Rechtsstaat und mögen dies lange bleiben. Ich fühle mich von der AfD jedenfalls mehr bedroht als von prolligen Jugendlichen.

    ich fühl mich seit Amokläufen an Schulen und spätestens seit dem bereits erwähnten Fall von Samuel Paty und auch dem AFD-Melderegister zunehmend garnicht mehr so wohl in meiner Haut, jederzeit selbstbewusst für den Rechtstaat und/oder alle seine - mitunter für einzelne Gruppen auch unangenehme - Regeln der Toleranz einzutreten. Ich bin absolut verwundbar und habe nicht den Eindruck, dass die Schulaufsicht bei meinem beherzten Eintreten für Demokratie und Menschenrechte jenseits von so Labermedaillen wie "Schulen mit Courage" hinter mir stehen würde.

    Der Maßnahmenkatalog wird seit Jahren nicht richtig genutzt, darüber hinaus gelangt man in der Praxis doch sehr schnell an sein Ende: Das beginnt schon bei so Dingen wie "ne 5 wirklich gerichtsfest machen" oder Umgang mit "extremem Schulschwänzen mit oder ohne Attest" los, zeigt sich im zögerlichen Umgang von Schulleitungen mit Straftaten von SchülerInnen und findet sein vorerst unrühmliches Ende im Umgang mit dem homosexuellen Kollegen in Berlin.

    Ich sehe kulturelle Unterschiede als Übung und Gelegenheit in gegenseitiger Toleranz. Das gehört zu einer funktionierenden multikulturellen Gesellschaft dazu.

    Jein. Toleranz ist wichtig, keine Frage. El Mafalaani hat ja Recht damit, dass es eigentlich ein Merkmal von Integration ist, wenn Menschen aus fremden Kulturkreisen in Deutschland Forderungen nach Berücksichtigung ihrer Interessen stellen, doch heisst das ja nicht zwangsläufig, dass wir die alle zufriedenstellen müssen. Im Gegenteil: die Offenheit unserer multikultirellen Gesellschaft sollte immer an erster Stelle stehen. Popper sagt es so schön: "Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen." Ich will damit nicht sagen, dass Mädchen in Kopftüchern per se unseren Staat abschaffen, sondern, dass uns bei zu viel Toleranz ggü. z.B. dem Kopftuchtragen vielleicht irgendwann die Kontrolle darüber entgleitet, wer hier eigentlich Toleranz ausübt und welches Verhalten toleriert wird. Keine Ahnung jedenfalls, an wie vielen Gesamtschulen in NRW die im GEW-Artikel über das Nicolaus Cusanus Gymnasium in Bad Godesberg geschilderte Situation (https://www.gew.de/aktuelles/deta…ist-nicht-halal) nicht bereits absoluter Alltag ist.

    Auch wenn manches sich im ersten Moment irritierend liest [...]

    Ich finde, da liest sich leider garnichts irritierend. Ich hab den Eindruck gewonnen, dass sich zumindest NRW in Punkto Rechtssicherheit kaum von einer Bananenrepublik unterscheidet und irgendwelche Verfahren und Regeln eben nur gelten, wenn da nicht jemand bösartig und korrupt genug ist, sie zu umgehen.

    An der Schule meiner Frau hat der Schulleiter sechs Wochen vor seine Versetzung in die Schulfaufsicht, eine erfahrene und unbescholtene A15-Kollegin mit hahnebüchenden Lügen ohne sachliche Grundlage beim Dezernenten als inkompetent diffamiert und kommt - wie es aussieht - damit durch, sie gegen ihren Willen und noch in ihrer Elternzeit auf eine andere Stelle zu versetzen, damit sein Eigengewächs die freigewordene Position einnehmen kann und verpisst sich dann feige, ohne überhaupt vor dem Kollegium Verantwortung für den ganzen Vorgang übernommen zu haben.

    Was ich damit sagen wollte: ich schließe mich den Anderen an: geh weg da. Letztlich kommen so Psychopathen mit ihrer Nummer so durch und wer auf Regeln vertraut hat, ist die Dumme, weil es im Dezenernat/ Schulamt einfach keinen interessiert und die nur Ruhe haben wollen. Ich hab absolut kein Vertrauen mehr in das System.

