Eine Lehrkraft hat immer noch eine gewisse erzieherische Aufgabe auf dem Boden des Grundgesetzes und damit muss man sich anfreunden.
Das ist richtig! Die Grundschule ist aber sicher ein Spezialfall, weil das Erziehen dort viel mehr im Vordergrund steht. Und wie viel Ausdauer man für die Erziehungskomponente hat, bevor man auslaugt, ist sicher auch von Lehrkraft zu Lehrkraft verschieden. Ich finde Maylins Beitrag vor diesem Hintergrund sehr differenziert und stimmig.
Hier eine kleine Anekdote: Ich wurde einmal im Unterricht gefragt, ob es wirklich wahr sei, dass die Welt unterginge, wenn der Papst eine dunkle Hautfarbe habe (Die Schüler haben es etwas anders ausgedrückt). Zu meinem Entsetzen glaubte die Mehrheit der Klasse daran - man muss dazu sagen, es war an einer Auslandsschule in einem Land, in dem Aberglaube noch weit verbreitet ist. Ich fand es sehr schwierig, auch für mich fordernd, gegen diese Mehrheitsmeinung anzukommen und war erleichtert, dass der Religionslehrer die Diskussion später in seinem Unterricht noch einmal in dem gebührenden Umfang übernommen hat.
Um das in den Thread-Zusammenhang zu stellen: Nicht jede Lehrkraft ist gleich gut für die Erziehungsarbeit gemacht. Was mich am Unterrichten glücklich macht und ausfüllt, ist, in den Schülern Begeisterung für meine Fächer zu wecken. Ich bin froh, dass Situationen, wie ich sie oben beschrieben habe, bei mir selten vorkommen. Ich unterrichte hauptächlich Sek 2 und stünde die Erziehung im Vordergrund, würde ich diesen Job nicht machen. Ich kann es gut nachvollziehen, wenn andere Kolleginnen das ähnlich sehen. Ich freue mich aber andererseits auch, dass es Kollegen gibt, die sich noch stärker um die soziale Komponente kümmern. Die sind enorm wichtig und ich kann nur sagen: Hut ab!