Beiträge von P12

    Nachdem der Thread „Wie geht ihr dem Corona-Virus entgegen?“ wohl wegen persönlicher Emotionen und zum Entspannen der Situation geschlossen wurde, hier eine Möglichkeit, das Ganze etwas allgemeiner und sachlicher anzugehen.



    Einige hatten ja die sozusagen gesellschaftliche Katze schon aus dem Sack gelassen.


    Es geht ihnen um eskalierende Konfliktlinien: jung vs alt, krank vs gesund, Arbeitende vs Rentner. Dazu kommen Vorwürfe wegen Schuldenstand, Sozialsystem, Rentenformel, Rentengeschenken, Umwelt, Klima. Das alles bringe die jüngere Generation in ein Dilemma.


    Sie verstehen aber dabei nicht, dass die Konflikte umso stärker aufbrechen, je mehr die riskanten Lockerungen in die Hose gehen. Dass 3 Wochen länger Lockdown eben nicht zu einer Eskalation, sondern durch die Risikominimierung für alle zu einer Deeskalation führen würden.

    Sie verharren in einem überkommenen dichotomischen Denken und fallen so unbewusst dem Präventionsparadox zum Opfer. Verstehen nicht, warum sich mit einer nur dreiwöchigen Beibehaltung von Maßnahmen, die die Gesamtbevölkerung betreffen, mehr Krankheiten, Todesfälle, soziale Konflikte und Kosten verhindern lassen, als wenn durch die Lockerungen nur die Risikogruppen faktisch eingeschränkt blieben. Diese kognitive Verzerrung führt zu einer Besitzstandsfurcht, die sich nährt aus einem vermeintlichen Dilemma für die jüngere Generation.


    Alles solle dem Gesundheitsschutz von 60+ untergeordnet werden, ist der Kern ihrer Ängste.So wird ihr Vorwurf, die Befürworter der Verlängerung seien angstgetrieben, zum Bumerang.

    Das Angstnarrativ ist typisch für eine bestimmte Szene, die behauptet, dass von Mainstreammedien und den Herrschenden absichtlich Angst, Panik und Horror geschürt werden, um das Volk besser manipulieren zu können. „Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber“ heißt es dann reflexhaft und es bestünde dafür kein Grund, denn Corona sei wie eine normale Grippe und würde von selbst bald wieder verschwinden. Alle Beschränkungen sollten weg.


    Die Unterschiede von Besorgnis, Angst, Horror und Panik werden geflissentlich übersehen.

    Ein Drittel hält die Berichterstattung über Corona für übertrieben. Die glauben wohl immer noch, dass es wie eine normale Grippe ist. Dass die Einschränkungen nur der Kontrolle und Unterdrückung dienen sollen. Dass die Wirtschaft nie wieder nach drei Wochen weiterer Beschränkungen auf die Beine kommen würde.


    Vor allem die jüngere Generation ist anfällig für diese Propaganda. Man hält Corona im Prinzip für ein Problem der Alten und Kranken. Das kann man auch deutlich am zusehends nachlässigen Verhalten unserer Schüler erkennen. Kaum dreht man den Rücken werden alle Vorsichtsmaßnahmen vergessen. Einige Kollegen haben schon resigniert und schauen weg, weil sie sich nur lächerlich machen, wenn sie immer wieder auf Einhaltung von Regeln pochen, die sie gar nicht durchsetzen können.

    Über die Qualität der Umfragen kann ich mir keine fundierte Meinung erlauben. Ich nehm sie mal so als Tendenz.


    Die 27%, die glauben, bei einer Krebserkrankung nur sehr kleine gesundheitliche Auswirkungen zu erleiden, könnten korrelieren mit dem Viertel der Bevölkerung, das auch die Eindämmungsmaßnahmen für unangemessen hält.


    Im Moment werden ja permanent stetig sinkende Zahlen veröffentlicht. Das kann, wie die Experten betonen, zu einem falschen Sicherheitsgefühl verleiten. Gerade die sinkenden Zahlen zeigen nach Auskunft der Experten die Wirkung der bisherigen Einschränkungen und geben die Chance durch nur eine sehr kurze weitere Zeit, die Voraussetzungen für wirklich verlässliche Nachverfolgung und Unterbechung der Infektionsketten zu schaffen.


    Die Kampagne der Wirtschaft läuft erfolgreich, Teile der Bevölkerung fallen darauf herein, die Politik knickt ein, trotz Warnung aller führenden Experten, dass die schon in eine paar Wochen zwangsläufig folgende zweite Welle einen viel höheren Preis fordern wird. Gesundheitlich und wirtschaftlich!

    Wenn ich jetzt zur Abwechslung mal eine Umfrage richtig verstehen sollte,

    dann halten nach der

    letzten Umfrage („Angemessenheit der Maßnahmen zur Eindämmung“ Seite 11) des BfR vom 28.4. drei Viertel der Befragten die Schließung von Schulen, Kitas und zwei Drittel die von Geschäften für angemessen.

    Die Werte dürften nach der bisherigen Tendenz (S. 13) inzwischen weiter gesunken sein, aber immer noch über 50% liegen.


    https://www.bfr.bund.de/cm/343/200428-bfr-corona-monitor.pdf


    Die Lockerungen werden demnach also nicht nur von den führenden Wissenschaftlern abgelehnt, sondern auch von der Mehrheit der Bevölkerung.

