Ich möchte zum Thema hier auch noch was anmerken. Mich stört, dass behauptet wird, dass sexuelle Gewalt in Deutschland doch Alltag sei und dass das Thema sonst auch keinen Menschen interessiert. Nur weil jetzt Männer mit Migrationshintergrund die Täter seien, würden die Vorgänge in den Fokus rücken.
Aber ist es denn wirklich so, dass Vergleichbares zum Alltag der breiten Masse der Frauen in Deutschland gehört?
Ich war früher sehr gerne auf Massenveranstaltungen, auf Konzerten, bei großen Volksfesten (auch auf dem Oktoberfest!), Public Viewing etc. Selbst Silvester habe ich früher gerne in verschiedenen deutschen Großstädten gefeiert, mitten im Getöse. Auch im Studium habe ich das Partyleben genossen. Nur, solche Erlebnisse, wie sie die betroffenen Damen schildern, musste ich dabei nie erleben. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal sexuelle Gewalt in welcher Form auch immer erfahren habe. Vor noch nicht allzu langer Zeit bin öfters mit jungen alkoholisierten Fußballfans Zug gefahren. Die lassen dann schon mal gemeinsam den Zug hüpfen, wenn sie den entsprechenden Pegel haben. An Frauen sind sie in dem Zustand aber nicht interessiert.
Heute lebe ich mit meiner jungen Familie eher ländlich, da habe ich es nicht mehr so mit dem Partyleben. Aber wenn man manchen Forenmitgliedern glauben darf, dann ist das Frauenbild auf dem platten Land ja auch eher sehr rückwärts gewandt:
Zitat von neleabels
Das Problem ist ein bestimmtes Frauenbild, das durchaus auch kulturell bedingt ist, dem aber noch nicht in ausreichendem Maße begegnet wird - das gibt es mit Sicherheit in rückständigen deutschen Landgebieten
Das ist doch wirklich nicht vergleichbar! Wer vertritt den bei uns noch ein Frauenbild, das Frauen, die um Mitternacht unterwegs sind, als Schlampen und Freiwild ansieht?
Meike, mal ehrlich, wann begegnest du denn in deinem Alltagseben sexueller Gewalt?
Sexuelle Gewalt ist seit Jahren rückläufig, trotz der Tatsache, dass heuzutage wohl erheblich mehr Fälle angezeigt werden als früher.
Nein, ich erfahre es doch dagegen tagtäglich, dass meine Schüler und Schülerinnen der Oberstufe einander mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen. Da gibt es kein blödes Testosterongehabe. Die Mädchen würden den Jungs schließlich auch sonst was geigen...
Was den meisten wohl gar nicht so bewusst ist, dass es in Köln weit über ein Angrabschen hinaus ging. Da wurde versucht, Finger sonstwo hinzustecken. Und das war je kein Einzelfall. Wenn jetzt immer wieder auf das Oktoberfest verwiesen wird, ist das doch blanker Hohn. Stellt Euch mal ein Bierzelt vor, in dem Massen an bierseligen Männer versuchen, an die Körperöffnungen der anwesenden Frauen zu kommen. Absurd. Gerade weil das nicht Alltag ist, waren die Frauen doch so verstört und auch die begleitenden Männer völlig fertig.
Ich muss zugeben, Köln hat mich zutiefst verunsichert. Ich würde mir die Situation ja auch gerne schönreden, aber das kann ich nicht mehr. Meine Stimmung trifft diese Äußerung eines Kommentators sehr gut:
http://www.welt.de/debatte/kolumn…issbraucht.html