Polizei und Justiz kommen halt an ihre Grenzen.
Die Justiz hat Personalprobleme, insbesondere auch bei den Rechtspflegern, und die Staatsanwaltschaft haut reihenweise Strafbefehle raus. Vieles landet gar nicht vor Gericht, auch wenn es in einigen Fällen nötig und sinnvoll wäre, weil man aufgrund der hohen Arbeitslast priorisieren muss. Hinzu kommen neben der Personalsituation auch die strukturellen Defizite - Stichwort Digitalisierung.
Wir haben etwa 150.000 Personen mit offenen Haftbefehlen in Deutschland. Etwa 2500 davon wegen Tötungsdelikten. Deutschland hat in vielen Bereichen ein massives Vollzugsproblem.
Bei Abschiebungen das Gleiche: Wir haben vollziehbar Ausreisepflichtige, die zudem in der Vergangenheit auch Straftaten begangen haben, die ... einfach im Land bleiben. Über Jahre.
Wenn wir die Zustände in den Schulen verbessern wollen, müssen wir den Schulen und Lehrern auch mehr Werkzeuge an die Hand geben und die Bürokratie reduzieren. Ich bin der Überzeugung, dass Schülerverhalten für viele Schulen und Lehrer das Problem Nr. 1 ist. Ich empfinde es auf jeden Fall so.
Kinder mit deutschen Eltern sind aber auch regelmäßig (sehr) auffällig. Ich kann häufig nicht einfach in den Unterricht kommen und wir machen Unterricht. Es geht einfach nicht mehr. Bis es ruhig ist, bis Schüler ihre Materialien haben. Dann wird der Unterricht immer wieder gestört. Schüler beleidigen sich gegenseitig. Man droht mit Konsequenzen. Es folgen Konsequenzen. Die Wirkung der Konsequenzen lassen mit der Zeit weiter nach. Dann kommen Ordnungsmaßnahmen. Dann müssen wir die Eltern einladen mit entsprechender Frist und ein ganzes Gremium einladen am Nachmittag. Dann brauchen wir einen Dolmetscher. Der absagen muss. Der Termin wird verschoben. Wir haben einen neuen Termin. Und so weiter...
Ganz ehrlich, was soll das? Wie soll ein System so noch funktionieren? Wenn es mal 1 oder 2 SuS im Jahr wären, aber die Flut an Ordnungsmaßnahmen, die wir brauchen, ist so groß, um überhaupt den Laden am Laufen zu halten. Alles andere ist bei einer bestimmten Klientel nahezu wirkungslos. Gespräche, Nachsitzen, "du du du" - das interessiert die nicht. Die Konsequenzen und das Prozedere müssen erst so unangenehm werden, dass ein Schüler überhaupt darüber nachdenkt, aufzuhören.
Und es sind immer die Gleichen. Wir beschäftigen uns mit einer Minderheit, die die Mehrheit terrorisiert.
Das ganze Prozedere muss vereinfacht und entbürokratisiert werden. Mehr Vertrauen für Schule und Lehrer, weniger Widerspruchs- und Klagemöglichkeiten, mehr Handhabe. Wird aber eh nicht passieren.
Stattdessen gibt es mehr "Projekte", es gibt mehr "Modelle", mehr "Unterrichtskonzepte", mehr "selbstständiges Arbeiten", mehr "Digitalisierung" (Brawlstars auf iPad zocken). Wir haben die Schüler einfach nicht abgeholt und den Unterricht nicht interessant genug gestaltet.