Wenn ich mich richtig erinnere, bin ich seit 2004 dabei - also gewissermaßen ein Urgestein. Der harte Kern von damals ca. 20 UserInnen hat untereinander einen durchaus zivilisierten Tonfall an den Tag gelegt und große Solidarität und Anteilnahme an den Tag gelegt. Wir sind zum Teil heute noch befreundet bzw. haben Kontakt. Damals gab es außer Foren und Newsgroups aber nicht viel anderes. Ich habe den Eindruck, dass insbesondere mit dem "Siegeszug" der (a)sozialen Netzwerke die Hemmungen gefallen sind, weil jetzt jede(r) jederzeit alles, was ihm/ihr durch den Kopf geht, sofort posten kann. Der Drang, sich zu profilieren und sich als stärker, klüger, toller darzustellen, ist dabei so ausgeprägt, dass auch dort ein "sorry, mein Fehler" oder ähnliches fast nie zu lesen ist.
Ich glaube, dass meine Generation (Mitte der 70er) da auch anders sozialisiert worden ist als die Generation nach 1990, die gefühlt mit dem Handy und dem Laptop an/in der Wiege groß geworden ist.
Was mir persönlich in diesem Forum sauer aufstößt, ist die Anspruchshaltung mancher neuer UserInnen in Verbindung mit der Unfähigkeit oder dem Unwillen, sich Informationen aus dem Internet selbst zusammenzutragen. Das wäre immer mein erster Schritt. Einer der jüngeren Threads hier, in dem Du geschrieben hast und auf den Du Dich hier sicherlich auch mittelbar beziehst, zeigt das sehr anschaulich. Diese Unselbstständigkeit gepaart mit dem ausgetretenen Spruch an diejenigen, die das anmahnen, dass man diese nicht als KollegInnen haben wolle, stört mich schon eine ganze Weile.
Ich rege mich kurz darüber auf, schaffe es zunehmend öfter, meine Finger still zu halten und nichts dazu zu schreiben, und sage mir täglich, dass der Umstand, dass jemand in den unendlichen Weiten des Internets einmal Unrecht hat, dies für mich (und erst recht für die Welt) nicht den Untergang bedeuten wird.