Beiträge von Bolzbold

    Also ja, es ist arrogant zu sagen, dass es idealistisch sei, unsere Arbeit zu erledigen, wenn man kein Beamter ist. Zehntausende Lehrer*innen arbeiten als Angestellte, sind das alle Idioten, die nicht rechtzeitig davongelaufen sind, weil sie so ein idealistisches Weltbild haben? Zum Kotzen ist das und genau diesen Tonfall finde ich gerade passend.

    @karuna

    Nein. Wenn ich für mich die Entscheidung treffe, dass ich unter diesen Bedingungen nicht arbeiten möchte, dann ist das erst einmal konsequent und hat nichts mit Arroganz oder Geringschätzung derer, die sich trotzdem darauf einlassen, zu tun. Du hast ja die fehlende Wertschätzung erwähnt. Genau das ist doch der springende Punkt. Und dann muss man sich doch fragen, wieso es Menschen gibt, die sich darauf einlassen, um sich dann später so zu fühlen wie von Dir beschrieben. Ich wollte nie an diesen Punkt kommen. Was wäre denn für Dich die passende Attributierung für Menschen, die freiwillig Angestellte werden und ein paar Jahre später großen Frust ob der fehlenden (staatlichen) Wertschätzung schieben?

    Es gibt eben Menschen, deren Idealismus nicht weit genug reicht, um sich in einem ausbeuterischen System noch stärker ausbeuten zu lassen. Eine Entscheidung, die ich für mich selbst treffe, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, wie ich über Menschen denke, die anders handeln.

    Kann ja sein, das trifft aber für die meisten Lehrer*innen nicht zu. Die meisten können es sich eben nicht aussuchen, wenn die Verbeamtung nicht klappt, dann halt irgendwas anderes zu machen. Dieses überhebliche "Idealismusgerede" nervt mich auch an anderer Stelle, wenn sich einer einen Edding vom Privatgeld kauft oder es wagt, sich nach Dienstschluss um einen Schüler Gedanken zu machen.

    Wer so cool ist, dass Idealismus zur abwertenden Bezeichnung für jede andere Art von Berufsausübung wird, als man selbst das macht, der kann sich ja fragen, warum er in seiner Freizeit mit anonymen Lehrern in einer Selbsthilfegruppe abhängt :prost:

    Ich finde Deinen Tonfall hier unangemessen.

    Vom Idealismus kann man sich nun einmal im wahrsten Sinn des Wortes nichts kaufen - und die fehlende Berufsalternative wird die Lehrkräfte, die aus gesundheitlichen Gründen nicht verbeamtet werden konnten, sicherlich auch nicht glücklicher machen. In meinem Fall wären das 6000,- Euro pro Jahr gewesen - nach 17 Dienstjahren mithin also über 100.000 Euro. Für dieselbe Arbeit. Dieselbe Belastung. Für weniger Rente.

    Wir reden hier folglich nicht nur über einen oder zwei popelige Eddings oder ein digitales Endgerät. Wir reden über einen Betrag von ca. 250.000 Euro während der Berufstätigkeit und dann noch einmal etliche Tausende Euro nach der Verrentung. Wir reden hier über eine Entscheidung, deren finanzielle Auswirkungen je nach Lebenserwartung die nächsten zwei Drittel eines Lebens nachhaltig bzw. endgültig entscheiden.

    Welche Gründe bleiben denn dann übrig, wenn man sich dennoch darauf einlässt? Letztlich Idealismus oder Verzweiflung - oder Schicksalsergebenheit. Überheblich fand ich dieses "Idealismusgerede" keinesfalls. Ich wäre ebenfalls nicht Lehrer geworden bzw. geblieben - nicht weil ich Idealismus als abwertende Bezeichnung erachte, sondern weil ich konsequent gewesen wäre. Das ist ein nicht unerheblicher Unterschied.

    da fällt mir (wieder mal) der Geisterfahrer-Spruch ein:pfeif:

    Dass StudentInnen den Anspruch haben, Dinge anders oder besser zu machen, finde ich per se gar nicht verkehrt. Ich war zum Teil früher auch so drauf. Aber man sollte eben auch erste einmal einen Blick in die Schule werden, wenn man auf der anderen Seite der Theke steht, und dann ggf. seine studentische Position noch einmal überdenken.

