Am Gymnasium scheitern so viele kognitiv abiturbefähigte Schülerinnen und Schüler an nichtfachlichen Kriterien. Hier kann eine Kompetenzerweiterung der Lehrkräfte dazu führen, dass alle das Abitur erreichen, die das verdienen.
Welche Kriterien wären das?
Die Frage ist doch, ob jeder das Abitur schaffen muss und wer es "verdient". Ich bin dagegen, immer mehr Kinder aufs Gymnasium zu lotsen und dann die Anforderungen zu senken, damit alle okaye Noten haben.
Im Gegenteil, ich wäre froh, wenn die Realschule wieder den Stellenwert erhielte, der ihr gebührt und die Hauptschule einen bekäme, den sie leider nie hatte. Von mir aus könnte es daher ausschließlich Gemeinschaftsschulen bis Klasse 8 oder 10 geben und nur diejenigen, die lockerflockig die Oberstufe schaffen und diese auch schaffen wollen, weil sie alt genug sind, das für sich zu entscheiden, sollten diese auch besuchen, dann strömten in der Folge auch nicht mehr zu viele an die Uni, die spätestens nach dem Bachelor nicht mehr weiterwissen.
Der Fachkräftemangel hat m.E. eine Ursache darin, dass wir als Gesellschaft Kindern und Jugendlichen vermitteln, sie seien nur etwas wert, wenn sie das Gymnasium besuchten, und das Erlernen eines Ausbildungsberufes unter ihrer Würde sei. Was wiederum damit zusammenhängt, dass wir nur Billigkram aus China kaufen und keine Handwerker*innen und Angestellte in heimischen Fabriken anständig entlohnen wollen. Paracetamol für 5ct je Tablette, Ikeamöbel und Kleidung von H&M müssen es natürlich sein, für die Besserverdienenden vielleicht eine teurere Marke, die ebenso in Asien produziert. So wird die Auswahl an attraktiven, gut entlohnten Berufen für Jugendliche ohne Abi immer kleiner.
Und jede*r, der Kinder hat, kann mal kurz überlegen, ob er es nicht ganz genauso macht. Ich behaupte: Wenn die Gymnasialempfehlung auf der Kippe steht, hängt der Seelenfrieden der studierten Eltern ebenfalls ganz gehörig schief. Und vom Anmeckern der Kinder über Nachhilfeinstitute in Klasse 3 bis hin zu Beschwerden bei den Grundschullehrerinnen, die natürlich falsch bewerten, falsch unterrichten, Kinder falsch einschätzen und falsch fördern ist alles dabei.
Und ich verstehe es durchaus sehr gut, eben weil das eigene Kind natürlich den höchstmöglichen Bildungsweg erhalten soll und weil nur noch das Gymnasium zählt und weil Mittel-/ Oberschulen zu viele verhaltensauffällige und lernunlustige Jugendliche SuS unterrichten, was mit 'Inklusion' nicht besser wird.
Ein Teufelskreis also, aus dem es leider keinen einfachen Ausweg gibt. Weder den, dass Gymnasien jeden nervigen Schüler, der irgendwie Mehraufwand bedeutet, nach unten durchreichen, das verschärft nämlich jedes Mal die Situation der aufnehmenden Schulen und ihr Image. Noch den, dass einzelne Eltern durchkämpfen, ihr Kind mit Downsyndrom in eine Gymnasialklasse zu setzen.