Ich denke auch nicht, dass hier irgendjemand versucht, dich persönlich anzugreifen. Davon hätte hier auch keiner etwas. Ich bin selbst erst seit knapp drei Jahren dabei und dazu noch Seiteneinsteigerin. Ich lerne ebenso jeden Tag hinzu und hab manchmal so meine Schwierigkeiten mit Classroom-Management. Allerdings erscheint es auch mir so, dass irgendwas in deinem Unterricht nicht rund läuft und das liegt nicht nur an den Schüler*innen. Ich selbst hab zwar auch was gegen Essen und Quasseln im Unterricht, aber das kann man schnell und mit ein wenig Augenzwinkern lösen. Wer im Unterricht sitzt und fast am Verhungern ist, darf auch bei mir essen. Ich räume für die ganze Klasse dann Zeit ein, z.B. die letzten 10 Minuten, und gut. Man muss einfach Kompromisse finden und in der 12. Klasse sollte das kein Problem sein.
Wenn man natürlich wiederholt mit einem Schüler/einer Schülerin aneinander gerät, dann sollte man, möglichst nicht vor der ganzen Klasse, das Gespräch suchen. Kann man auch gut mal in der Pause oder einer Freistunde machen oder halt zu vereinbartem Termin. Sollte sie als Back-up gerne Mitschüler*innen dabei haben wollen, kann man entweder sachlich erklären, warum ein Vier-Augen-Gespräch sinnvoller ist, oder man nimmt es so hin. Die werden wohl kaum mit Mistgabeln und Fackeln auf dich warten. Und wenn dann die Mutter zum Termin dazukommen möchte, umso besser, also aus meiner Sicht. Dann hast du jemanden dabei und sie auch, es wird Protokoll geführt und nach einer Lösung für alle gesucht. Allerdings wirken Aussagen von dir, wie:
Dann rückt sie sicher mit der Mutter an. Hab schon überlegt sie in einer anderen Unterrichtsstunde beim Kollegen rauszunehmen?
oder
ZitatSpontan geht nicht weil dann die Gefahr besteht, dass sich die anderen auf ihre Seite schlagen.
so, als hättest du kein reines Gewissen oder Angst vor der Konfrontation oder bist sehr verunsichert oder nimmst das Verhalten der Schüler*innen persönlich. Das wirkt nicht so gestanden und erwachsen, wie erwartet. Letztlich sind das nur Mutmaßungen meinerseits, aber das meinen die anderen eventuell mit nicht professionell. Du bist am Ende der Lehrer. Mach klare Ansagen und vor allem zeig klar auf, welche Konsequenzen bei Verstoß zu erwarten sind, aber bleib auch realistisch. Ich kann in meinem Unterricht natürlich alles verbieten und mir dadurch den Unmut zuziehen, oder versuchen, vor allem bei 12. Klässlern, den Dialog zu finden. Wichtig wäre in meinen Augen auch, ggf. den Reset-Button zu drücken, wenn das mit der Klasse so verfahren ist. Dann lieber auf fachlichen Unterricht mal verzichten und klären, was gerade schief läuft, und zwar auf Augenhöhe. Das sind junge Erwachsene, die wollen auch so wahrgenommen und behandelt werden. Die wollen keine übergestülpten Regeln, sondern mitbestimmen und Transparenz. Ich selbst hab 10. Klässler und bezieh die viel mit ein, weil es mir wichtig ist. Andererseits wissen die aber auch ganz genau, was ich von ihnen erwarte und welche Regeln gelten. Die Balance ist wichtig.