Beiträge von Gymshark

    in den wenigsten Familien ist es heute noch so, dass ein Elternteil Mittwochs um 10:30 Uhr für ein Gespräch in die Schule kommen kann ohne sich extra frei zu nehmen.

    Ich habe durch mein Fächerprofil weniger Elterngespräche als die Kollegen in der Primarstufe, aber zumindest bei unseren Schülereltern bzw. Eltern in meinem Bekanntenkreis gibt es fast immer Möglichkeiten, mittags Zeit einzurichten, wenn nötig (und wenn Elterngespräche stattfinden, dann in der Regel, weil es einen schwerwiegenden Gesprächsanlass gibt). In fast allen mir bekannten Familienkonstellationen arbeitet ein Elternteil Teilzeit, Gleitzeit/Vertrauensarbeitszeit oder Schicht, kann nach interner Absprache früher gehen/später kommen/die Schicht wechseln oder einen (halben) Tag Urlaub nehmen, wenn der Elternteil nicht bereits eh Urlaub hat (nicht alle Eltern bekommen in den Schulferien Urlaub und dann werden die Tage ggf. anders gelegt).

    Das kennen die Elternteile auch von anderen Situationen, in denen sogar spontaner reagiert werden muss als bei in der Regel gut planbaren Schulgesprächen (z.B. Handwerker, Arztbesuche, Behördengänge,...).

    Es ist einfach realitätsnah, sich bewusst zu machen, dass nicht jeder Schüler, jede Schülerin gerne im Unterricht sitzt. Er oder sie mag dann vielleicht Sprachen, kriegt aber bei Mathe das nackte Grauen. Wir müssen da aber gemeinsam durch, wobei zumindest ich die Hoffnung habe, dass die Jugendlichen in 10 oder 20 Jahren sagen werden, dass sie ganz gut fanden, was sie aus dem Unterricht mitgenommen haben, selbst sie es jetzt noch nicht so wahrnehmen.

    Beispiel: "Ich habe keine Lust, Algebra zu pauken. Ich könnte jetzt im Unterricht mit meiner Sitznachbarin quatschen oder statt nachmittags noch einmal ein paar Aufgaben zu rechnen, das neue Videospiel zocken. Da ich aber keine schlechte Note bekommen möchte, wegen der ich sonst Ärger von meinen Eltern haben werde, überwinde ich meinen inneren Schweinehund und lasse mich doch auf das Zeug ein (und, O-Ton von mir, merke, dass es doch nicht schlimm ist wie anfangs befürchtet)."

    Ich finde Noten im Bildungssystem grundsätzlich sinnvoll, da wir uns bewusstmachen müssen, dass Kinder und Jugendliche der Schulpflicht unterliegen und daher nicht für jedes Fach zu jedem Zeitpunkt intrinsische Motivation aufbringen können oder wollen, gleichzeitig von staatlicher Seite aus Interesse besteht, dass sich die Kinder und Jugendlichen dennoch mit diesen Inhalten auseinandersetzen und die entsprechenden Kompetenzen erwerben.

    Wenn sie sich schon für bestimmte Inhalte (temporär) nicht interessieren, sollen sie zumindest mitmachen, um negative Konsequenzen im Rahmen einer schlechten Note zu vermeiden.

    Ich verweise dazu u.a. an den Fall "Weißer Riese" vor einem halben Jahr: https://www1.wdr.de/nachrichten/ru…isburg-100.html .

    Ein Missbrauch wäre auch dann gegeben, wenn Ärzten, Lehrkräften oder Sozialpädagogen auffällt, dass Kinder und Jugendliche vernachlässigt werden und die Erziehungsberechtigten auf Nachfrage der Behörden nicht nachweisen können, dass Kindergeld zweckangemessen ausgegeben wurde.

    Im Sinne der Entbürokratisierung gäbe es keine allgemeine Nachweispflicht, sondern nur eine im Fall von Kindeswohlgefährdung oder Systembetrug.

    Tom123 : Der Einfluss auf die demographische Entwicklung eines Landes ist dann doch zu groß, um Kinder als "gewissen Luxus" darzustellen.

    Den Vorschlag der Erhöhung des Kindergeldes finde ich gut. Gleichzeitig sollte Missbrauch von Kindergeldbezug konsequent geahndet werden.


    2. So ein klassistisches Verhalten geht gar nicht, was meinst du mit "der kleinere Übel"?

    Der Gedanke geht in Richtung von dem, was Maylin85 mal in Bezug auf chronische Unterrichtsstörer in einem anderen Strang schrieb, nämlich dass diese, wenn sie schon keine Lust auf Unterricht haben, zur Abwechslung in einem Betrieb körperlich anspruchsvolle Arbeit verrichten sollen, um für sich herauszufinden, ob ihnen das vielleicht eher liegt statt der (aktiven) Teilnahme am klassischen Unterricht. Der "Betrieb" wäre in diesem Fall nicht ein separater Betrieb, sondern die Unterstützung des Schulhausmeisters, und der Einsatz auf ein paar Nachmittage begrenzt.

