So wie es offenbar eine ungeschriebene Hierarchie zwischen Lehrkräften verschiedener Schulformen und sogar zwischen Lehrkräften verschiedener Fächer zu geben scheint, trifft dies auch auf die Führungsebene zu.
Je weiter oben desto psychisch auffälliger könnte man meinen - so klingt es hier zumindest durch.
Wenn wir von Macht sprechen, dann sollten wir nicht vergessen, dass jede Lehrkraft so gesehen Macht über ihre SchülerInnen besitzt und diese mal mehr oder weniger verantwortungsbewusst ausüben kann. Dieses Prinzip ist völlig unabhängig von der Hierarchiestufe, auf der man sich im System Schule befindet - gleichwohl gibt es natürlich weiter oben Menschen mit "noch mehr" Macht.
Unsere SchülerInnen würden vermutlich ähnliche (küchen)psychologische Schnellschüsse, was die Interpretation unseres LehrerInnenhandelns betrifft, abgeben. Wie viele von uns werden dann auf die grundsätzlichen Mechanismen verweisen, die Vorwürfe entrüstet zurückweisen und natürlich sich selbst auf der "guten Seite der Macht" verorten?
Personen in Machtpositionen moralisch-psychologisch zu delegitimieren und ihrer charakterliche Integrität in Zweifel zu ziehen, ist eine natürliche Reaktion von Menschen, die sich machtlos bzw. ohnmächtig wähnen. Stichwort "wer etwas gegen die Lehrkraft sagt, bekommt eine schlechte Note", oder "wer etwas gegen die SL sagt, bekommt einen schlechten Stundenplan." Ob diese Kritik berechtigt ist oder nicht und substantiiert werden kann, spielt dabei erst einmal keine Rolle.
Wenn Quittengelee die Frage stellt, wie man sich durch eine Machtposition verändert, dann müssten wir alle bei uns selbst anfangen und uns fragen, wie wir uns seit Antritt unserer ersten vollen Stelle entwickelt bzw. verändert haben. Wie gehen wir mit unserer Macht um?
Macht ist an sich nichts Schlimmes oder Schlechtes, wenn man damit verantwortungsvoll und zum Wohl der einem anvertrauten Menschen umgeht. Aber Macht hat die Macht zu korrumpieren. Ab dem Zeitpunkt, wo es um den eigenen Vorteil, die primäre Befriedigung eigener Interessen geht, steht man auf der "dunklen Seite der Macht". Leider bekommen wir das heutzutage immer häufiger in schamloser und rücksichtsloser Form in Politik und Wirtschaft vorgelebt. Es erfordert beständige Selbstreflexion und Verantwortungsbewusstsein, mit der einem übertragenen Macht entsprechend sorgsam umzugehen.
Ich habe wegen negativer Vorbilder der Macht lange misstraut. Aber es gab positive Vorbilder, die mir gezeigt haben, wie es "richtig" geht. Daran orientiere ich mich - daran sollte sich jeder Mensch, der Macht hat, orientieren.
(OK, der Abschlusssatz geht wohl jetzt als Wort zum Sonntag durch, oder?)