Beiträge von Quittengelee

    Ist das so?

    Ich denke es ist eher ein Reflex der USA zu misstrauen.

    Ja klar, Reflex, davon rede ich ja. Guck z.B. in die verlinkte Umfrage, es ist nicht nur meine Wahrnehmung. Es macht halt einen Unterschied, ob du von Kindesbeinen an hörst, dass die Sowjetunion dein Brudervolk ist und der Westen ein imperialistisches Arschloch oder ob die Erzählungen sind, dass russische Kriegsgefangenschaft die schrecklichste ist, es in Russland flächendeckend nicht mal WC und Wasserhähne gibt und die USA der Befreier mit den Rosinenbombern ist.


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    Entschuldige bitte aber was du zitierst ist nicht Metaebene sondern Reaktion auf das Missverständnis.

    Nein, was ich zitiert habe ist eine erneute Bestätigung des Missverständnisses, nämlich dass du die russische Gesellschaft als moralisch verkommen bezeichnest und dass es 'gute' Individuen geben möge. Du hast damit nicht gesagt 'achso, nee, ich meine natürlich nicht das Volk, sondern die Interessen. Der Satz war offenbar missverständlich'. Dann wäre die ganze Diskussion gar nicht entstanden.

    Nein, du schriebst:

    Ja, JETZT, das ist ja der Punkt. Keine Ahnung, wie es mit Russland in 50 Jahren aussieht, hoffentlich besser. Es geht um die russische Gesellschaft, nicht um das Individuum. Dass es davon noch ein paar gute gibt, ist anzunehmen. Die Mehrheit scheint moralisch verkommen zu sein.

    Ich verstehe nicht, warum du laufend auf die Metaebene der Duskussionskultur wechselst und dabei andere kritisierst, es aber selbst nicht besser machst.

    Ich muss gerade an einen Text von Max Goldt denken, in dem er sich sowohl über Hundekot als auch über das Privatgeknalle Tage vor Silvester aufregt und ob man nicht lieber ein hübsches, zentrales Feuerwerk zünden und ebenso einen netten, zentralen Hund aufstellen sollte, den alle Interessierten streicheln können ^^

    So, zurück zur Post, die ist doof. Ein Unternehmen, das sich dumm und dämlich an der aktuell vorhandenen Paketeschickerei verdient und nur Subsubunternehmen mit Lohnsklaven zum Ausliefern beauftragt, kann eigentlich nur Schlechtes hervorbringen. Filialen schließen und die Leute täglich buchstäblich im Regen stehen lassen ist auch sowas Sinnloses. Und aller paar Monate die Briefmarken um 2 ct teurer machen, damit man auch ja nicht eine Serie kaufen und im Laufe des Jahres verbrauchen kann, nervt.

    Es gab doch die Diskussion, ob desertierende Russen Asyl bekommen sollen, so wie andere vor dem Regime Geflohene. Wie hättet ihr als Innenminister*in das behandelt?

    Wenn der Krieg woanders ist und die Medien nur über die erfolgreiche russische Armee und die Befreiung des Brudervolks berichten, ist diese Einstellung kein Wunder. Das würde in den meisten anderen Ländern genauso funktionieren. Insofern ist das keine Frage der "Mentalität" oder von Bösartigkeit, sondern von Framing und der Tatsache dass die meisten Menschen einfach ihre Ruhe haben wollen.

    Das denke ich auch. Und inwiefern unsere 'Bösartigkeit' Schuld trägt, dass wir die Krimannexion hingenommen und Nordstream 2 gebaut haben, könnte man hier auch fragen. Deutschland ist ja in Europa auch nicht gerade wohlgelitten in seiner Rolle, kämpft die ganze Zeit um angemessene Haltung bzgl. Waffenlieferungen, Gasimport etc.

    Aber damit muss man auch nichts Kleinreden, schlimm ist und bleibt es allemal, dass der Großteil der russischen Bevölkerung einfach nichts tut. Das ermöglicht ja Putins Handeln erst.

    Ja, so kann man es auch sagen. Sie retten ihre eigene Haut - und damit auch die Haut von anderen, weil sie nicht in einen unsinnigen Krieg ziehen wollen. Aber so wie du es schreibst, klingt das so schön negativ.

