Beiträge von Kairos

    Die Hl. Messe an Sonn- oder gebotenen Feiertagen ohne ernsthaften Grund zu versäumen wird nach wie vor als schwere Sünde gewertet.

    Von wem? Mit welcher Legitimität? Theologen können sich noch nicht einmal auf eine klare Definition des Begriffs "Sünde" einigen, geschweige denn, was als sündhaft gilt.

    Hey, konfrontieren wir einen höflich fragenden Menschen mit unseren antimuslimischen Vorurteilen und privilegienblinden Meinungen, bis er verständlicherweise nicht mehr höflich ist und werfen ihm dann vor, Kritik nicht aushalten zu können und nicht angemessen zu reagieren. Bitte einmal das Wort Mikroaggressionen googlen.

    Wenn ich dann noch daran denke, was genau diese Leute in anderen Threads schon für Sachen geschrieben haben; den 'Gesinnungstest', den sie hier dem TE unterziehen, würden sie selbst nicht bestehen.

    Darüber hinaus haben bis hier hin immer noch nicht alle verstanden bzw. sind nicht bereit anzuerkennen, warum es einen Unterschied zwischen religiösen Gründen und z.B. dem Besuch eines Fitnessstudios gibt. Das eine ist grundgesetzlich besonders geschützt , das andere nicht. Die viel genannte Güterabwägung würde da also einen bedeutenden Unterschied in der Gewichtung machen.

    Aus der Religionsfreiheit lässt sich kein genereller Anspruch darauf ableiten, von Dienstpflichten befreit zu werden. In diesem Zusammenhang ist auch der Vergleich mit einem Fitnessstudio zu verstehen. Man sollte allerdings fairerweise festhalten, dass der TE zu keinem Zeitpunkt auf ein solches Recht bestanden hat. Eine entsprechende Unterstellung wäre daher ein Strohmann-Argument, insofern es sich tatsächlich gegen den TE gerichtet haben sollte.

    Darüber hinaus werden in der Diskussion mehrere Themen vermischt. Einerseits ging es um das konkrete Anliegen des TEs, andererseits um grundsätzliche Kritik an organisierter Religion – insbesondere am Islam. Dass der TE dafür pauschal in die Kritik geraten ist, ist nicht gerechtfertigt. Die inhaltliche Kritik an problematischen Aspekten religiöser Praxis ist jedoch legitim und stellt nicht per se ein „antimuslimisches Vorurteil“ dar.

    Ohne zu sehr ins Persönliche zu gehen, kann ich aus individueller wie akademischer Perspektive sagen, dass der Islam – in vielen Regionen der Welt – strukturell mit Problemen wie Misogynie, Homophobie und Fundamentalismus konfrontiert ist. Reformbedarf ist zweifellos vorhanden. Dabei ist es wenig hilfreich, sich ausschließlich auf die Situation in Deutschland zu konzentrieren, wo Musliminnen und Muslime eine religiöse Minderheit darstellen. Aussagekräftiger ist ein Blick auf mehrheitlich muslimisch geprägte Länder, wo die Sachlage deutlich dramatischer ist.

    Dass die Mehrheit der Musliminnen und Muslime in Deutschland friedlich und unauffällig lebt, ist unbestritten. Gleichzeitig ist es aber auch korrekt, dass ein nicht unbedeutender Teil dieser Bevölkerungsgruppe Wertvorstellungen vertritt, die nur schwer mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Diese Spannungen gilt es aber auszuhalten, wenn wir uns als Gesellschaft begreifen wollen, die u.A. auf Meinungs- und Religionsfreiheit fußt. Gleichzeitig haben auch diese Freiheitsrechte ihr Limit. Dieses Limit wurde in Deutschland von einzelnen Personen und Personengruppen bereits überschritten.

    Was in der Debatte jedoch weitgehend übersehen wurde: All diese Fragen haben mit dem konkreten Anliegen des TEs nichts zu tun (siehe oben). Die grundsätzliche Religionskritik hätte daher besser in einem eigenen Thread behandelt werden sollen.

    Es heißt aber die "Würde des Menschen", nicht die "Würde des Bürgers/Deutschen". Art 1 ist besonders, weil es sich, anders als viele andere positive Rechte, nicht an Staatsangehörigkeit oder rechtliche Zugehörigkeit knüpft, sondern universell gilt: für jeden Menschen, allein aufgrund seines Menschseins. Dieser Anspruch macht Artikel 1 nicht nur zu einer rechtlichen, sondern auch zu einer moralischen Grundlage unseres Zusammenlebens. Menschenwürde meint übrigens nichts anderes als Autonomie. Der Mensch hat einen Selbstzweck und soll nicht objektifiziert werden.

    Meine Kollegin formuliert ihre Fragen mittlerweile bewusst vage. Also statt "Erläutern Sie die Religionskritik Sigmund Freuds." nun "Erläutern Sie die im Unterricht behandelte Religionskritik." Ob das hilft, weiß ich auch nicht. Es reicht ja schon aus, wenn der Schüler noch den Namen des Autors kennt.