    "Ziemlich bald eine dramatische Verschlechterung" befürchtet da niemand.

    Hier sind offensichtlich weder Meinungsumfragen noch die aktuellen Warnungen der Experten bekannt. Ich such das jetzt nicht mehr alles raus, weil ich nicht mehr überzeugt bin von der Art mancher Diskutanten hier.

    Meyer-Hermann und Drosten gegeneinander auszuspielen funktioniert nicht, denn sie sind sich einig in der Ablehnung der aktuellen Lockerungen und für deren Verschieben um etwa 3 Wochen. Die führenden Wissenschaftsorganisationen insgesamt auch. Alle befürchten deshalb recht bald schon eine dramatische Verschlechterung der gerade etwas verbesserten Zahlen.


    Die Politik hat sich anders entschieden, gegen den Willen der Mehrheit übrigens, und damit Teilen der Bevölkerung, ein verheerendes Signal für undiszipliniertes Verhalten gesendet. Auch wir müssen in den Schulen ab morgen vermehrt damit rechnen.

    Es entbehrt ja nicht einer gewissen Komik, wenn hier ein User dem renommierten Experten von Helmholtz bescheinigt, dass er kompletten Unsinn erzähle.


    Trotzdem für die anderen User:

    bei der angestrebten Zahl von 100 bekannten Infektionen darf natürlich auch die unvermeidliche Dunkelziffer der unbekannten Infektionen nicht vergessen werden. Es geht um die Eindämmung von Corona auf ein Maß (täglich max. 100 bekannte Neuinfektionen), das weitere Lockerungen verantwortbar werden lässt und eine sofortige zweite Welle höchst unwahrscheinlich macht. Die aktuellen und angesagten Lockerungen vertragen sich damit leider nicht.

    Er ist Leiter der Abteilung System Immunologie und meint natürlich nicht nur die reine Nachverfolgung, sondern auch das sichere Unterbrechen der Infektionsketten. Als Mathematiker wird er schon was von Zahlen verstehen und die täglich max. 100 Neuinfektionen gut begründen können.

    Je mehr Freiheitsgrade, desto undurchsichtiger wird's halt.

    Je mehr Lockerungen desto unkalkulierbarer das Riskiko, meint Meyer-Hermann, Helmholtz, und rechnet wegen der Lockerungen unmittelbar mit einer zweiten Welle.


    Erst wenn sich pro Tag nur noch etwa 100 Menschen infizierten, sei die Nachverfolgung von Neuinfektionen gesichert. Die Öffnung der Schulen habe eine große Auswirkung und sei wie die meisten anderen Lockerungen auch jetzt nicht gut für die Wirtschaft, weil so die Schäden nicht deutlich aufhörten, sondern noch länger unkalkulierbar weitergingen. Er plädiert für 3 weitere Wochen .


    (s. Interviews in Zeit und Deutschlandfunk: Wissenschaft im Brennpunkt)

    Erstens ist es ein Corona-Virus und wird somit nicht groß anders sein als seine hier heimischen Verwandten und SARS.

    Eigentlich müsste auch ein Laie erkennen, dass es sich durch Einlagerung anderer Gene (B) eben nicht um eine einfache Mutation eines bekannten Corana Erkältungsvirus (A) handelt.


    Die aktuell günstige Entwicklung wegen des vorherigen Lockdowns verführt hier offensichtlich dazu, wieder wie Anfangs der Pandemie an die relative Harmlosigkeit einer Erkältung zu glauben. Sterben ja eh nur die üblichen Verdächtigen im Heim, flüstert das Präventionsparadox.

    Auf die Idee, dass sich Corona schnell von selbst erledigt, egal was man macht, oder dass man sich lustig macht mit „wir werden alle sterben“, kann man nur kommen, wenn man sich für unverwundbar hält. Also glaubt, dass die allgemeinen Einschränkungen einem selbst nichts nutzen bzw. der Allgemeinheit mehr schaden als nutzen. Befeuert wird das Präventionsparadox von einer intensiven Kampagne der Wirtschaft.


    Die Erfahrungen der ersten Tage im direkten Umfeld der Schulen aber zeigen, dass es bei den Schülern intensive face-to-face Kontakte (und das sind nicht nur Gespräche) von zumindest kumulativ 15 Minuten zuhauf gibt. Die Lehrer konnten das nicht verhindern. Das ist nicht hypothetisch, sondern ist Erfahrung. Bei jüngeren Schülern werden sie das erst recht nicht verhindern können.


    Selbst wenn die Hälfte aller Schüler nie am Stück und nie kumulativ solche Kontakte hätte, wird in kurzer Zeit das Gesundheitssystem überlastet. Die durch die Lockerungen angestrebte Auslastung zwecks zügigerer Durchseuchung ist eine Hochrisikospiel. Dazu kommt noch die wachsende Nachlässigkeit der Erwachsenen. Man setzt offensichtlich darauf, dass es reicht, wenn sich allein die Risikogruppen, dazu gehört jeder Vierte, weiter an strenge Einschränkungen halten. Aber übersieht, dass durch die sich für unverwundbar haltenden Schüler und Erwachsenen wieder massenhaft unerkannte Infektionsketten entstehen, die nicht mehr rechtzeitig nachverfolgt werden können. Die Folgen auch für die Wirtschaft werden schlimmer sein, als es weitere 3 Wochen Lockdown mit der von Drosten dann erwarteten RO von 0,2 gewesen wären.

Werbung