    Die ablehnende Haltung der Platzhirsche und -hirschkühe kann ja sogar als Beleg für die Reformbedürftigkeit des Systems erachtet werden.

    Immer dieser Idealismus.

    Ich könnte nicht die Motivation aufbringen morgens aufzustehen, wenn ich für die gleiche Arbeit Monat für Monat locker 500 Euro weniger und eine schlechtere Rente erhalten würde. Da hätte ich mir etwas gänzlich anderes gesucht, unbeamtet wäre ich auf gar keinen Fall Lehrer geworden.

    Da schließe ich mich an. Aber ich muss ergänzen, dass es mir da tatsächlich exklusiv um die Bezahlung ging. Die Beamtenprivilegien waren mir da herzlich egal.

    Ich war damals (2005) beim Amtsarzt und hatte brav mein Asthma als Vorerkrankung angegeben. Die Dame, bei der ich war, hatte den Ruf, besonders kritisch zu sein. Mein Übergewicht (damals weniger als heute) störte sie nicht und wegen des Asthmas bat sie um ein Gutachten meines Lungenfacharztes. Das hat selbiger dann ausgestellt ("mit vorzeitiger Dienstunfähigkeit ist nicht zu rechnen") und gut war's.

    So gesehen ist man vom ersten Amtsarzt abhängig - aber die haben auch Besseres zu tun, als jedem angehenden Beamten (oder Beamtin) aus Lust und Laune heraus ein erhöhtes Risiko vorzeitiger Dienstunfähigkeit zu attestieren. Gleichwohl müssen sie sich selbst absichern, dass ihre Prognose sachlich begründet ist.

    Die "Angst vor Amtsarzt und Ablehnung" ist also auch eins der vielen Mythen, das sich hier hartnäckig hält. Wie viele UserInnen sind denn wegen eines/einer Amtsarztes/Amtsärztin nur ins Angestelltenverhältnis übernommen worden? Das dürfte die deutliche Minderheit sein. Über die Kriterien für die Verbeamtungsfähigkeit (z.B. bei Adipositas, bei MS, bei Morbus Crohn etc.) kann man in der Tat streiten. Und hier kommt es abhängig vom Amtsarzt oder von der Amtsärztin ggf. zu divergierenden Einschätzungen. Dafür sind dann im Anschluss die FachärztInnen bzw. GutachterInnen da, um das ggf. gerichtsfest zu klären.

    cera

    Ich glaube, da liegen Eigen- und Fremdwahrnehmung doch recht weit auseinander.

    Hören wollen das einige vermutlich tatsächlich nicht - aber nicht, weil Du unbequeme Wahrheiten ansprächest, sondern weil Deine Position recht unreflektiert wirkt und eben ein Blick von außen - lediglich mit der Eigenerfahrung als SchülerIn - darstellt. Da gesellst Du Dich zu den 83 Millionen verhinderten BundeskanzlerInnen, BundestrainerInnen und eben auch LehrerInnen. Kann jede(r) und weiß jede(r) natürlich besser, wie es geht.

    Natürlich darfst Du sagen bzw. schreiben, was Du denkst. Du musst dann eben nur mit dem ggf. deutlichen Echo umgehen können. Der Umstand, dass hier die Mehrheit der UserInnen, die hier diskutieren, das ziemlich deutlich anders sieht, sollte Dir irgendwo schon zu denken geben.

    Hallo und herzlich willkommen in diesem Forum.