    Alles, was da gerade passiert ist negativ, insofern finde ich Ironie unpassend. Aber es ist ja so, wären für die 'Teilmobilmachung' tausende Moskauer Studenten und St. Petersburger Ladenbesitzer rekrutiert worden, wäre die Situation eine ganz andere. Stattdessen wurden Randgruppen eingezogen und zwar räumlich als auch vom patriotistischen Zugehörigkeitsgefühl, wenn's das Wort gibt. Alte Männer aus Kabardino-Balkarien interessieren dann wiederum den Rest des russischen Volkes nicht.

    Ich verstehe den verlinkten Artikel schon so, dass nicht Angst der größte Widersacher gegen Widerstand ist, sondern ein allgemeines Desinteresse oder Einverständnis zum Krieg und die größte Sorge in der Blamage des Militär besteht. Aber ich finde das Konzept des Bösen trotzdem unpassend und auch irgendwie nicht hilfreich.

    Es gibt hier m.E. zwei Diskussionsstränge. Dass der Angriffskrieg falsch, durch und durch böse und Putin aus der Zeit gefallen ist, darin sind sich sicher alle einig.

    Dass "die Russen" durch und durch böse seien, dagegen sträuben sich manche. Zumindest ich tue das. So wie "die Deutschen" nicht durch und durch böse sind. Als ob wir uns seit '45 grundlegend verändert hätten oder anders wären als unsere Großeltern. Wir sind anders aufgewachsen, anders erzogen worden, haben andere Feind- und Freundesbilder und andere Moralvorstellungen als unsere Großeltern.

    Und mit uns meine ich Westdeutsche, die auch hier im Forum die Mehrheit stellen. Ich glaube, den meisten ist nicht bewusst, wie sehr ihre Einstellung von ihrer politischen Kinderstube beeinflusst ist.

    Ich dachte Ähnliches, vor allem, wie wenig man über Russland weiß, wie fernab von unserer Realität und Lebenseinstellung die meisten dort leben und wir eben auch von deren Leben. Und wir haben uns bislang auch nicht groß für Kriegsverbrechen in der Ukraine und auch in anderen Staaten interessiert, die Russland begangen hat. Ist ja alles weit weg, tief im Osten. Erst jetzt, wo Ukraine als ein europäisches Land wahrgenommen wird und sich Europa aktiv einmischt, kommt es ins Bewusstsein der deutschen Bevölkerung.

    Es fällt mir in Ostdeutschland auch immer wieder auf, wie westlich meine Einstellung zu Russland ist. Ich behaupte, Westeuropäer und Nordamerikaner haben ein sehr negatives, diffuses Russlandbild und insgesamt wenig Interesse an der Bevölkerung und Kultur. Das ist bei ehemaligen DDR-Bürgern anders, die Erziehung ist eine andere, tief verwurzelt Wertschätzung und Ehrfurcht. Auch wenn darüber nicht gesprochen wird. Was man in seiner Kindheit eingetrichtert bekommt, sitzt tief.

    Was mir noch auffiel: Sehr viele Russ*innen haben nur Staatsfernsehen. In Deutschland hat man alle Medien, auf die man zugreifen möchte und trotzdem gibt es tausende "Querdenkende", die sich in ihren Telegramgruppen treffen und gezielt nach Hinweisen suchen wollen, die ihre Einstellung befeuern, nicht weil sie die vorhandenen Informationen auswerten und verstehen wollen. Aufklärung ist mühsam und Menschen kompliziert.

    Hat jemand das schonmal gemacht und kann mir weiterhelfen bezüglich Finanzierung und Freistellung.

    Gemacht ja, da waren wir allerdings noch alle gesetzlich versichert. Die Kinder müssten über die Rentenversicherung laufen, denke ich, für dich würde ich bei der Debeka und der Beihilfe anrufen. Dass du in den Ferien fahren musst, kann ich mir nicht vorstellen. Würde ich auch nicht machen, solche Rehas mit 2 kleinen Kindern, die abwechselnd zu Therapien müssen sind alles andere als erholsam. Ich bin damals in der Elternzeit gefahren und hab's bereut.

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