Beiträge von Antimon

    Ich finde das ungewöhnlich, kann mich aber zur Rechtssituation nicht äussern. Nur so viel: Wir hatten bis vor Kurzem die Stundenpläne der Klassen sogar öffentlich zugänglich auf der Website, die der Lehrpersonen waren intern auch den SuS zugänglich. Das ist seit einiger Zeit nicht mehr so, wir haben einen Stalking-Fall an der Schule. Ich will damit ausdrücken, dass es einen validen Grund für das Vorgehen geben kann.

    Dafür gibt es durchaus auch mal einen oder einen halben Zusatzpunkt, wenn man in der Antwort mutig und korrekt erklärt, dass das berechnete Ergebnis überhaupt nicht stimmen kann.

    Ich gehe noch weiter: Wenn jemand sich absolut offensichtlich mit dem TR vertippt hat, z. B. ein Quadrat bei einem v vergessen hat oder sowas und mir in Worten erklärt, was eigentlich das Problem ist, ziehe ich nicht mal Punkte ab.

    Ich finde überhaupt nichts schwierig daran anzuerkennen, dass diese Bücher fachwissenschaftlich und fachdidaktisch einwandfrei geschrieben sind. Wir nutzen in unserem Alltag auch völlig selbstverständlich wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften von Rassisten und Nazis ohne in Gedenken an jeden Transistor z. B. irgendein Moral-Fass aufzumachen. Obwohl... Vielleicht müsste dem Herrn Wissing in Berlin eben doch mal jemand stecken, was es mit Fischer und Tropsch auf sich hat. Heutzutage heisst das halt ganz sexy eFules, dann spielt es keine Rolle mehr, wer's erfunden hat ^^

    Aber ganz losgelöst in Formeln zu denken (wie man es dann in der Mathematik macht)

    Das macht man eben nicht. Als Naturwissenschaftlerin verwende ich Mathe sowieso nur als Werkzeug, ich kann jedes Problem, welches ich lösen will, auch verbalisieren. Meinen SuS sage ich, Mathe ist die "Sprache für die Faulen", ich habe einfach keine Lust so viel zu schreiben wie ich müsste um das gleiche in Worten auszudrücken, was meine Rechnung gerade meint. Ich stelle in der Physik aber immer auch Prüfungsaufgaben in dem Stil "erklären Sie in Worten und mit Bezug auf die Formel ..." um genau dieses Bewusstsein zu schaffen. Ein Mathematiker-Hirn funktioniert sicher anders als meins aber es denkt auch in Sprache bzw. gibt Zahlen eine Bedeutung.

    Insofern kann ich deiner Argumentation für den Anwendungsbezug in der Mathe schon folgen. Ich glaube aber, wir sind da irgendwie im Überdosierten angekommen und der Blick aufs Wesentliche wird durch zu viel konstruierten Text verstellt. Man müsste wohl versuchen irgendwo ein gesundes Mittel zu treffen.

    Jupp, mir ist das ehrlich gesagt zu viel. Ich glaube ich erwähnte irgendwann schon mal, dass ich selbst als Schülerin im Grundkurs (!) Chemie die elektrophile Substitution am Aromaten als Reaktionsmechanismus der Organischen Chemie lernen musste, inkl. dirigierende Effekte bei der Zweitsubstitution. Ich unterrichte das heute nicht, nicht mal im Schwerpunktfach. Ich bezweifle überhaupt nicht, dass ich meinen Jugendlichen das beibringen könnte, ich halte es schlichtweg für irrelevant für das, was man im Fach zur Matura können sollte. Ich vermittle solide Grundlagen, kein spezialisiertes Uni-Wissen.

    In dem verlinkten Mathe-Buch, um das hier plötzlich diese dämliche Streiterei ausgebrochen ist, geht es zu Beginn mal sehr viel um Wissenschaftspropädeutik. Das gefällt mir gut, habe ich in dieser Ausführung noch nie in einem "modernen" Lehrmittel gesehen. Auf sowas lege ich sehr viel Wert. Dass der Stoffumfang heutzutage reduziert ist, damit habe ich noch nicht mal ein Problem. Es kommt zu früh und zu oberflächlich von allem ein bisschen was, am Ende wird nichts richtig vertieft und beherrscht. Unsere Jugendlichen glauben selbst, sie hätten's voll drauf, wenn sie zu uns ans Gymnasium kommen. Ja, ja, das mit den Kraftmessern, das haben wir alles schon mal gemacht, blabla. Ach ... Masse und Gewicht ist nicht das gleiche? Ups. Kraft und Energie ist auch nicht das gleiche? Ups. Arbeit und Leistung auch nicht? Uiuiui. Ja aber ... haben wir alles schon mal gemacht!!! Wir verschwenden mindestens ein halbes Jahr darauf denen beizubringen, dass wir beim Experiment jetzt verdammt noch mal genau hinschauen, hinter jede Zahl eine Einheit schreiben und wirklich einen Rechenweg aufschreiben und zwar ordentlich. In Chemie der gleiche Scheiss. Atome wollen immer volle Schalen, ja ja, und wenn zwei Stoffe nicht mischbar sind, dann liegt's zuverlässig an der Dichte. Aber eine Suspension im Teilchenmodell kann mir keiner zeichnen. Ich würge gerade mit einer 2. Klasse FMS am Dreisatz rum. Das ist 11. Schuljahr, ich muss Kügeli wiegen und zählen damit alle mitkommen. Ich bin froh, dass ich nicht auf zentrale Prüfungen vorbereiten muss, am Ende können die wenigstens das, was *ich* von ihnen will.

