Fast sechs Jahre ist es jetzt her, dass ich diesen Thread erstellt habe.
Viel Zeit ist seitdem vergangen und mittlerweile bin ich wieder zurück im Schuldienst. Die fast vier Jahre in der Schulbehörde haben mir "gut getan", habe ich doch das Chaos an den Schulen durch die Corona-Pandemie "nur" passiv als Vater und Ehemann erleben müssen.
Ich habe in dieser Zeit viel gelernt - über das Schulsystem, über Bildungspolitik und natürlich auch über mich selbst. Ich hatte die Chance, einen Teil meiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln, der im ausschließlichen Schuldienst etwas zu kurz gekommen war. Gleichzeitig habe ich aber gemerkt, dass dieser Teil langfristig nicht überwiegen sollte - irgendwo war ich dann im Kern meines Wesens doch immer ein überzeugter Lehrer und eben weniger ein überzeugter Verwaltungsbeamter.
Der Rückkehr in den Schuldienst ging ein ziemliches emotionales Chaos voraus, weil ich einerseits das stressbefreite Arbeiten in der Behörde sehr schätzen gelernt hatte, andererseits aber wusste, dass ich langfristig an Langeweile eingehen würde. Gleichzeitig musste ich eine Anschlussverwendung finden, was als A15er gar nicht so einfach war. Was passieren kann bzw. hätte passieren können, wenn man als Externer oder "Versorgungsfall" an eine Schule gekommen wäre, wo man dem Platzhirsch die Stelle weggenommen hätte, habe ich selbst erfahren dürfen. Ich habe dann rechtzeitig die Reißleine gezogen, wusste aber von da an, dass das mit meiner Unterbringung gar nicht so leicht werden würde.
Hier zahlten sich dann die Kontakte aus, die ich durch meine Arbeit in der Behörde hatte. Und so kam dann ganz unverhofft ein Angebot einer Dezernentin, das auf den ersten Blick gar nicht so attraktiv wirkte, auf den zweiten Blick aber genau richtig war. Es war eine Funktionsstelle, die ich als solche gar nicht auf dem Schirm hatte, weil ich nicht wusste, dass es dafür überhaupt eine A15-Stelle geben könnte. Hier hatte ich das Glück, dass es keine hausinternen Kandidaten gab und dass man sowohl seitens der Schulleitung wie des Kollegiums aufrichtig froh war, dass nun jemand diesen Bereich wieder koordinieren würde.
Ich bin jetzt seit August an meiner neuen Schule und fühle mich insgesamt wohl dort. Die Schule ist gut organisiert, die Technik funktioniert, wir haben die richtigen Leute an den richtigen Stellen, um das zu managen. Was noch wichtiger ist, das ist der Umstand, dass viele KollegInnen ähnlich ticken wie ich, was Pädagogik und Unterricht angeht. Meine Tätigkeit ist genau richtig, um in die Rolle eines Mitglieds der erweiterten Schulleitung hineinzuwachsen - hier kann ich in kleinerem Rahmen auch eigene Projekte umsetzen und habe auch für meinen Bereich bereits einige Dinge organisiert, die eine Weile lang brach gelegen hatten.
Mit meiner Rückkehr aus der Behörde hatte ich mir vorgenommen, stärker auf meine Arbeitszeit und meine Belastung zu achten. In der Konsequenz sitze ich jeden Tag von ca. 7.20 Uhr bis mindestens 15 Uhr in der Schule und erledige bis auf die Korrekturen alles vor Ort - insgesamt käme ich damit auf die 41 Wochenstunden. Was dann noch zur 41 bzw. 46 wegen der Ferien fehlt, wird durch die Korrekturen gefüllt. Ich nehme kaum Sachen nach Hause, damit ich gar nicht mehr auf die Idee komme, von dort doch noch etwas zu tun. Das Material, das ich für den Unterricht brauche, liegt samt und sonders in der Schule.
Gerade vor Beginn der Korrekturphasen hatte ich dadurch eine klare Trennung von Arbeit und Familie/Freizeit und darüber hinaus vollständig freie Wochenenden.
Die ersten Wochen waren allerdings hart, weil ich gar nicht mehr die Kondition hatte, den Schulalltag oder gar eine Schulwoche "zu überleben". Wenn ich dann nach der Schule nach Hause kam, bin ich in den ersten Wochen einfach nur aufs Sofa gefallen und eingeschlafen. Das ist mittlerweile wieder besser geworden. Gedanklich bleibt die Schule auch zum größten Teil in der Schule. Das ist sehr befreiend.
In der Rückschau ist es faszinierend zu sehen, dass ich mir vor sechs Jahren und insbesondere in der Zeit davor eigentlich gar keine großen Gedanken über Karriere oder ähnliches hätte machen müssen. Es hat sich alles irgendwie gefügt. Ohne Druck. Einfach so. Und meine Biographie ist voll davon, dass sich Dinge einfach irgendwie zum Guten fügen. Leider sieht man das nicht immer, wenn man sich im "Transformationsprozess" befindet.
Ob ich eines Tages Schulleiter werden möchte? Aktuell sage ich dazu klar "nein". Das kann ich mir nicht vorstellen - und die SLQ hat mir da noch einmal sehr geholfen, das für mich so zu entscheiden.
Gleichwohl habe ich noch fast 19 Dienstjahre (bei Pensionsbeginn mit 67 - also seeehr konservativ gerechnet) vor mir. Falls ich also eines Tages Schulleiter werden wollen sollte, kann ich das immer noch tun....