Ich möchte den Thread nach Jahren heraufholen und rate, zum Ausgleich der letzten Beiträge, wie der in Beitrag #13 angeführte ehemalige Grundschullehrer davon ab, als Mann Grundschullehrer zu werden. Und zwar mit genau der Begründung, dass es so wenige männliche Grundschullehrer gibt. Es gibt weitere Gründe, die aber auch Frauen betreffen, oder die sich daraus ableiten, dass es so wenige männliche Lehrer an Grundschulen gibt. Ich spreche aus bayerischer Perspektive.
Der Anteil von Männern an bayerischen Grundschullehrkräften liegt irgendwo zwischen 5 und 15 Prozent, Tendenz sinkend oder auf diesem Niveau stagnierend. An vielen Grundschulen unterrichtet kein einziger Mann, ich kenne keine Grundschule in meinem Landkreis, an der mehr als zwei männliche Grundschullehrer im Kollegium sind. Bei Grundschulleitungen ist es ähnlich. Von 25 Grundschulen in meinem Landkreis werden mittlerweile 24 von Frauen geleitet, außer dem einen Rektor gibt es im Landkreis zwei Konrektoren. Noch die ersten vier Schulen, an denen ich als Referendar und Lehrer unterrichtete, hatten durchweg männliche Rektoren. Die sind mittlerweile alle im Ruhestand, an ihren Stellen Rektorinnen, und auch ich selbst hatte danach nur weibliche Schulleitungen - Rektorinnen und Konrektorinnen.
In der Grundschule ist man als Mann allein auf weiter Flur. Man hat einen anderen Beruf gewählt als praktisch alle anderen Männer. Das führt zu Rechtfertigungsdruck, vor allem vor sich selbst. Viele männliche Grundschullehrer werden sich, wenn man sie danach fragt, nicht als typische Grundschullehrer sehen. Werden vielleicht noch promovieren wollen oder in die Schulleitung streben. Oder sich nicht durch den Beruf definieren. Think about it!
Zur Untermauerung verweise ich auf das Buch „Allein unter Frauen. Der berufliche Habitus männlicher Grundschullehrer“, eine Dissertation aus dem Jahr 2010, das jeder männliche Student des Fachs „Grundschullehramt“ im ersten Semester lesen sollte, am besten noch davor.
Augen auf bei der Berufswahl!