Beiträge von Klinger

    Hallo liebes Forum,

    mich würden Argumente für/wider Klausurersatztermine am Samstag interessieren. An unserer Schule gibt es Überlegungen, Ersatztermine grundsätzlich nur noch an Samstagen anzubieten. Es soll dabei für jedeN KuK nicht mehr als 1x Aufsicht pro SJ herauskommen.

    Es soll so ablaufen, dass alle NachschreiberInnen zum selben Zeitpunkt in der Aula die versäumte Klausur schreiben. Alle Bildungsgänge, alle Fächer/Lernfelder.

    Wie ist Eure Meinung dazu?

    Wird das bei Euch vielleicht sogar schon so gehandhabt?

    VG

    Klinger

    Bei einer solchen Aussage platzt mir der Kragen - weil Noten instrumentalisiert werden, um einem Kollegen dazwischen zu grätschen. Noten dürfen nur nach Leistung vergeben werden. Dein "Verfahren" ist sachfremd und unangemessen.

    Ich habe das noch nicht gemacht, aber schon in Erwägung gezogen. Warum soll das weniger in Ordnung sein, als einen ungerechtfertigten Abschluss zu ermöglichen, der am Ende nur das eigene Gewissen beruhigt?

    Ich rede hier nicht von den durchaus gerechtfertigten Fällen. Nur von den Fällen, in denen auf Biegen und Brechen trotz klar erkennbarem Nichterreichens ein Abschluss verschenkt werden soll.

    An meiner alten Schule gab es die Möglichkeit, dass die Schüler ab einer gewissen Anzahl von Verspätungen eine Zeitlang eine halbe Stunde vor Schulbeginn in der Schule sein mussten.

    Das finde ich kritisch.

    Klar, wenn eine Leistungserhebung in der ersten Stunde ansteht, dann ist das so und dann haben Zuspätkommer evtl weniger Zeit. Aber wie bewertest du einen Teil der Stunde als ungenügend? Das würde ja bedeuten, dass du von allen in der Klasse in jeder Stunde eine Note machst.

    Ich mache tatsächlich für alle SuS in jeder Stunde eine Sonstige Mitarbeit-Note, die zu 50% aus mündlicher Beteiligung und zu 50% aus allem anderen besteht. Wenn ich am Anfang der Stunde einen Test schreibe, was ich tunlichst vermeide, denn sonst muss ich den ja auch noch nachgucken, dann habe ich für diese eine Stunde gleich zwei Noten: Einmal die SMA-Note und einmal den Test. Wie ich den Test gewichte kann ich später immer noch entscheiden.

    Bisher war ich nur in der BFSIII, da sind die meisten SuS volljährig oder werden bald 18.

    In der Unterstufe BG sind die SuS teilweise erst 16, das stimmt. Aber da tauchen solche Probleme in der Regel nicht auf. Im BG werden sie erst mit 18 "komisch", also sobald sie selbst ihre Entschuldigungen unterschreiben dürfen.

    Also ja: Ich habe auch minderjährige SuS. Elterngespräche hatte ich aber erst 2. bei einem davon war der Schüler aber volljährig.

    Besonders krass fand ich einen Fall, bei dem ich bei zwei seiner mündlichen Prüfungen dabei war. Die Leistung des Schülers war in Informatik praktisch 0. Die einfachsten Grundkenntnisse und -begriffe waren einfach nicht vorhanden. Es war sehr qualvoll. Einfach nichts zu holen, selbst, wenn man ihm 98% der Lösung in den Mund legte. Die andere Prüfung war in WiPo, da hat der Hauptprüfer praktisch einen mündlichen Lückentext mit dem Prüfling vorgeführt.

    Dieser Schüler musste in jede mündliche Nachprüfung, weil er sehr viele 5en und zu wenig Noten besser als 4 hatte, mit denen er die 5en hätte ausgleichen können. Die Kollegen sagten am Tag der mündlichen Prüfungen, dass er in jeder davon eine ähnliche Leistung gezeigt hat.

    Da kam in der ZK dann mehrfach ein Argument, mit dem auch lange nach der ZK die Kollegen ihre Note (aka "doch noch eine 3, dann kann er die eine 5 doch noch ausgleichen") begründet haben: Er hat sich ja bei Mercedes beworben (Autohaus) und wurde angenommen, aber die nehmen nur Leute mit mindestens Fachhochschulreife.

    Mich hat das irritiert und das tut es immer noch.

    Klar gibt es Situationen, in denen es angemessen ist, pädagogische Aspekte stärker als Arithmetik bei der Notenfindung zu berücksichtigen.

