Beiträge von Bolzbold

    Naja Türkei war ja beispielweise mal weiter Anfang 1900er. Der Islam hat sich ja in den letzten Jahren zunehmend radikalisiert. Iran ist auch so ein Beispiel. Und der nahe Osten war nie wirklich kolonialisiert. Zu glauben, es wäre mal wieder die Schuld des Westens, halte ich für Quatsch. Der Islam hat es ganz alleine geschafft.

    Ein Turnpoint war sicher der 11. September 2001. Das hat aber nichts mit Kolonialisierung zu tun.


    "Nie wirklich kolonialisiert" - Stichwort Sykes-Picot Agreement.

    Zum Einlesen: A line in the sand von James Barr. Zur weiteren Lektüre empfehle ich Destiny Disrupted: A History of the World Through Islamic Eyes von Tamim Ansary.

    Insbesondere das Werk Ansarys hat mir sehr wertvolle Einblicke in den gesamten historischen Problemkomplex gewährt.


    Ein weiteres Beispiel für das Vorgehen des Westensauf dem indischen Subkontinent findet man in The Untold Story Of India Partition: The Shadow Of The Great Game von Narenda Singh Sarila.

    Man kann Dinge für Quatsch halten, aber man sollte wissen, wovon man redet.

    Tommi

    Wenn wir so argumentieren, dann kann man jede Freiheit als anerzogen unterminieren.

    Ich habe tatsächlich mehrere muslimische Abiturientinnen kennengelernt, die freiwillig und bewusst das Kopftuch getragen haben, gleichzeitig aber Medizin etc. studieren wollten. Diese jungen Frauen waren gebildet, fleißig und selbstbewusst. Wer wäre ich da, mir anzumaßen, diese Entscheidung als "anerzogene Freiheit" zu kritisieren?

    Dass der heute mehrheitlich praktizierte Islam patriarchalisch bzw. in Teilen frauenfeindlich ist, lässt sich nicht leugnen. Das war aber nicht immer so. Seitens des Islams wird der Westen - teils zu Recht - seit Jahrzehnten als erhebliche kulturelle Bedrohung empfunden.

    Wir sollten das Problem daher auch einmal von der anderen Seite betrachten. Wenn ich mich kulturell bedroht fühle, habe ich zwei Möglichkeiten. Ich leiste Widerstand, indem ich meine Werte übersteigere und ggf. in Extreme abdrifte, was ich ohne diese Bedrohung gar nicht tun wollte. Oder ich "ergebe" mich dieser Bedrohung und knicke ein - auf Kosten meiner kulturellen Identität.

    Dieses Phänomen haben wir auch bei Thema Integration in Deutschland.

    Wir sollten auch nicht verkennen, dass wir im Bereich Emanzipation zwar ein paar Jahrzehnte weiter sind als die Muslime, aber eben auch nur ein paar Jahrzehnte. Und wir maßen uns an, durch diesen Vorsprung auf der Seite "der Guten" zu sein und auf anders geartete Kulturen herabzusehen. Diese westliche Arroganz ist widerlich und heuchlerisch. Mit dieser Überlegenheit wurde vor 150 Jahren bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Großteil der muslimischen Welt kolonialisiert. Da hat der Westen Menschen in "Rassen" eingeteilt und über ihren Wert geurteilt.

    Heute kolonialisieren wir nicht mehr in dieser Form - aber wir setzen kulturell und wirtschaftlich diesen Kolonialismus fort - wähnen uns denjenigen überlegen, denen wir jahrzehntelang wirtschaftliche Blüte, politische Freiheit und kulturelle Selbstbestimmung aus Gier und Eigennutz vorenthalten haben.
    Und dann schwingen wir uns auf einmal zu kulturellen Rettern der Welt auf, regen wir uns über ein Kopftuch auf, als wäre es die Ausgeburt allen Übels...

    ...wir können wirklich stolz auf uns sein...

    @Steffi1989

    Die Entscheidung war zu dem Zeitpunkt, an dem Du sie getroffen hattest, richtig. Freundschaften sollen einem eigentlich grundsätzlich eher gut tun als belasten. Wenn Letzteres überwiegt, und der andere um der Freundschaft Willen nicht zum Einlenken oder zur Mäßigung bereit ist, dann war es das eben.
    Es tut eine Weile weh - aber dann kann es auch ein bisschen befreiend und entlastend sein.

    Darum geht es ja zum Teil gar nicht mehr. Der derzeitige Stand ist, dass aktiv nach Verfehlungen (unter Zuhilfenahme maximal missgünstiger Interpretation des Gesagten) gesucht wird, um anschließend jemanden zu diskreditieren. Da werden dann auch gern mal Äußerungen von vor 20 Jahren ausgegraben. Das ist die bewährte alte politische Schmutzkampagne, die durch die technischen Möglichkeiten in der Breite angekommen ist.

    Außerdem: Wenn ich im Cafe am Nachbartisch ein Gespräch mithöre, in dem die Beteiligten "unkonventionelle" (aber nicht strafbare) Meinungen äußern, muss/soll/darf ich mich dann einmischen? Ist das dann nicht genauso Geltungssucht und Virtue Signalling?

    Ist es nicht im Grunde beides?

    Das Mitteilungsbedürfnis auf der einen Seite und das "Vernichtungsbedürfnis" auf der anderen Seite?

    Beides ist ganz gruselig.

    Was das Gespräch am Nachbartisch angeht, so lasse ich das eigentlich immer unkommentiert, sofern man nicht über meine Familie oder mich spricht. Da hält sich meine Geltungs- oder Erziehungssucht in Grenzen.

    Muss man eigentlich seine Meinung unbedingt überall kundtun - gerade wenn man antizipieren könnte, dass es zu entsprechenden Reaktionen kommen könnte?