    Das Kernproblem ist, dass die Schüler (m/w/d) den Sinn des Unterrichts nicht verstehen. Du könntest dir jetzt die Mühe machen und zu jedem Unterrichtsthema ein super motivierendes Beispiel aus dem Alltag, idealerweise mit Bezug zur Lebensrealität der Schüler (m/w/d), heraussuchen. Das ändert aber nichts daran, dass die Jugendlichen lernen müssen, dass sie sich auch mit Dingen auseinandersetzen müssen, die jetzt nicht immer extrem viel Spaß machen - weil das zum Leben einfach dazugehört.

    Du schreibst, es gibt in Klasse 9 und 10 keine Noten. Gibt es wenigstens ein pass-or-fail-System oder rücken die Schüler (m/w/d) automatisch auf, selbst wenn sie die vorgesehenen Kompetenzen gar nicht erworben haben?

    Wenn nicht, sieht es sehr schlecht aus mit einer Handhabe deinerseits.

    In Klasse 9 und 10 kannst du störende Schüler (m/w/d) unbetreut noch nicht aus dem Unterricht schmeißen (vgl. Sek II).

    Was mir noch einfällt: Vielleicht kann der Hausmeister etwas Hilfe gebrauchen?

    Dauerstörer könnten damit beauftragt werden, dem Hausmeister zu helfen - solange bis ihnen der Mathematikunterricht als das geringere Übel erscheint.

    Ansonsten: Es macht keinen Sinn, dich als teuere Ressource zu nutzen, um Schüler (m/w/d) zu bespaßen, die offensichtlich keine Lust haben, unterrichtet zu werden. Ich würde mich im Kollegium umhören, ob die Arbeitsmotivation in anderen Fächern ähnlich aussieht, und wenn ja, die betroffenen Eltern zusammentrommeln und mal anklingen lassen, da es ja um Klasse 9/10 geht, ob es nicht sinnvoller wäre, über eine Ausbildung bzw. den Übertritt in die Berufswelt nachzudenken.

    Zauberwald : Ich habe ein 80+-Familienmitglied, das sich von der Beschreibung her sehr wie deine Mutter anhört. Das kann ich gut verstehen. Ich fände es persönlich auch schwer, mich für einen Essensdienst zu entscheiden, wüsste ich, dass das selbstgekochte Essen nach mehreren Jahrzehnten der Gewohntheit eben nicht mehr möglich ist. Ich weiß nicht, wie deine Mutter so drauf ist, aber vielleicht macht ihr einen auf Dieter Bohlen und schaut, welcher Essensdienst es in den Re-Call schafft - halt mit so ein bisschen Witz bei aller Notwendigkeit der Sache.

    Im Übrigen geht es mir nicht darum, dass sich jemand schlecht fühlen soll, weil etwas in einem bestimmten Alter nicht mehr geht, sondern von dem, was (noch) möglich ist, das Maximale herauszuholen. Das kann mit 80+ das Studium sein oder eben auch die politische Debatte mit dem Pfarrer. Ich hoffe, du verstehst, worauf ich hinauswill.

    O. Meier : Ich bin mir unsicher, ob wir in Sachen Bewegung nicht eher einen Gegentrend erleben. Fitnessstudios verzeichnen ja große Mitgliederzuwächse und die berühmt-berüchtigten 10.000 Schritte pro Tag sind ja kein Insidertipp mehr, sondern in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Ich bin realistisch genug, einzuordnen, dass nicht jeder Bürger jede Woche ein intensives Sportprogramm durchführt, aber ich würde zumindest soweit gehen, zu behaupten, dass das Bewusstsein hinsichtlich der Rolle von Ernährung und Bewegung für die körperliche Gesundheit in der Bevölkerung in den letzten Jahren gestiegen ist.

    Beim Thema Alkoholkonsum gibt es unterschiedliche Statistiken. Die Einen kommen zu dem Ergebnis, dass moderater Konsum lebensverlängernd sein kann, die Anderen kommen zum gegenteiligen Ergebnis. Vermutlich ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.


    Ansonsten habe ich das Gefühl, dass hier ein leicht ironischer Unterton mitschwingt. Wäre es nicht super, wenn wir durch Präventionsmaßnahmen (und dass hier Potential besteht, wird sogar vom Bundesgesundheitsministerium anerkannt: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praeven…der-pflege.html) es schaffen würden, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen von derzeit 5,7 mio. auf 3 oder 4 mio. in 10 Jahren sinkt?

    Ich bin kein Experte auf dem Gebiet von Demenz, vermute sogar, dass du dich damit durch deinen gesundheitlichen Hintergrund damit mehr auskennst als ich. Ich habe auch vom Zusammenhang zwischen familiärer Vorbelastung und der Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, gelesen.

    Ich finde deinen Ansatz mit der Traumakonfrontation gut. Ich werde dennoch im Sinne des Biohacking-Ansatzes versuchen, mich kognitiv regelmäßig zu challengen, in der Hoffnung, dass es etwas bringt, auch wenn ich, wie du korrekt beschrieben hast, erst in ein paar Jahrzehnten erfahren werde, ob es funktioniert.


    Spannende These des Forschers Steven Austad: Der erste Mensch, der mal 150 Jahre werden wird, ist bereits geboren. Kann man als Wahrsagerei abtun, aber wer weiß, vielleicht ist ja tatsächlich etwas dran.

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