Beiträge von Antimon

    Ist das echt noch so... Quengelnde SuS vor dem Lehrerzimmer. Witzig. Nee, ds kenne ich gar nicht bei uns. Meine SuS schreiben mir per eMail oder Teams, wenn sie ne Frage haben. Speziell bei uns in der Chemie hängen sehr gerne SuS über Mittag ab weil wir eine Mikrowelle und nen Wasserkocher haben. Ich glaube, wir sind die einzigen, bei denen SuS mal spontan fragen kommen ob der Herr W. oder die Frau K. grade da ist, weil sie wissen, dass bei uns eigentlich immer irgendjemand da ist und es notfalls auch die Frau S. oder der Herr R. tut weil es eigentlich um gar nichts Spezifisches geht.

    Auf Stundenpläne von KuK gucke ich auch nur selten, es ginge sicher ohne. Ich sehe die Person entweder im Lehrerzimmer, in der Mensa oder ich schreibe ein eMail. Es ist überhaupt keine Garantie, dass jemand Zeit hat, nur weil er nach der 6. Lektion unterrichtsfrei hat. Vielleicht muss die Person gleich weg und Kinder abholen. Also fragt man eh nach. Also kann man auch ohne Stundenplan einfach fragen.

    Ja, das ist so, mit der Kinderbetreuung. Sobald die aber im Kindergarten sind, ist's OK. Der kostet ja nicht und 1 Jahr ist ohnehin obligatorisch, also die müssen da hin. Ich habe aber bei 80 % Pensum knappe 8000 CHF pro Monat raus und sowas wie Kindergeld gibt's ja auch noch. Unser deutscher Lehrämtler ist nicht "versehentlich" hier ;)

    trotzdem werden wir viele Kräfte aus anderen Ländern in den Berufen benötigen

    Wie sich aktuell mal wieder am Beispiel der Geflüchteten aus der Ukraine zeigt, entsprechend deren Abschlüsse oftmals gar nicht dem hiesigen Standard. Es klingt immer so nett "Migranten gegen Fachkräftemangel", tatsächlich kommen aber zumeist gar nicht diejenigen, die man "gebrauchen" könnte. Laut Statistik waren 2021 Rumänen, Polen und Bulgaren die drei grössten Gruppen an Zuwanderern nach Deutschland. Für ca. 190000 Rumänen, die nach Deutschland eingewandert sind, haben ca. 250000 Deutsche das Land verlassen. Davon allein 17000 in die Schweiz und weitere 11000 nach Österreich. Ein Grossteil der deutschen Auswanderer sind gut ausgebildete Akademiker. Wären die Arbeitsbedingungen für diese Leute in Deutschland attraktiver "bräuchte" Deutschland gar nicht mal so viele Migranten. Habe ich erwähnt, dass wir im August einen fertig ausgebildeten deutschen Lehrämtler an die Schule bekommen? Der fängt mit einem 100 % Pensum und zwei Fächern bei uns an zu arbeiten, seine Ausbildung hat die Schweiz keinen Rappen gekostet. :victory:

    Aus welchen Rippen soll sich denn "die Gesellschaft" bitte was genau für Angebote schnitzen wenn die rechtliche Grundlage fehlt? Noch mal: Dein Bedauern und deine Empörung in allen Ehren, sie bringt niemanden weiter. Nota bene diskutieren wir im Moment wohl kaum über Ukrainer*innen, die sind ja überall offiziell als Flüchtlinge anerkannt.

    Bei Arbeitsmigranten ist meines Wissens das Vorgehen innerhalb der EU genau das gleiche wie in der Schweiz: Du musst einen gültigen Arbeitsvortrag vorlegen, dann kann's losgehen. Einzig Deutschland lässt Leute aus dem EU/EFTA-Raum auch ohne Job rein.

    Das ist doch gar nicht der Punkt. DU entscheidest einfach nicht, wer Arbeitsmigrant oder Asylant ist. Was immer du persönlich meinst, was "wir" wohl so brauchen, ist aus der rechtlichen Perspektive belanglos. Insofern hat Gymshark vollkommen recht, es macht keinen Sinn, beliebig Menschen ins Land zu lassen, deren rechtlicher Status nicht geklärt werden kann. Das sind die grossen Fehler, die 2015 passiert sind. Wenn ein Kind keinen Aufenthaltstitel hat, hat es offiziell keinen Anspruch auf Beschulung. So fängt's schon mal an. Das kann dann vielleicht in Freiwilligenarbeit geleistet werden, die steht aber nicht unbegrenzt zur Verfügung. Das kannst du gerne bedauern, dein Bedauern ändert aber nichts am Gesetz. Ich bin übrigens selbst Arbeitsmigrantin. Das nur so nebenbei bemerkt.