    Ich frage mich dann immer, was der Nutzen ist, wenn man sich hinstellt und postuliert, dass man es eklig findet, wenn sich zwei Männer küssen?
    Warum muss man das unbedingt äußern?
    Warum kann man diese Haltung nicht für sich behalten?

    Ist es letztlich nicht pure Geltungssucht?

    Ich stimme O.Meier hier zu.

    Die Kommentare bei einer bekannten Tageszeitung aus der Region zum Artikel über Herrn Lehmann zeigen auch, dass sich hier ein pervertiertes Unrechtsempfinden entwickelt hat nach dem Motto: "Wenn der andere sich mal nicht so anstellen würde - mein Verhalten ist doch halb so wild."
    Dies bemerke ich zunehmend bei rassistischen Äußerungen oder solchen, die so empfunden werden können. Soll sich der Schwarze eben mal nicht so anstellen - dann hätte Herr Lehmann jetzt kein Problem.

    Das lässt sich leider auch auf viele andere Bereiche unseres Lebens übertragen - der Straßenverkehr ist nur ein jedem bekanntes Beispiel dafür.

    Ich weiß. Bei der Registrierung. Aber wenn Du den Termin buchen willst und die Termine bereits festgelegt hast, musst Du bei der endgültigen Buchung genau die Berechtigung nach § 3 bestätigen.

    Bei der KVNO musste man bestätigen, dass man §3 der Impfverordnung erfüllt - das wäre Prio 2. Somit hätte man eigentlich vor der offiziellen Freischaltung, die für 8 Uhr vorgesehen ist, keinen regulären Termin machen können.

    Schauen wir jeden Tag bei Facebook und Co. vorbei. Dort sehen wir die Auswüchse einer verabsolutierten Meinungsfreiheit, die Abs. 2 des oben zitierten Grundrechtsartikels geflissentlich ignoriert.

    Der Begriff unkonventionell ist völlig falsch gewählt, wenn er ein Deckmantel für Rassismus, Antisemitismus, Misogynie oder ähnliches ist. Ansonsten findet die freie Meinungsäußerung auch ihre Grenzen im Beamtenrecht bzw. dem Dienstrecht. Wir dürfen eben nicht immer alles sagen. Insofern kann es - und darf es auch rechtlich betrachtet - Konsequenzen haben.


    Du hast nichts Brauchbares gefunden, weil es nichts Brauchbares in diese Richtung gibt. Die konkreten Modalitäten vor Ort werden durch die Lehrerkonferenz festgelegt.

    Wenn ein Schüler das offizielle Thema eigenmächtig ändert und damit auch andere Schwerpunkte setzt, dann ist das am vereinbarten Thema vorbei. Das kann man notenmäßig sanktionieren.

    Sprich mit Deinem Oberstufenkoordinator und ggf. mit der Schulleitung - da wirst Du sicherlich ein Feedback bekommen. Und auf dieser Basis kannst Du dann entscheiden, wie Du bei der Notengebung vorgehen möchtest.

    Ich glaube, dass man in dem Job nicht glücklich wird, wenn man sich dem Dogma der "jede Minute ist kostbar" Unterrichtszeit unterwirft. Ich kann das vom Grundsatz her zwar verstehen, aber letztlich bin ich nicht nur Wissens- und Kompetenzvermittler auf der Fachebene. Ich habe auch einen grundsätzlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag - dem kann ich nicht nachkommen, wenn ich mir meinen Unterricht immer unter der Maßgabe, keine Minute zu verschwenden betrachte. Und selbst das liegt ja im Auge des Betrachters.

    Meine alte Schulleitung hat allen Versetzungsanträgen stattgegeben, wenn sie im Rahmen einer Familienzusammenführung o.ä. erfolgten, auch wenn sie dies theoretisch hätte ablehnen können. Nichts bieten konnte er auch vielen von uns - und viele sind darauf hereingefallen - so wie ich lange Zeit. Und für mich war es keine Perspektive, die nächsten 20 Jahre ein und dasselbe zu tun und mich dann ein paar Jahre später von der nächsten Schulleitung verar***en zu lassen.

    Das kommt meiner Erfahrung nach immer auf die Lerngruppe an, wie der Draht ist und wie viel man außer der Reihe spricht - zumal sich Gesprächsanlässe ja auch nicht nur im Unterricht ergeben.
    Manche Leistungskurse habe ich nach dem Abitur nie wieder gesehen - zu der einen oder anderen Klasse habe ich heute noch Kontakt bzw. mit einzelnen haben sich nach dem Abitur freundschaftliche Verhältnisse ergeben.

    Wenn ich Privates erzähle, dann Unverfängliches - wie alt sind meine Kinder, welche Instrumente spiele ich und dergleichen. Ansonsten halte ich es recht ähnlich wie Herr Rau, auch wenn ich mich durchaus um einen direkten Draht - im Rahmen meiner Professionalität - zu den SchülerInnen bemühe. Das ist Teil meines Naturells - ich könnte gar nicht anders.

    Wenn die Kommunikation nicht vollständig zerrüttet und gestört ist, dann wird es wohl im Vorfeld auch entsprechende Gespräche gegeben haben, aus denen sich dann die fehlende Perspektive an der aktuellen Schule ergibt, so dass man dann andere Wege geht. Ich habe meinem Schulleiter beispielsweise im Vorfeld mehrmals mitgeteilt, dass mir eine Perspektive fehlt und die Konsequenz für mich dann früher oder später sein wird, dass ich gehen muss. So kam es dann ja auch.
    So etwas passiert nicht vollständig heimlich oder aus heiterem Himmel - das kündigt sich vorher an.

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