Beiträge von Herr Bernd

    In BY kommen als MR studierte Kolleg:innen, in anderen BL kommen manchmal Abordnungen, auch aus den anderen Schulformen, oder aber generell Studierende.

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    Meines Wissens waren in Bayern bis vor wenigen Jahren praktisch alle bayerischen Mobilen Reserven (MR) wie praktisch alle GS-Lehrkräfte studierte und verbeamtete GS-Lehrkräfte, jetzt sind auch Quereinsteiger und Studierende dabei, mit oft nur einem oder zwei Tagen pro Woche, zumindest in unserem Landkreis, zumindest an meiner Schule bei Vertretungen eingesetzt. Nicht für langfristige Vertretungen mit Klassleitungen, aber oft für Fortbildungsvertretungen und absehbar kurze Erkrankungen, bei denen Material auf dem Pult liegt oder von den Parallelkolleginnen kommt. Langfristige Einsätze wohl nur zum Auffüllen weniger Stunden wie bei uns. Sport darf nicht gegeben werden, aber Kunst, D- und M-Übungsstunden, Förderstunden oder Differenzierungen bieten sich an. Bedeutet dann für die verbeamteten MR mit Klassleitung eine noch größere Belastung, weil die Erholungsstunden, für die sie oft sogar das Material vorbereiten, wegfallen. Das ist aber bei festen, nicht-mobilen Klassleitungen, bei denen Quereinsteiger auffüllen, genauso und macht die Lehrerarbeit insgesamt nicht attraktiver. Stichwort Lehrkräftemangel.

    An meiner Schule (GS Bayern) ist eine Klassenlehrerin mit überhälftiger Teilzeit wegen Schwangerschaft krankgeschrieben, eine ältere Fast-Vollzeitkollegin fällt jetzt für mindestens 4 Wochen krank aus, wahrscheinlich wird es länger. Für die schwangere Kollegin übernahm eine Mobile Reserve (GS-Lehrerin, verbeamtet) mit 12 Stunden die Klassleitung, 5 Stunden aufgefüllt von einer MR (Quereinsteigerin, angestellt). Für die ältere Kollegin hat eine MR (GS-Lehrerin, verbeamtet) mit 10 Stunden die Klassleitung bekommen, eine weitere MR (GS-Lehrerin, verbeamtet) ist mit 9 Stunden in der Klasse (sie entlastet die Kollegin schon mit Korrekturen, aber auch offiziell ist es keine geteilte Klassleitung), eine GS-Studentin (angestellt) füllt auf, was nicht entfällt, und erwartet, dass sie das Material für ihre Stunden bekommt.

    Kurz: Die MR mit 12 Stunden ist bereits jetzt über dem Limit (4. Klasse, Proben, Elternsprechtag, ...), die MR mit 10 Stunden hat schon angekündigt, dass sie nächstes Schuljahr mit den Stunden noch weiter runter gehen wird, um eine Klassleitung auszuschließen. Wahrscheinlich wird es in allen Spiralgalaxien so sein wie in unserer Galaxie, und überall in Bayern wie an meiner Schule: Ausgebildete GS-Lehrkräfte müssen mit 10 Stunden eine Klassleitung übernehmen und auffüllende Quereinsteiger und angestellte Studierende noch an die Hand nehmen, was dazu führt, dass Lehrkräfte, die ohne Klassleitung 12 oder mit Differenzierungen vielleicht 14 Stunden unterrichten würden, ihre Familienteilzeit weiter reduzieren auf 8 Stunden oder noch weiter auf Mindeststundenzahl.

    Dem könnte das Schulamt entgegenwirken, indem es schon im März, wenn Teilzeitanträge für das kommende Schuljahr gestellt werden, den Einsatz mit den Lehrkräften absprechen würde, und sich an die Absprachen halten würde. Klassleitungen könnten mit einer, am besten zwei Ermäßigungsstunden angerechnet werden, auch bei Vollzeitkräften. Wahrscheinlich käme am Ende ein Stundenplus heraus. (Und: ja, für den Staat wäre es etwas teurer.)

