Die reine Methode "Lesen durch Schreiben" würde ich nie unterrichten, nachdem ich im Refi mitbekommen habe, dass in einer ganze Klasse in einem sozialen Brennpunkt nur 6 Kinder (ich meine es waren an die 24 gesamt) lesen gelernt haben.
Ich selber habe immer nach dem Schreiberfahrungsansatz gelehrt, wobei ich mir immer mehr ein differenziertes Bild gemacht habe und mittlerweile immer mehr zu einer kombinierten Silben-freies Schreiben-analytisch-synthetischen Methode gefunden habe.
Weiterhin unterrichte ich in einem sozialen Brennpunkt, so dass ich meine, beurteilen zu können, dass es viele benachteiligte Kinder gibt, wenn nicht das Lesen differenzierter unterrichtet wird.
Schreiberfahrungsansatz (dazu zählt auch Reichen) geht ja davon aus, dass Kinder mit unterschiedlichen Erfahrungen in die Schule kommen - von daher gibt es nicht die Methode (die Fibeln, die im Moment auf den Markt kommen, gaukeln eben vor, dass es eine einheitliche Herangehensweise gibt, kann es m.E. gar nicht). Kinder ohne Teilleistungsproblematik, aus literalem Elternhaus kommend, kommen mit der Reichenmethode viel weiter als mit irgendeiner anderen Methode - wobei ich auch wichtig finde, dass "Rechtschreibung Thema ist".
Kinder, die wenig Schrifterfahrung haben und Kinder mit TL schwächen, brauchen Unterstützung. Viel halte ich trotzdem davon, den Kindern einen Anlautbogen zur Verfügung zu stellen und einen Vorlehrgang in "phonologischer Bewusstheit" zu machen. Einerseits habe ich dann schon einmal eine Methode für die starken Kinder, die ich nicht bremse, andererseits bereite ich die anderen Kinder auf das Buchstabenlernen vor. Wenn ich danach die Buchstaben mit allen Sinnen und mit Lautgebärden einführe und das Lesenlernen anstoße, wenn die Kinder die Synthese verstanden haben (das ist meist so nach 12 Schulwochen, kann aber von Kind zu Kind variieren; bei Kindern mit TL führe ich dann Silbenlesen ein ), habe ich gute ERfahrungen gemacht. Unterstützend hilft ein Computer.
flip