Hey, konfrontieren wir einen höflich fragenden Menschen mit unseren antimuslimischen Vorurteilen und privilegienblinden Meinungen, bis er verständlicherweise nicht mehr höflich ist und werfen ihm dann vor, Kritik nicht aushalten zu können und nicht angemessen zu reagieren. Bitte einmal das Wort Mikroaggressionen googlen.
Wenn ich dann noch daran denke, was genau diese Leute in anderen Threads schon für Sachen geschrieben haben; den 'Gesinnungstest', den sie hier dem TE unterziehen, würden sie selbst nicht bestehen.
Darüber hinaus haben bis hier hin immer noch nicht alle verstanden bzw. sind nicht bereit anzuerkennen, warum es einen Unterschied zwischen religiösen Gründen und z.B. dem Besuch eines Fitnessstudios gibt. Das eine ist grundgesetzlich besonders geschützt , das andere nicht. Die viel genannte Güterabwägung würde da also einen bedeutenden Unterschied in der Gewichtung machen.
Aus der Religionsfreiheit lässt sich kein genereller Anspruch darauf ableiten, von Dienstpflichten befreit zu werden. In diesem Zusammenhang ist auch der Vergleich mit einem Fitnessstudio zu verstehen. Man sollte allerdings fairerweise festhalten, dass der TE zu keinem Zeitpunkt auf ein solches Recht bestanden hat. Eine entsprechende Unterstellung wäre daher ein Strohmann-Argument, insofern es sich tatsächlich gegen den TE gerichtet haben sollte.
Darüber hinaus werden in der Diskussion mehrere Themen vermischt. Einerseits ging es um das konkrete Anliegen des TEs, andererseits um grundsätzliche Kritik an organisierter Religion – insbesondere am Islam. Dass der TE dafür pauschal in die Kritik geraten ist, ist nicht gerechtfertigt. Die inhaltliche Kritik an problematischen Aspekten religiöser Praxis ist jedoch legitim und stellt nicht per se ein „antimuslimisches Vorurteil“ dar.
Ohne zu sehr ins Persönliche zu gehen, kann ich aus individueller wie akademischer Perspektive sagen, dass der Islam – in vielen Regionen der Welt – strukturell mit Problemen wie Misogynie, Homophobie und Fundamentalismus konfrontiert ist. Reformbedarf ist zweifellos vorhanden. Dabei ist es wenig hilfreich, sich ausschließlich auf die Situation in Deutschland zu konzentrieren, wo Musliminnen und Muslime eine religiöse Minderheit darstellen. Aussagekräftiger ist ein Blick auf mehrheitlich muslimisch geprägte Länder, wo die Sachlage deutlich dramatischer ist.
Dass die Mehrheit der Musliminnen und Muslime in Deutschland friedlich und unauffällig lebt, ist unbestritten. Gleichzeitig ist es aber auch korrekt, dass ein nicht unbedeutender Teil dieser Bevölkerungsgruppe Wertvorstellungen vertritt, die nur schwer mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Diese Spannungen gilt es aber auszuhalten, wenn wir uns als Gesellschaft begreifen wollen, die u.A. auf Meinungs- und Religionsfreiheit fußt. Gleichzeitig haben auch diese Freiheitsrechte ihr Limit. Dieses Limit wurde in Deutschland von einzelnen Personen und Personengruppen bereits überschritten.
Was in der Debatte jedoch weitgehend übersehen wurde: All diese Fragen haben mit dem konkreten Anliegen des TEs nichts zu tun (siehe oben). Die grundsätzliche Religionskritik hätte daher besser in einem eigenen Thread behandelt werden sollen.