    Schon komisch. Eine Schülerin trägt einen Ausschnitt und beschwert sich, weil da jemand reinschaut. [...] Das man da nicht drauf starten sollte ist ja selbstverständlich, aber ein Blick darauf ist unmöglich abzuwenden.

    ich geb zu, dass die Argumentation nah an dieser "Minirock-Vergewaltigungs-Erzählung" war, aber genauso gut, könnte es ein unbeholfenes "Bedingung dafür, dass man den Eindruck bekommt, dass einem jemand in den Ausschnitt guckt ist, dass man einen Aussschnitt trägt"-Argument gewesen sein.

    ich bin vermutlich zu dumm für diese Welt, aber dann ist meine "Befürchtung" richtig: es gibt nur eine Akte und die Akte der BR ist gemeint (den Link und die Dokumente kannte ich).
    Im Endeffekt hätte ich das Angebot ablehnen sollen, ich habe es nur angenommen, damit ich mir später nie vorwerfen lassen könnte, nicht mitgewirkt zu haben, aber weniger Spuren sind trotzdem besser.
    Egal, jetzt muss ich wohl durch.

    in der Personalakte ist aber auch die Ablehnung vermerkt. Insofern: dass da was war, ist sowieso herauszufinden. Die Personalräte von der GEW (find ich wirklich albern, dass aufgrund des Mehrheitswahlrechts nur Philologen offiziell geführt und auf dem Beiblatt als Kontakt angegeben sind) sehen das entspannt: das Berufsleben ist lang und es ist normal, dass man in so einer langen Zeit auch mal erkrankt. Die Sicht hat mir geholfen. (ich hab übrigens das BEM abgelehnt, weil der Grund meiner ständigen Ausfälle im letzten Jahr - mein Kind hat alles aus dem Kindergarten nach Hause gebracht und mir geschenkt - nicht in der Schule liegt und Maßnahmen sinnlos gewesen wären)

    wozu ich mich äußere, ist ja wohl mir überlassen. ich finds jedenfalls wichtig, dass zwischen jedweder Ideologie noch Platz für Argumente und Fakten ist. Wenn Du also meinst, ich schlag mich mit einer Korrektur Deiner unrichtigen Menschenrechtsinterpretation auf die Seite von Nazikeulenschwingern, dann ist Dir das zwar unbenommen, aber halt total albern. Findest Du nicht, Du nimmst Dich dan bisschen zu wichtig?

    Vielleicht noch die rechtliche Seite: das Grundgesetz gilt zwischen zwischen Staat und Bürgerin bzw. Bürger. Nicht zwischen zwei Menschen. Man kann sich natürlich dagegen wehren, aber vor dem Verfassungsgericht kann keine natürliche Person verklagt werden.

    das stimmt natürlich. aber wir repräsentieren ja den Staat. passt also vom Grundsatz her.

    ich bestreite dennoch, dass durch die oben angewandte Formulierung Menschenwürde/Menschenrechte verletzt werden. Zum Einen handelt es sich hier nicht um eine offizielle Verlautbarung und zum Zweiten folgen daraus zumindest nicht unmittelbar irgendwelche diskriminierenden Handlungen. Drittens, selbst wenn, ist es völlig menschenrechtskonform, nach Leistungsfähigkeit zu entscheiden und eben nicht allen das Abitur zu geben. Viertens würd ich noch Kant bemühen, der garkein Problem damit hatte, dass Menschen als Mittel begriffen werden, wenn sie auch gleichzeitig Zweck sind.


    edit: nicht alles, was gemein, beleidigend und potentiell menschenverachtend klingt ist gleich auch ne Verletzung der Menschenwürde.

    bei uns:
    8-10: eine Ganzschrift und es ist in der Regel eine moderne (Tschick...)