    Es nervt nämlich schon ganz enorm, wenn man einer Person Zuspruch und Mitgefühl und sinnvolle Hinweise gibt, die das aber einfach alles ignoriert und immer weiter klagt

    Heisser Tipp: Lass deine schlauen Ratschläge desweiteren einfach stecken. Sie sind offensichtlich nicht erwünscht und dann brauchst dich auch nicht weiter zu nerven.

    Ähm. Es gibt Gesetze, die darüber entscheiden, wie in welchem Fall vorgegangen wird. Asyl ist was anderes als Flüchtling ist was anderes als Arbeitsmigration. Es ist ziemlich egal, ob es da um Kinder oder Erwachsene geht, rein rechtlich entscheidet nur der Aufenthaltsstatus. Wenn Kinder dabei sind, gibt es bei ungeklärtem Aufenthaltsstatus halt mal ne Duldung. Ob die dann ein Recht auf Beschulung haben, steht wieder auf einem anderen Papier. "Wir" im Sinne von wir als Lehrpersonen, entscheiden da gar nichts.

    Und was ist mit Kindern/Jugendlichen, deren Aufenthaltsstatus gar nicht geklärt ist? Die Ukrainer, die zu uns kommen, haben ja alle den offiziellen Schutzstatus S. Ich schrieb weiter oben von einer Schülerin, die keinen offiziellen Aufenthaltstitel hatte. Die hat all ihr Deutsch bei uns an der Schule im Stützkurz gelernt, einen offiziellen Anspruch entkoppelt von der Schule hatte die darauf nicht. Ergo auch nicht die Mutter, die hatte auch keine Arbeitsbewilligung. Ohne offizielles "Papierli" - genau das meint man mit sans papier - können auch an der Schule keine offiziellen Vereinbarungen getroffen werden. Die schwimmen dann irgendwie so mit.

    "Erpressungsversuch" ist das falsche Wort für das, was ich in dem Zusammenhang schon erlebt habe. Es ist eher so, dass man mit Blick auf die Noten darüber spricht, was passiert, wenn die Schülerin den Abschluss nicht besteht und dann natürlich im Rahmen der Möglichkeiten versucht, was nur immer irgendwie geht. Im konkreten Fall waren die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern als sans papiers im Land und zunächst nur geduldet weil zum Zeitpunkt der illegalen Einreise beide Kinder schulpflichtig waren. Die ältere Tochter dann aber nicht mehr, also durfte die bei uns auf keinen Fall verkacken. Weil sie alleine aber den ganzen Behördenstress am Hals hatte, ist es natürlich doch passiert, dass sie das Abschlussjahr wiederholen musste. Aus irgendwelchen Gründen - man weiss es wirklich nicht und die Entscheidung ist im Vergleich zu ähnlichen Fällen auch null nachvollziehbar - hat das Mädchen aber unterdessen eine Aufenthaltsbewilligung B. Da das Herkunftsland aber nicht EU/EFTA ist, gilt die jeweils nur für ein Jahr und die Verlängerung ist eben wieder an Bedingungen geknüpft. Ich war da ne ganze Weile mit dran beteiligt das irgendwie hinzubiegen, unterdessen habe ich etwas den Kontakt verloren. Ich müsste mal nachfragen, wie der Stand der Dinge ist.

    Meine Güte bist du zynisch.

    Das findest du zynisch? Nö, den Spruch würde ich mir exakt so auch erlauben. Die können sich sonst wo mit der Schippe auf'n Kopf hauen aber sicher nicht bei uns. Man erlebt auch im Klassenlager z. B. hin und wieder "aber bei uns im Kosovo ist Kochen Frauenarbeit ..." Ja, Freundchen, jetzt biste aber grad nicht im Kosovo, du wirst die Zwiebeln jetzt klein schneiden oder du gehst hungrig ins Bett.

    Erwachsene Rassist*innen waren als Kind selten rassistisch, erwachsene Homophobe waren als Kind selten homophob.

    Meinst du? Das fängt verdammt früh an, die Kinder werden durch das Elternhaus geprägt. Umso wichtiger, dass man an der Schule das geistlose Geplappere gar nicht erst zulässt.

    Bei uns ist es der Normalzustand, dass sowas wie 10 Nationen in einer Klasse sitzen. Ich habe diesen kuriosen 11er Kurs von denen nur ein einziger qua Geburt einen Schweizer Pass hat. Ein weiterer ist immerhin schon eingebürgert. Wenn wir auf den Balkan acht geben wollten, wäre die Klassenbildung schlichtweg unmöglich.

Werbung