    Aber "Weil er doch sonst seine Ausbildungsstelle verliert"? Die Schule hat dem Autohaus jetzt vorgegaukelt, dass der Schüler studierfähig ist. Oder sehe ich das falsch?

    Ich habe Kollegen, die lassen die SuS nicht mehr rein, wenn sie immer wieder zu spät kommen. Ich habe auch schon das ein oder andere Mal Zuspätkommer vor der Tür warten lassen, mit dem freundlichen Hinweis, dass wir jetzt gerade in einer Arbeitsphase sind. 15 Minuten später lassen ich die Person dann rein. Wenn sie meint, dabei lautstark die anderen SuS begrüßen oder auf andere Weise stören, fliegt sie direkt wieder raus.

    Ich entscheide ja nicht, wer eine Strafe kriegt - Ich stelle das nur Fehlverhalten fest* und ahnde es so, wie es vereinbart ist (mündliche Bekanntgabe von Regeln (am besten hinten im Klassenbuch dokumentiert, Klassenregeln, Schulordnung etc.). Wenn die SuS das erstmal begriffen haben, dass sie selbst entscheiden, ob sie bestraft werden, wird es besser. Dazu muss man natürlich konsequent sein und bleiben. Was nicht bedeutet, dass es keine Ausnahmen geben kann.

    *Bei Noten handhabe ich das genauso, wenn es zu Diskussionen kommt: "Ich mache die Noten nicht - das macht Ihr selbst. Ich stelle die Noten nur fest."

    Natürlich weiss ich, wem ich die Note geben muss. Das finde ich im Gespräch schon raus.

    Ach so, ja. Wenn die SuS ihre Arbeit verteidigen müssen geht das natürlich. Bei Präsentationen mache ich das genauso. Dann merke ich schnell, ob sie überhaupt etwas von dem verstehen, was sie da zusammengefasst und präsentiert haben.

    Das für alle Hausaufgaben zu machen wäre mir viel zu aufwendig. Ich käme ja kaum noch zum Unterrichten. Aber es mag durchaus Unterrichtskonzepte geben, wo das gut funktioniert.

    Falls bei einem Schüler in der Abschlussklasse letztlich eine 5 in Religion den Schulabschluss verhageln würde, kann man am System zweifeln. Besonders, wenn der Kollege keine Gnade und kein Mitleid kennt. Da zweifelt man auch an der Berechtigung zur Missio - Leistung hin oder her.
    Noten unterliegen der Prämisse einer pädagogischen Gesamtwertung und -beurteilung - auch zum Wohl des Kindes.
    Es gilt auch abzuwägen, ob eine Wiederholung Sinn macht, welche Ursachen zur "Minderleistung" beigetragen hatten - und ob sich andere Perspektiven bieten.

    Zum wohl des Kindes - auch wenn das Kind 23 Jahre alt ist? Ich bin Lehrer an einer berufsbildenden Schule.

    Auch wenn das jetzt kein wirklicher Trost ist: verbeamtet, dürftest du auch nicht viel mehr Geld haben als jetzt, denn die private Krankenkasse wird dich vermutlich nur mit Risikoaufschlag von 30 % nehmen. Je nach Alter zahlst du dann locker 500 Euro und mehr. Und zwar auch, wenn du mal Teilzeit machen solltest. Das darf man wirklich nicht vergessen! Auch steigen die Stufen im TVL schneller als bei den Beamten, du bist schneller in der Endstufe. Du könntest auch mal versuchen eine Kur zu beantragen, als Beamter geht das nämlich kaum noch (da immer besser als Akuteinweisung in die Klinik), sonst ist das Risiko hoch, auf erheblichen Kosten sitzen zu bleiben….

    Nicht pauschalierbar. Ich zahle als Beamter mit 30% Aufschlag und zwei Kindern weniger als wenn ich angestellt wäre. Selbst so erlebt für drei Monate, als ich unter die JAE fiel und mich als Angestellter in der GKV versichern musste. Ab dem 1.4.2024 war ich verbeamtet und zahle für die PKV weniger. Bei sehr deutlich besseren Leistungen, jedenfalls was ich bisher in Anspruch nehmen musste.

    Nochmal ganz deutlich: Bei mir macht die Differenz zwischen angestellt und verbeamtet ca. 1.100,- netto aus. 1.400,- abzüglich PKV. Verheiratet, zwei Kinder. Und die Pension ist auch sehr viel höher, als ich als Angestellter erwirtschaften hätte können.

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