    Man soll wohlmeinend bewerten. Sprich: Ich muss mich schon extrem dumm stellen, um so zu tun, als wüsste ich nicht, was gemeint ist. Natürlich gibt's dafür nicht die vollen inhaltlichen Punkte. Aber eben auch nicht massiv viel Abzug.


    Die Diskussion mit der SL verliert man.

    Dass es überhaupt eine Diskussion mit der Schulleitung gibt, finde ich ehrlich gesagt heftig. In Baden-Württemberg bzw. an den Schulen, an denen ich bisher gearbeitet habe, hat sich noch nie jemand in meine Notengebung eingemischt. Ist das in eurem Bundesland grundsätzlich anders oder betrifft das speziell deine Schule?

    Ich bin zwar kein Deutschlehrer, sondern Englischlehrer, aber auch in meinem Fach verstehe ich meistens, was gemeint ist, selbst wenn die sprachliche Umsetzung schwach ist. Aber das darf ja nicht der Maßstab sein. Ich verstehe es, weil ich das Fach kenne und die Inhalte unterrichte. Wenn ein Schülertext sprachlich nicht klar genug formuliert ist, sind die Erwartungen eben nur teilweise erfüllt, auch inhaltlich.

    Zu Hilfe, meine SuS kommen mit Sätzen wie dem hier auf eine 2, weil ich im Realschulabschluss nicht noch zusätzliche Punkte abziehen darf (Darstellungsleistung = 10%, mehr geht nicht):

    "komniketion ist vebal, wenn sprächt und schreibt. nonvebal heist das Köperspräch und Gestick und Memik da sind. paravebal ist laut stäke und tonvall und spräcktempo."

    Das ist keine übertriebene Darstellung, sondern Fakt.

    Warum darfst du nicht mehr abziehen? Für mich ist auch das Verständnis eingeschränkt. Ich muss den Inhalt erraten. Dafür kann ich keine (vollen) Inhaltspunkte geben.

    Im Unterricht fällt mir schon auf, dass die SuS sich mittlerweile - also auf den Zeitraum seit Beginn meiner Lehrerinnentätigkeit 2001 - meiner Meinung nach insofern verändert haben, als dass sie sich beispielsweise insgesamt schlechter konzentrieren können, sich oft auf der (vermeintlich) leichten Nutzbarkeit des Internets und von KI "ausruhen" (statt selber zu denken...) usw.

    Abschluss- und Abiprüfungen fallen aber bei uns nicht schlechter (oder besser) aus als noch vor 10, 15 oder 20 Jahren. Ich war gerade wieder Zweitprüferin im Englisch-Abi am BG und hatte eine Englisch-Abschlussprüfung aus der "BFS Dual" zu korrigieren und stelle fest, dass es natürlich SuS gibt, die viele Fehler machen, genauso aber SuS, bei denen das nicht der Fall ist. Das war m. E. "früher" schon genauso.

    Mag aber durchaus sein, dass es in Deutsch schlimmer ist als in Englisch. Das kann ich nicht beurteilen, da ich kein Deutsch unterrichte.

    Ich glaube auch, dass Englisch eine Sonderstellung einnimmt, da SuS heutzutage häufiger englischsprachige Medien konsumieren. Meine SuS können zumindest deutlich besser sprechen als früher. Schriftlich ist es auch besser geworden, wenn es um informelle Texte geht. Formelle Texte bereiten noch Probleme, vor allem Textanalysen.

    Ja, ganz andere Prüfungsformate. Alles andere ist auf Dauer lächerlich

    Wie zum Beispiel? Mündliche Prüfungen wären das eine, aber mir fällt es schwer, mir ein schriftliches Prüfungsformat vorzustellen, bei dem die KI nicht helfen könnte, egal wie personalisiert die Antwort sein muss. Mit den richtigen Prompts kriegt die KI auch das hin.

    Oh ja. Ich habe vor knapp zwei Jahren gleich zwei Schüler im Unterricht erwischt, die einen "Smart Cheating Pen" benutzt haben. Auf diesem ist ein winziges Display, das man nur in einem bestimmten Winkel sieht. Das Display kann der Schüler auch ausschalten und das Einschalten so programieren, dass Andere dies nicht tun können. Also selbst wenn die Lehrkraft diesen Pen in die Hand nimmt und "rumdrückt", geht das Display nicht an. Diese Pens kosten 150€ und können mit dem Smartphone oder der Smartwatch verbunden werden.

    Dann müssen wir wohl anfangen, neben den Papierbögen auch Stifte auszuteilen.

    Mh, das Problem konnte ich in meinen Lerngruppen (Oberstufe) noch nicht beobachten.

    Für Klausuren bekommen alle von der Schule Papierbögen gestellt, so wie bei einer zentralen Prüfung auch. Diese Bögen sind gestempelt. Handys und andere Geräte müssen vorne abgelegt werden, so wie auch Taschen und Jacken. Bei Verdacht lasse ich den Schüler kurz aufstehen, aber das passiert eigentlich nie. Bei einer relativ kurzen Arbeitszeit (90 Min oder weniger) bitte ich die SuS darum, nur vor oder nach der Klausur die Toilette aufzusuchen. Ich formuliere es als Bitte und das reicht auch schon. Die SuS halten sich dann auch daran.

