Regeln sind das eine, Fakten das andere.
1. 100 Schüler*innen. Davon 49 weibliche. Die heißen "Schülerinnen".
Und 48 davon männlich. Heißen in dieser Sprache "Schüler".
Und drei nonbinäre. Die heißen in dieser besonders gendergerechten Sprache ....
Äh, wie heißen die denn jetzt nochmal?
Hoppla, die haben keinen Namen? Dürfen sich gerade mal im neuen Oberbegriff mit erwähnt fühlen. Angesichts des schönen Gendersterns mit seinen vielen Armen in die vielen Richtungen, oder angesichts des nicht mehr so schönen Doppelpunktes.
Die Frage ist nicht, wann sich endlich die gerechteste, die neueste Variante aller Gendersprachen durchsetzt!
Sondern wie es dazu kommen konnte, dass so schlaue Leute wie Böhmermann oder Claus Kleber nicht merken, dass auf der Verpackung dieser neuen Sprachform zwar in dicken Lettern "Gendergerechte Sprache" steht, aber das Gegenteil drin ist. Keinen Namen für Menschen zu haben, das steht auf der Diskriminierungsliste sehr weit oben!
2. Die viel elementarere Diskriminierung ist in meinen Augen aber der Fakt, dass wir ca. 20% Menschen haben, die mit Sprache nicht so gut umgehen können wie wir studierte Lehrer. Und die drängen wir so noch weiter ins Abseits, als sie es aufgrund ihrer Beeinträchtigung sowieso schon sind. Ich weiß als Berufsschullehrer, wovon ich rede. Das gleiche bei vielen Eltern, die sich am Elternabend nicht trauen, was zu sagen.
Wer nicht weiß, was ich meine, soll einfach mal den Satz "Wir brauchen einen neuen Schülersprecher" in dieser Gendergap-Sprache formulieren. Bitte hier posten, zusammen mit Angabe der Zeit, die er für die Lösung gebraucht hat.
3. Mir reichen schon die einfachen klaren Fakten um zu sehen, dass der Weg der aktuellen Gendersprache ein absolutes Luftschloss und eine furchtbare Sackgasse war. Da brauche ich keine kodifizierten Regeln, gegen die die Gendergap-Sprache verstößt.
Wer neugierig ist auf den einzigen Lösungsweg raus aus dem Dilemma, von der Pionierin der Gendersprache Luise F. Pusch in Emma und NZZ genannt, der traue sich bitte auf gendern2-0.de. Dieser Weg bedeutet das Ende der nervigen und diskriminierenden Doppelnennungen ("drittes Geschlecht"), und erst recht der noch stärker diskriminierenden Gendergap-Sprache. Plus Restaurierung der Kurzbegriffe, natürlich mit generischem Maskulinum, weil es nicht anders geht. So wird unsere Sprache wieder dort hin zurück geführt, wo sie in den 1990ern von Gerichten und Bundesrat in die Sackgasse gesetzt wurde. Zurück in ihre viele Jahrtausende alte - nicht diskriminierende - Tradition (stimmt wirklich, einfach Meineke lesen). Und gleichzeitig ist diese Sprache gendergerechter, als es Doppelnennungen und Gendergap-Sprache jemals werden können! Wir reden auf diese Art wieder zu 99,9% so kurz und einfach wie früher. Luise Pusch zu mir: "Herr Thiery, ich hatte in den 1980ern eine ähnliche idee wie Sie. Konnte mich aber damals nicht gegen diejenigen Frauen durchsetzen, die 'unbedingt in der Sprache sichtbar sein wolllten'". Jetzt haben wir den Salat, AfD und BSW sammeln die frustrierten Menschen ein. Z.B solche Menschen wie die Schüler und Eltern, von denen ich oben geschrieben habe. Zuckersüß sülzen sie: "Die da oben nehmen euch eure Sprache. Wählt uns, wir bringen sie euch wieder zurück."
Ja, die Gendersprache ist wirklich gut gemeint, gleichzeitig aber eine der stärksten Kräfte, die uns in die Spaltung treiben. Freue mich über Rückmeldungen!
Alle, die ihre Schüler mit "Hallo liebe Schüler" begrüßen und das Lehrerzimmer nicht in Lehrer*innenzimmer umbenennt sehen wollen sind herzlich eingeladen!