    EF: eine Ganzschrift (Galileo Galilei oder die Physiker zur Zeit)

    das find ich jetzt als Nichtdeutschlehrkraft erschütternd: Sowohl die Physiker, als auch Galileo haben wir in der Sek I gelesen. (und Andorra, Unterm Rad, Jugend ohne Gott, Die Welle, Tagebuch Anne Frank, Tonio Kröger, Kleider machen Leute und noch so eins mit ähnlicher Story, Felix Krull, Biedermann und die Brandstifter, Frühlings Erwachen, Kabale und Liebe und bestimmt noch mehr, was mir jetzt nicht einfällt)

    In der Sek II hatte ich ne Deutschlehrerin, die hat es mit den Lektüren imho etwas übertrieben - das war bestimmt alle zwei Monate ne Neue, den Katalog der Deutschen Literatur hoch und runter. schlimmste Lektüre - mit absolutem Abstand - war Brandung von Martin Walser. schlimmeres lamoryantes Altherrengeschwätz, als Faust.

    edit: Lenz war auch schlimm. und Katz und Maus.

    edit: die Lektüren in Französisch und Englisch fand ich eigentlich immer irgendwie besser, als die in Deutsch. Ich teile aber die allgemeine Begeisterug für Tschick auch nicht. Arbeit und Struktur war ja als Blog sehr interessant, aber sonst.. Sand hat auch nirgendwo hingeführt imho. Ist der wirklich so toll gewesen, der Herndorf?

    Der Drittkorrektor muss bei Neukorrektur eine Erklärung für das RP schreiben, das hat vermutlich mehr Folgen als ein negativer Blick eines Kollegen.

    wäre ja mal interessant, welche Folgen das dann wirklich hat. vermutlich keine gravierenden. Sonst hätte das der Kollege ja auch nicht bringen können. So richtig kann man uns ja eigentlich nichts und ist der Ruf erst ruiniert, korrigiert es sich ganz ungeniert.

    Im Kollegium bekommen Sorglos-Korrigierer übrigens weit mehr, als nen schiefen Blick ab. das spricht sich rum etc. garnicht schön. aber auch hier gilt: wenns der Person egal ist, ists ihr egal.

    und was die Abweichungen angeht.. keine Ahnung, ob das bei uns häufig oder selten vorkommt. bei meiner Zweitkorrektur müssen jetzt zwei Klausuren in die Drittkorrektur. Es stimmt schon, dass ich versucht habe, das zu vermeiden, aber ging nicht und Kollegin und ich haben entschieden, das Schicksal der Schüler in "Gottes Hand" zu legen. Lustigerweise hab ich eine Klausur hoch und eine runter korrigiert. es ist halt einfach das Korrekturgeschäft nur zum Bruchteil so objektiv, wie das gerne getan wird.

    Der Erstkorrektor war Studiendirektor und stellvertretender SL, er hat sehr großzügig korrigiert und viele Fehler übersehen. Der zweite war Studienrat und hat sehr streng gewertet. Gleich bei der 1. Aufgabe gab der Studiendirektor z. B. 5,5 von 6 Punkten, der Studienrat 0. Ich entschied mich für einen Punkt (eine Formel war korrekt, der Rest nicht). Insgesamt lag ich deutlich näher an der Zweitkorrektur, ich musste aber aufgrund der großen Differenz neu korrigieren.

    Meint ihr wirklich, wenn beide an derselben Schule unterrichten und vom anderen wissen, der Studienrat hätte seinem stellvertretenden SL widersprochen? Haben die Schüler also Vorteile, wenn sie Unterricht bei der SL haben?

    man könnte auch andersherum einen Schuh draus machen: gerade, weil man sich kennt, will man sich beim Korrigieren nicht blamieren und alles richtig machen. Mir geht es jedenfalls als Erstkorrektorin immer so. Wenn aber jemand derartig, wie von Dir geschildert, unsachgemäß korrigiert, dann ist ihm imho wumpe, wer das sieht.

    Was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Man mag sich darüber streiten können, ob nun eine völlig unabhängige Zweitkorrektur und die anschließende Festsetzung einer Bewertung durch eine 3. Person objektiver ist als eine Zweitkorrektur, die kritisch die Erstkorrektur prüft und diese ggf. absegnet. Letztere Variante ist zumindest die ressourcenschonendere und kommt den beteiligten Kolleginnen und Kollegen eher entgegen.

    dazu kommt, dass man so mal fachschaftsintern ins Gespräch über sonst immer häufig implizite Bewertungskriterien ins Gespräch kommt. Neben der Referendarsausbildung und dem FPA imho die einzige Gelegenheit, mal in den fachdidaktischen Austausch mit KollegInnen zu treten.

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