    Ich kenne mich damit natürlich nicht aus und recherchiere das jetzt auch nicht nach, aber ich bezweifle doch stark, dass dieser historische Kontext neutral oder sachlich dargestellt war.

    Stimmt, du kennst dich nicht aus. Ich nutze die alte Chemiebücher, die @alpha auf seiner Seite zum Download anbietet, sehr gerne, auch meine Physik-Kollegen haben sich dort schon bedient. Die Texte sind fachlich einwandfrei und sehr gut verständlich geschrieben, sie folgen klar der Logik des Faches. Natürlich wird bei chemischen Prozessen auf Beispiele verwiesen, die damals in der DDR relevant waren. Guess what, in einem Schweizer Lehrmittel geht's beim Thema "Salze" doch tatsächlich mal um die Saline Schweizerhalle in Pratteln und ein deutsches Lehrmittel schreibt was über die BASF als weltweit grössten Kunststoffproduzenten. Das ist schon echt unsachlich, gell?

    Die französischsprachige Schweiz hat im Kleinen so etwas ähnliches gemacht. Aus quatre-vingt für 80, also vier mal zwanzig, wurde in der Schweiz octante und für die 90 huitante nonante. Ob es genützt hat? Ich weiß es nicht.

    Jetzt wo du's sagst ... der französischsprechende Teil schnitt beim nationalen Vergleichstest vor 4 Jahren tatsächlich durch die Bank weg besser in der Mathe ab. Ich hatte mich damals gewundert, wie es sein kann, dass die Unterschiede sogar kantonal zutage treten, also z. B das französischsprechende Unterwallis besser abschneidet als das deutschsprechende Oberwallis. Da werden sicher noch x andere Faktoren eine Rolle spielen, aber dass natürlich Französisch in Bezug auf die Zahlensprechweise viel einfacher ist, daran habe ich wirklich noch nie gedacht. Erstaunlich.

    Ich hab dir oben übrigens nen Fehler korrigiert. Huitante ist das geläufigere Wort für die 80, octante heisst es meines Wissens nur in Fribourg. ;)

    Die Leistungen reichen den Lehrkräften nicht aus, gleichzeitig will man nur einen bestimmten Prozentsatz beschulen, weil man darin die Lösung sieht

    Nein, nicht "gleichzeitig". Die Differenzierung nach Leistungsniveaus *ist* die Lösung. Ich bin überwiegend zufrieden mit dem Potential meiner Jugendlichen, ich unterrichte aber auch nur 20 % eines Jahrgangs am Gymnasium und weitere 20 % an der FMS. Die Unterschiede im Leistungsvermögen werden da sehr offensichtlich.

    Warum hört man das nicht von den Kunstlehrkräften und selten von den Deutschlehrkräften?

    Bei uns im Schulhaus sagen alle so ziemlich genau das gleiche was die schlechten Vorkenntnisse aus der Sek I betrifft. Am verzweifeltsten sind eigentlich unsere Romanisten. Es heisst sehr oft und aus allen Fachrichtungen, dass die Lehrmittel der Sek I scheisse sind. Geht schon ziemlich genau in die Richtung, die @alpha beschreibt. Wir wurschteln es in der Sek II dann halt irgendwie hin, unsere Abgänger sind eigentlich recht gut aufgestellt. Doof sind die alle nicht und schon gar nicht dööfer als früher.

    ich kann nur sagen, wer findet, dass die SuS in der SEKII mit den Aufgaben überfordert sind, müsste dann wohl früher ehrlicher mit ihnen sein.

    Eben das. Dann hast du aber keine 40 % oder schlimmeres eines Jahrgangs in der gymnasialen Oberstufe mehr.

    Du verstehst das nicht s3g4 , du warst wahrscheinlich nur noch nicht oft genug impfen und du musst fester dran glauben!! Ich bin ja eine der wenigen hier an meiner Schule, die wahrhaftig noch ein 4. mal impfen gegangen sind, mit diesem angeblich überarbeiteten und angepassten Zeug. Und tatsächlich: Ich war schon seit Juni 2022 nicht mehr krank, das war eben meine erste und bisher einzige Covid-Infektion. Also anekdotisch bewiesen ... ES HILFT!!!1!!11!!!!

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