    Zum "Einlesen" empfehle ich diesen Thread hier. Warum A15 für mich KEIN Karriereziel mehr ist - Forum rund um Schulleitung und Schulverwaltung - lehrerforen.de - Das Forum für Lehrkräfte

    In der Rubrik, in der Du gepostet hast, gibt es noch weitere ähnliche Themen.

    Es ist richtig, dass Versetzungsbewerbungen auf A15 Ebene mit Ausnahme der Bewerbung auf A15Z nicht möglich sind. Reguläre Versetzungen hingegen schon, wobei die Stellen natürlich deutlich (!) spärlicher gesät sind als A13 oder A14 Stellen.

    Wenn Du nach fünf Jahren merken solltest, dass das nichts mehr für Dich ist, kannst Du auch ggf. in die Schulaufsicht wechseln oder als pädagogischer Mitarbeiter zumindest befristet für drei bis vier Jahre zur Bezirksregierung oder ins Ministerium gehen.

    Letztlich ist es eine Frage, was Du willst und wie Du die nächsten 30 Jahre Deines Berufslebens gestalten möchtest. Früh A15 zu werden ist einerseits "toll", weil man dann schon fast "ganz oben" ist. Aber dann muss man eben schauen, welche Schwerpunkte oder Veränderungen man beruflich noch in den verbleibenden Jahren seiner Dienstzeit ermöglichen kann bzw. einem ermöglicht werden.

    Mein Eindruck ist auch, dass das unter den Schülern aber auch unter den Eltern akzeptiert ist, wenn nicht sogar irgendwie positiv konnotiert. Ich bin selber keine Mathelehrerin, spreche aber als Klassenlehrerin am elternsprechtag manchmal mehr über Mathe als über meine eigenen Fächer und höre oft von Eltern sowas wie „ach Mathe, das liegt in der Familie, das konnte ich auch nie und das braucht er/sie auch nicht unbedingt .“ Gerade Mädchen sehe ich oft geradezu damit kokettieren, dass sie ja zu dumm dafür seien, oft auch gute Schülerinnen. Ich nehme andererseits auch wahr, dass es zB eher uncool ist, Englisch kaum zu können.

    Das kann ich bestätigen. Es dient gewissermaßen als Generalausrede. Die "höhere Macht", die das Verstehen (bzw. das oben genannte eigenständige geistige Auseinandersetzen mit der Materie) verhindert.

    Unabhängig vom jeweiligen Fach ist oft der Unwille, sich aktiv geistig mit einem Gegenstand auseinanderzusetzen, das eigentliche Problem. Diese aktive geistige Auseinandersetzung braucht Willen und Anstrengung. Zu viele SchülerInnen erhoffen sich aber im Unterricht, dass die Erklärung der Lehrkraft so gut zu sein habe, dass sie ohne diese eigene geistige Anstrengung den Gegenstand verstehen. Da ist dann die Ausrede "er/sie kann halt nicht gut erklären" leichter als die Einsicht, dass man keinen Bock hatte, sich damit auseinanderzusetzen.

    Ja, tue ich.

    Aber mal zurück On-Topic: Vielleicht wäre es mal angesagt, wenn von mehreren Schulen in NRW, die kompletten Kollegien, mal wieder "realistisch" bewerten...Dann rasseln eben 50% oder noch mehr durchs Abi...Dann hätten aber einige wenigstens mal wieder festen "Boden" unter den Füßen...Zugegeben: die Erwartungshorizonte müssten natürlich dementsprechend angepasst werden und eigentlich müssten ja auch flächendeckend alle Schulen mitmachen...Also eine sehr utopische Vorstellung...Leider...Dann wird es wohl weitergehen mit lug und trug in der Notenvergabe...Denn wenn man ehrlich ist: Genau das ist sie doch eigentlich. Und das Ministerium ist auch noch federführend bei diesem Betrug...Ich als kleiner "Normalo" gehe für so etwas eigentlich für mehrere Jahre hinter Gitter...

    Ob das mit der Noteninflation wohl bis in alle Ewigkeit so weitergeht?...Was soll denn da die Konsequenz sein? Das wir bald zu 100% 1,0-er Abiturienten haben?