    Vor den Klausuren kläre ich meine Lerngruppen darüber auf, warum Betrug nicht in Ordnung ist und dass sie es sich bei mir wirklich verscherzen, wenn sie meinen, es probieren zu müssen. Ich versuche es also auch über die Beziehungsebene. Ich weiß von manchen SuS, dass das etwas bewirkt hat.

    Klingt nach ultimativer Kapitulation.

    Wer zeitgenössische Literatur nicht versteht und im (oder kurz vor dem) Abitur immer noch nicht mit Zieltextformaten umgehen kann, sollte evtl. besser einfach gar kein Abitur bekommen, denn das ist ja dann ein kompletter Witz.

    Im Forum wurde in letzter Zeit viel über Zweit- und Drittkorrekturen gesprochen. Tja, ich habe jetzt mehrere Drittkorrekturen machen müssen, weil KuK meinen, sie müssen eine Textanalyse mit 12 NP bewerten, obwohl eine echte Analyse nie stattgefunden hat. Wir reden von einer Notendifferenz von 10 NP zwischen dem Erst- und Zweitkorrektor. Die Erwartungen einiger KuK sind massiv gesunken. Also doch, diese SuS machen, wenn sie Glück mit ihren Korrektoren haben, sehr wohl Abitur.

    Hm. SuS können etwas nicht bzw. tun sich schwer damit. Dann ist die Schlussfolgerung, es einfach sein zu lassen? Sollte man es nicht umso mehr üben?

    Ich habe nicht gesagt, ob ich diese Entwicklung gut oder schlecht finde. Wenn du mich persönlich fragst, dann würde ich auch mehr mit meinen SuS lesen, gerade weil sie es brauchen. Aber die Prüfungsvorgaben sind da sehr eindeutig und ich muss meine Kurse nun einmal auf die Prüfung vorbereiten und habe nicht viel Zeit, um mit ihnen klassische Literatur zu lesen.

    Interessehalber, du hast keinen LK Englisch an einem allgemein bildenden Gymnasium in Baden-Württemberg besucht?

    Wir hatten sowohl als auch als SternchenthemSternchenthema. New Deal von Roosevelt aus dem Englisch-LK half mir in Geschichte im Abitur (3. Prüfungsfach).

    Ich habe an einem beruflichen Gymnasium in BW Abitur gemacht. Bei uns stand und steht Literatur zwar im Bildungsplan, war und ist aber nicht prüfungsrelevant. Das führt dazu, dass viele Englisch-KuK Literatur komplett ausklammern. Aber auch am allgemeinbildenden Gymnasium wird in Englisch längst nicht mehr so viel Literatur gelesen wie früher. Wie du wahrscheinlich weißt, sind es meist nur zwei Werke und eins davon ist sogar ein Film (Stichwort "erweiterter Textbegriff"). Ob Shakespeare gelesen wird, liegt im Ermessen der Lehrkraft, was dazu führt, dass kaum noch Shakespeare gelesen wird. Übrigens: Meine SuS haben sehr große Schwierigkeiten mit literarischen Texten. Shakespeare verstehen sie im Grunde gar nicht. Wir müssen uns jeden(!) Vers mühsam erarbeiten. Selbst zeitgenössische Literatur bereitet ihnen große Probleme. Ich bin froh, wenn sie im Abi verstanden haben, dass eine Interpretation mehr bedeutet als einfach nur die Aussage des Textes zusammenzufassen. Wir lesen vor allem Zeitungsartikel aus der Guardian und der New York Times, da die Prüfungstexte meist aus diesen Quellen stammen.

    Ich verstehe die SuS auch nicht. Statt sinnfrei Texte auswendig zu lernen, warum lernt und übt man in der Zeit nicht lieber die Sprache?

    Was nicht heißt, dass ich grundsätzlich gegen das Auswendiglernen bin. Wesentliche Texte von Goethe, Shakespeare, Ovid usw. sollte man schon rezitieren können.

    Die allermeisten Abiturienten haben nicht einmal ein ganzes Werk (wenn überhaupt) von den genannten Autoren gelesen. Von Ovid haben die allermeisten noch nicht einmal den Namen gehört. Das, was du beschreibst, ist weit von der Realität entfernt.

    BW, SEK. 1, Fremdsprachen: Thema verfehlt bei Freitextaufgaben (weil irgendwas auswendig gelernt und aufgeschrieben, was ein paar passende Schlagworte enthält) bedeutet null Punkte für die gesamte Aufgabe. Sprachpunkte gibt es dann also auch nicht, egal wie nett es sich lesen mag oder wie korrekt es geschrieben wurde.

    Das sind dann die offiziellen Korrekturvorgabrn des Landes für die Abschlussprüfungen in der SEK. 1, die zumindest an den Schulen, an denen ich bislang unterrichtet habe dann auch in 9/10 konsequent zur Anwendung kamen.

    Ist bei uns im Abitur genau so bzw so ähnlich (auch BW), weshalb ich schon mal fehlerfreie Arbeiten mit 0 NP bewertet habe.

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