... und das Schlimme: das denken auch zum Teil Beamte bzw. verbeamtete Lehrkräfte.
Eine ehemalige Kollegin ist im vorzeitigen Ruhestand, wohnt am Schulort und noch in der Stadt hier und da aktiv (also war mal in der Zeitung, aus politischen Gründen)... was da über sie gelästert wurde, dass sie sich nur ein schönes Leben macht, ist nicht lustig 
Ich vermute, wir müssen gesellschaftlich herausfinden, was wir eigentlich wollen. Seit der Nachkriegszeit haben wir diverse Wellen und "Trends" durch: Das Phänomen der "arbeitenden Frau" zeigt dies besonders gut. Mal wird sie bemitleidet, mal als "empowering" (was jedoch oft damit einhergeht, dass das jeweilige Gegenmodell sozial geächtet wird, selbst wenn sich Menschen bewusst hierfür entscheiden) oder sogar als Soll-Zustand empfunden.
Auch die Age-Perspektive ist interessant. Ich erinnere mich an die Zeit, in der die ältere, arbeitende Person als das Beispiel für das Versagen des Sozialstaats betrachtet wurde. Wenn jemand ein paar Jahre vor dem Regelrenteneintrittsalter ausstieg, war das "normal" oder wurde zumindest nicht sonderlich kritisch beäugt. Deutlich früher "aus dem System ausbrechen", mit deutlich negativer Konnotation des Begriffs "Arbeit", wurde dann so ab Mitte der 00er-Jahre zum gesellschaftlichen Phänomen, gepusht durch diverse Auswandererformate und Social Media-Kanäle rund um Work-Life-Balance und Frugalismus.
Neuerdings tendieren wir dahin, die ältere, arbeitende Person als "empowering" zu betrachten, wobei es zu einem Clash zwischen Theorie und Praxis kommt. Die Politik wünscht zwar, dass Personen länger arbeiten, aber gleichzeitig berichten viele ältere Personen, dass sie es schwer haben, eine neue Stelle zu finden, da der Arbeitsmarkt Vorbehalte gegenüber ihnen hegt und sie nicht als "bereichernd", sondern "belastend" wahrnimmt.
Um auf deinen Kommentar oben zurückzukommen: Zu meiner Überraschung gehen mehr als 80% (!) aller Lehrkräfte vorzeitig in den Ruhestand (Quelle). Ich selbst tue mir schwer, mir dazu eine eigene Meinung zu bilden, weil ich die öffentliche Berichterstattung zum Thema "Arbeitszeit und Rente" in letzter Zeit als sehr emotional aufgeladen empfinde. Ich schätze, ich bin da nicht der Einzige und Leidtragende sind dann Menschen wie die von dir angesprochene ehemalige Kollegin, die sich dann durch die Blume gesagt als "Sozialschmarotzerin" verunglimpfen lassen darf.