    Oh weia. Also halten wir einmal zugute, dass Du noch jung bist und mit guten Vorsätzen ins Lehramt gehen möchtest.

    Ich würde nun dagegenhalten:

    a) Die Ermittlung der Endnote bei Abiturklausuren basiert auf einem Notenschlüssel der KMK. Nachzulesen hier.

    1972_07_07-VB-gymnasiale-Oberstufe-Abiturpruefung.pdf (kmk.org)

    b) Im Zentralabitur gibt es vorgegebene kriterielle Bewertungsraster. Ist also nichts mit "ich mach das so, wie ich will".

    c) Durch die Einführung von Bildungsstandards in den Kernfächern sowie künftig in den Naturwissenschaften gibt es bundesweite Standards. Gleichzeitig haben die Bundesländer vereinbart, einen gemeinsamen Aufgabenpool zu verwenden, aus dem eine verbindliche Anzahl an Klausurvorschlägen entnommen (und eingesetzt) wird. Alle Schulen hier ins Boot zu bekommen anders zu bewerten, dürfte schwierig werden.

    d) Die Klausuren in der Sek II sollen auf die Abiturprüfungen vorbereiten - somit wäre ein zu strenger Erwartungshorizont zugunsten einer "Notendeflation" kontraproduktiv.

    e) Wenn Du Beschäftigte(r) im öffentlichen Dienst werden möchtest, dann geht es selten nach Deinem persönlichen Gusto. Es gibt Vorgaben, an die hast Du Dich zu halten. Es gibt immer Argumente für mehr Strenge oder Milde, aber das ist letztlich irrelevant. Das Landesbeamtengesetz und die Allgemeine Dienstordnung in Verbindung mit der für Dich relevanten APO-BK setzen hier den Handlungsspielraum.

    f) Natürlich kannst Du im übertragenen Sinne zu "zivilem Ungehorsam" aufrufen. Aber auf der Basis welcher Legitimation? Letztlich doch nur Deiner persönlichen Einschätzung.

    g) Ich empfehle dringend (!) Dich mit dem Bildungssystem, den jüngsten Entwicklungen und dem Beamtenrecht auseinanderzusetzen. In den Bau würdest Du mit dem von Dir beschriebenen Vorgehen nicht wandern. Du würdest im schlimmsten Fall aus dem öffentlichen Dienst geworfen werden und dann schauen, wo Du wieder eine Arbeit findest. Sofern Dein Vorgehen in den Medien bekannt werden sollte, dürfte ein/e Mitarbeiter/in mit aufrührerischen Tendenzen sicherlich eine wertvolle Ergänzung für jede Belegschaft sein...

    9 Tage du, zehn Tage Urlaub dein Partner und zur Not musste nochmal ein bis zwei Tage krank sein.

    Mein Mann und ich sind beide Lehrer und in der gleichen Situation (Umgewöhnung von Tageseltern in die Kita), wir können allerdings deswegen offensichtlich nichtmal Urlaub nehmen. Es wird auch auf Elternzeit hinauslaufen inkl. finanzieller Einbußen.

    <MOD-Modus>

    Die rot markierte Passage bitte ich zu streichen, da sie mittelbar rechtswidriges Verhalten empfiehlt.

    <MOD-Modus OFF>


    zur TE:

    Weder der Dienstherr, noch die Gesellschaft sind für eine Planung, die am Schluss nicht aufzugehen droht, verantwortlich. Urlaubstage zu verwenden oder finanzielle Einbußen zu haben, sind nicht schön, können aber das Problem lösen.

    Auch wenn das Deine Frage nicht im ursprünglichen Sinne beantwortet:

    Ich mache das Ganze mit der Elster-Software, die das Finanzamt zur Verfügung stellt. Da steht eigentlich das meiste, was man wissen muss, drin. Und Du bist bis auf ganz wenige Ausnahmen faktisch belegfrei.

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