    Man könnte die Kosten klein halten und Doppelzimmer buchen.

    In einem früheren Kollegium wurde schon eine Wochenendfahrt durchgeführt, freiwillig und privat, mit Doppel- oder Einzelzimmer. Ungefähr die Hälfte des Kollegiums war dabei (ich nicht), alle waren nachher begeistert, ein schönes, harmonisches Wochenende. Die Planung war dabei Thema auch bei dienstlichen Besprechungen, also doch nicht ganz privat. Ob und, falls ja, welchen Einfluss das auf dienstliche Beurteilungen hatte, kann ich nicht sagen. Die Schulleitung war jedenfalls auch mit dabei.

    @ O. Meier:

    Die Teilnahme ist nicht verpflichtend, wer nicht mitgeht müsste allerdings unterrichten, falls er an dem Tag noch die 5. oder 6. Stunde Unterricht hat. Macht natürlich keiner, manche kommen aber nur zum Mittagessen oder gehen schon vor Kaffee und Kuchen. Die allermeisten bis auf wenige, einzelne Teilzeitkolleginnen kommen, das Kollegium ist auch nicht so groß wie an einer weiterführenden Schule. Ziel ist immer in der Umgebung, nicht weiter als eine halbe Stunde Autofahrt von der Schule. Fahrt in Privat-Pkws, zum Teil in Fahrgemeinschaften. Essen, Eintritt o.ä. zahlt jede selbst. Gefühlt ist es eine Mischung aus privat und dienstlich.

    Bundesland ist Bayern.

    Jedes Jahr im Oktober das gleiche Spiel: SchiLF (= schulhausinterne Lehrerfortbildung) zur Lehrerinnengesundheit, aka Kolleginnenausflug. Die Eltern bekommen den offiziellen Bescheid, dass wegen einer Lehrerfortbildung schon nach der 4. Stunde Schulschluss ist, es geht lecker Mittagessen, Spaziergang an der frischen Luft (Lehrergesundheit), manchmal auch eine Kleinstadtführung oder eine Kunsthandwerkstatt, und dann ab in ein Café.

    Einige Kolleginnen finden diese Umetikettierung ganz schlau und kreativ. Warum aber können wir nicht einfach einen jährlichen Kolleginnenausflug machen und deswegen den Unterricht schon nach der 4. Stunde schließen lassen? Die Schulleitung sagt (jedes Jahr aufs Neue), dass das Schulamt das dann nicht genehmigt, früherer Schulschluss wegen Kolleginnenausflugs. Eine Abfahrt nach regulärem Schulschluss um 13 Uhr ist zu spät zum Mittagessen, und es gibt ja diese tolle und kreative Möglichkeit des Etikettenschwindels.

    Das Schulamt nickt es so ab. Die nicht ganz stumpfen Eltern werden sich zwar ihren Teil denken, den meisten der stumpfen wie nichtstumpfen aber wird es egal sein, solange ihre Kinder in der Mittagsbetreuung aufgehoben sind. Und das Schulsystem stärkt einen (äußerst kleinen) Baustein seiner Aufrichtigkeit.

    Ich rate, wie viele im Forum wissen, jedem Mann dringend ab, Grundschullehrer zu werden. Aber auch Frauen kann ich es nicht empfehlen, allgemein der Bedingungen wegen, der Arbeitsmenge im Verhältnis zur Besoldung, des Ansehens, (der Ungerechtigkeit) des Systems wegen, der Schülereltern wegen und, ja, auch der heutigen Kinder. Die Verbeamtung bringt meinem Empfinden nach mehr Fesseln als Privilegien (das einzige für mich die Familienteilzeit), ohne Verbeamtung aber ist die Bezahlung noch schlechter.

    nie gab es bessere Chancen auf eine Stelle und deren Auswahl

    Erstaunlicherweise gilt im Beamtentum (zumindest im bayerischen Beamtentum) nicht das Prinzip der freien Marktwirtschaft von Angebot und Nachfrage. Der Lehrermangel führt dazu, dass die vorhandenen Lehrer noch mehr ausgepresst werden, Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt, Grundschulkräfte zu Klassleitungen in weit unterhälftiger Teilzeit gedrängt oder in die Mittelschule abgeordnet werden, und damit auch bewusst Druck vom Schulamt ausgeübt wird.

