Hey zusammen,
wie der Titel schon sagt: Arbeit an einer katholischen/christlichen Ersatzschule als queere Person - why (not)? Habt ihr Erfahrungsberichte oder Ratschläge? Bin selbst katholisch sozialisiert, gleichzeitig offen schwul und stelle mir (nach einem guten Gespräch mit einer Freundin) die Frage ob ich religiöse (Ersatz-)Schulen in meiner Stellensuche nach dem Ende des Refs in Erwägung ziehen sollte. Ich weiß, am Ende ist es meine Entscheidung, aber vielleicht hat ja jemand was zu berichten.
LG
Auch wenn hier schon viel dazwischen steht, das ich nicht alles durchgelesen habe:
Ich wäre vorsichtig.
Als Kind war ich auf einer katholischen Schule, auf der Menschen, die sich haben scheiden lassen und in neuen Beziehungen lebten, ja selbst Menschen, die sich in geschiedene Menschen verliebten, "gegangen wurden". Ja, selbst diese. Ich kenne alleine drei, die in meiner Schulzeit gekündigt bekommen haben. Den Grund haben wir Schüler*innen natürlich nicht erfahren, aber ich bin mit einem dieser Lehrer noch in Kontakt und der erzählte es mir privat. Obwohl ich gerne auf meiner Schule war, würde ich niemals selbst dort unterrichten, selbst eigene Kinder, hätte ich welche, hätte ich nicht auf diese Schule geschickt, weil mir das zu engstirnig ist und gegen alles geht, das ich in Freiheit denke.
Ich gehöre selbst zur queeren Fraktion und habe sehr positive Erfahrungen in meiner Gemeinde gemacht (ein Pfarrer, der seitdem mit anderen Worten zur Kommunion einlädt, um queere Menschen eindeutig mit einzuladen, ältere Gemeindemitglieder, die das stark achten und respektieren und jüngere, die einfach "so what" sagen, was am besten ist), aber Gemeinde ist nicht gleich Kirche.
Meine Schule von früher ist vertraglich nicht Gemeinde, sondern Kirche und hatte, wie beschrieben, sehr antiquierte Kündigungsgründe. Die Kirche selbst steht der queeren Bevölkerung immer noch antiquiert gegenüber und ich würde niemals in so einem Umfeld arbeiten wollen, das sich nicht gegen diese Antiquiertheit stellt und für mich eintritt. Bei den Kündigungen hat das Kollegium geschwiegen, keiner (!) hat Partei ergriffen, es gab keine Proteste, die Kollegen und die eine Kollegin mussten still und heimlich gehen und haben nicht mal vor uns Schülern und Schülerinnen klar sagen dürfen, warum sie gehen. Ich hatte auch eine lesbische Lehrerin im Unterricht. Sie ging irgendwann in die Politik, verließ unsere Schule und hatte dort dann erst ihr Coming Out, obwohl sie schon zu Schulzeiten mit ihrer Partnerin lange zusammen war. Ich könnte nirgends unterrichten, wo ich meine sexuelle Orientierung geheimhalten müsste.
Für mich daher ein emotionales NEIN zu katholischen Schulen. Meine frühere Partnerin arbeitet in einer Berufsschule einer Diakonie. Ich durfte früher nicht mal Händchenhaltend mit ihr irgendwo in ihrer Stadt oder der Umgebung rumlaufen, weil sie Angst hatte, gesehen zu werden. Ob die Diakonie ihr daraus einen Strick gedreht hätte, vermag ich aber nicht zu sagen. Belastend war das schon.
Irgendwo stand: "lies genau Verträge". Ich weiß nicht, ob es immer noch Kündigungsmöglichkeiten wegen "christlicher Verfehlungen" oder auch sexueller Orientierung gibt, es gab sie. Keine Ahnung, wie das heute ist. Ich würde fern bleiben, wenn es nur ein Quäntchen an Möglichkeit gibt, dass ich deshalb wirklich immer noch Probleme kriegen sollte. Geht GAR nicht.