    Aber wie geht das konkret? Beispiel Mathematik-Abitur: Werden direkt vor der Klausur Hinweise gegeben? Die Ergebnisse oder Zwischenergebnisse vorgegeben, so dass nur noch ein Weg dorthin gefunden werden muss? Wird auch auf "fast Richtiges" die volle Punktzahl vergeben? Werden kleine Fehler großzügig übersehen? Gibt es schon ab 80 Prozent eine 1, oder mit 60 Prozent eine 2? Oder sind doch die Aufgabenstellungen heue einfacher als früher? Oder haben die 1,0er-Abiturientinnen als Schwerpunkte vorzugsweise weiche Fächer wie Sprachen? Und falls auf irgendeine Weise großzügig korrigiert wird: Warum? Von wem kommt die konkrete Vorgabe dazu in welcher Form?

    Im Lokalteil meiner Zeitung sind gerade immer wieder Gruppenfotos der Abiturjahrgänge der Gymnasien in Stadt und Landkreis, mit Nennung der besten Abiturientinnen in der Bildunterschrift. Wenn fünf Prozent des Abiturjahrgangs eines staatlichen Kleinstadtgymnasiums im bayerischen Abitur die Note 1,0 erreicht haben, und vierzig Prozent eine Eins vor dem Komma, trotz (auf dem Papier) durchaus anspruchsvoller Aufgabenstellungen, trotz der Coronajahre, trotz der hohen Übertrittsquoten nach der Grundschule mit allem, was das bedeutet, frage ich die bayerischen Gymnasiallehrer: Wie kann das sein, und warum ist es so? Meine Vermutungen habe ich natürlich, die würde ich gerne abgleichen.

    Die Fünftklässler, die ich im Unterricht erlebt habe, konnten einige grundlegende Wortfelder mündlich abrufen und - und zumindest das hat ja durchaus auch einen nicht zu unterschätzenden Wert - waren nicht scheu zu sprechen. Insofern war der Grundschulunterricht durchaus erfolgreich darin, Sprechhemmungen abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Dennoch waren die Kenntnisse so marginal, dass man es in 2-3 Monaten aufgeholt hätte.

    Zwei Wochen in den Sommerferien in einem holiday park in England bringen wahrscheinlich bessere Sprachkenntnisse als zwei Jahre Grundschulenglisch, einschließlich ein paar Flüchen. Irgendwelche Erfahrungen hierzu mit eigenen Kindern?

    Ich bin für die Streichung, gerade weil ich ein Freund von England und der englischen Sprache bin. Mir stehen jetzt noch die Haare zu Berge, wenn ich an die Pflichtfortbildung denke, die angeblich das Rüstzeug zum Vermitteln der englischen Sprache bereitstellen sollte, sei es nur im Grundwortschatz und in ein paar Wendungen.

    Wenn der Unterricht (im weitesten Sinne) als Immersion von Muttersprachlerinnen mit grundschulpädagogischer Ausbildung durchgeführt würde, wäre ich für ein Angebot als AG in kleinen Gruppen, drei Stunden wöchentlich.

    Heißt es nicht immer: der Wille zu gestalten? Viele Schulleitungen leiden an Bestimmeritis.

    Ich stelle es mir gerne vor, wenn ich davon höre, wie die Kolleginnen, die es sich überlegen, zu Hause am Abendbrottisch sitzen und es mit ihrem Partner besprechen, oder jetzige Schulleitungen einmal da saßen, und abwogen, ob sie geeignet sind. Und ich denke dann: Wärest du doch ehrlich zu dir selbst gewesen! Wäre doch dein Partner ehrlich gewesen!

    Mir wäre die liebste Motivation: Den Lehrerinnen den Rücken freizuhalten, jährliche Sommerfeste und andere Aktionen abzublocken, für bessere Ausstattung und Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

    Eine 3? UB, in der ersten dienstlichen Beurteilung in Bayern? Das wäre überragend ...

    Ich nehme das überragend zurück. UB gibt es an bayerischen Gymnasien bei Junglehrerinnen deutlich häufiger als an Grund- und Mittelschulen. Wobei UB für "eine Leistung, die die Anforderungen übersteigt" steht.

    Junge Gymnasiallehrerinnen sind damit, amtlich bestätigt, besser als junge Grundschullehrerinnen. Das lässt Rückschlüsse auf die Kolleginnen, auf die Ausbildung, auf die Ausbilderinnen, auf die Anforderungen oder auf die Beurteilerinnen zu. Die Zahlen sind von 2020.

    Ich glaube, ob das "Sprachbad" ausreicht, hängt einerseits davon ab, wie dieses Sprachbad aussieht, also ob die meisten Kinder im Umfeld korrektes Deutsch sprechen (wenn das Großteil der Kinder Muttersprachler sind) und natürlich auch von der Sprachbegabung der jeweiligen Kinder ab.

    Ganz ehrlich, wenn im Umfeld (Kindergarten, Schule) der Kinder halbwegs korrektes Deutsch gesprochen wird, diese Kinder meist den Großteil ihres Tages dort verbringen (meist so ab 7/8 Uhr bis zum Nachmittag), müssten sie bei durchschnittlicher Begabung innerhalb der Kindergartenzeit sehr gut Deutsch lernen.

    Ich glaube (ohne jede wissenschaftliche Grundlage), wenn im Umfeld halbwegs korrektes Deutsch gesprochen wird, dann lernen die Kinder auch nur halbwegs korrektes Deutsch. Sie bauen sich aus zweimal halbwegs korrektem Deutsch kein ganzes richtiges oder gar sehr gutes Deutsch zusammen. Du hast geschrieben, dass sie sehr gut Deutsch lernen müssten, da stimme ich überein, wenn du meinst, sie müssten sehr gut halbwegs korrektes Deutsch lernen. Ein Umfeld mit korrektem umgangssprachlichen Deutsch würde dieser Theorie nach zumindest zu korrektem umgangssprachlichen Deutsch führen. Das würde mir schon reichen bis zur ersten Klasse.

    Ich halte es für wichtig, dass Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache, die in Deutschland leben, viele deutsche Bücher lesen, und gerne auch Fernsehen und Filme in deutscher Sprache schauen, zumindest nicht nur in ihrer Muttersprache, und Hörspiele hören, am besten das gesamte Paket. Vorlesen von deutschen Kinderbüchern würde auch helfen, die sind oft in sehr guter Sprache, und das könnten sogar Eltern, die selbst nur halbwegs richtiges Deutsch sprechen. Eine halbe Stunde jeden Abend, bis in die dritte, vierte Klasse hinein. Ich denke, es hängt sehr von den konkreten Familien ab, ob so etwas geschieht oder nicht.

    Ich hatte noch nie auch nur in einer meiner Klassen auch nur ein einziges Kind mit beiden Elternteilen (oder drei oder vier Großelternteilen) aus Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, Island, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Israel, Kanada, China, Südkorea, ganz Süd- und Mittelamerika, Australien, Neuseeland. Ein Junge aus Japan, eine Amerikanerin, zwei Mädchen mit Eltern aus Vietnam. Meine durchaus große Erfahrung mit Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache ist leider geographisch relativ begrenzt.

    Vor vielen Jahren war es noch nicht so geregelt. Da war es davon abhängig, wie viel man als Beamter in den letzten Jahren gearbeitet hat. Aus diesem Grund haben viele zum Schluss, falls sie es noch bewältigt haben, Vollzeit gearbeitet. Dieses System jetzt ist viel gerechter.

    Soweit ich weiß, wird die Pension nach der letzten Gehaltsstufe berechnet. Wer 25 Jahre A13, 10 Jahre A14 und 5 Jahre A15 war, erhält trotzdem seine Pension komplett auf A15-Niveau. Falls jemand von den Regierungen mitliest: Da könnte man noch dran drehen, und vielleicht erschiene es manchem Lehrer sogar gerechter als das aktuelle System.

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