Beiträge von Bolzbold

    Für mich besteht schon ein Zusammenhang, wir profitieren vom Krieg (nicht zuletzt haben sicher hier welche Heckler und Koch Aktien? Und ich weiß es nicht, aber die Milliarden verschwinden nicht im Nirvana) und um die Geflüchteten will sich niemand kümmern.

    @samu

    Bei allem Verständnis für Deine Aufgebrachtheit, meinst Du nicht, Du schadest Dir und Deinem Anliegen durch Aussagen wie diese mehr als dass Du überzeugst?
    "Wir" profitieren nicht aktiv am Krieg. Und die Annahme, dass hier UserInnen wissentlich H&K Aktien besitzen, ist ziemlich daneben. Würde jemand anderes über einen Missstand so schreiben oder Dich mittelbar anklagen, kann ich mir vorstellen, wie Deine Antwort ausfallen würde.

    "Wir" profitieren durch den Kapitalismus, da "wir" auf der stärkeren Seite sind und damit die Möglichkeiten haben, andere Menschen auszubeuten.
    "Wir" sollten daher eine andere Strategie fahren.
    a) Weniger Produkte kaufen, die durch Ausbeutung entstehen oder dadurch erschwinglich werden.
    b) Uns vom Dogma des ewigen Wachstums und der Gewinnmaximierung verabschieden, damit auch Unternehmen in Entwicklungsländern eine Chance haben, dort für Arbeit und (relativen) Wohlstand zu sorgen.
    c) Unsere westlichen Werte von Freiheit und Demokratie, Menschenwürde und Gleichberechtigung nicht dort abgeben, wo unser Wohlstand gefährdet scheint. Wenn diese Werte in anderen Ländern zu Ausbeutung, Kinderarbeit, autoritären Regimen führen, dann sind unsere Errungenschaften zu einem guten Teil reiner Egoismus und Heuchelei.
    d) Wir müssen eines Tages (ob jetzt oder in zehn Jahren maße ich mir nicht an zu beurteilen) die Frage beantworten, die viele weniger taktvoll stellen und die einen schnell als Rassisten brandmarkt: Wie viele Flüchtlinge können/sollen wir aufnehmen? Oder wie schon vor etlichen Jahren gefragt: Wann ist das Boot voll? Und damit einhergehend: Können/wollen wir diese große Zahl an Menschen hier integrieren?


    In diesem Zusammenhang auch:
    Können wir gewollt oder ungewollt eine Botschaft senden, dass jeder willkommen ist? Können wir kategorisch jeden Flüchtling ablehnen? Sollen wir unsichere Transitländer an der Küste Nordafrikas oder Kleinasiens weiter dazu drängen/zwingen, dass sie uns die Flüchtlinge vom Hals halten und sie damit zu ihrem eigenen Problem machen und entsprechende Menschenrechtsverletzungen dulden, solange sie nur bei uns nicht vorkommen?

    Vor diesem Hintergrund ist Lipa ein trauriges Beispiel für das, was in dieser Welt passiert und was wir Menschen der westlichen Welt weitgehend blind und tatenlos hinnehmen, wenn nicht gar durch unser Verhalten mittelbar fördern. Aber es ist "nur" ein Teil der ganzen Tragödie.

    Hakenkreuz? nein, die Karikatur, entnommen aus dem zweiten unserer Schulbücher, sieht etwas anders aus als in dem verlinkten Bild. Sorry, mal wieder falsch verlinkt. Im Anhang aber! war wohl arg urlaubsreif beim Posten..


    Die Fehldeutung sagte, dass Scheidemann mit dem Dolch/Messer die Soldaten mahnen wolle, nie wieder Krieg zu führen, weil Krieg schrecklich ist.

    In diesem Fall hätte ich auch null Punkte in der Bewertung gegeben. Diese Fehldeutung kommt nur vor, wenn man nicht ordentlich vorbereitet ist. Die Dolchstoßlegende muss man kennen. Antworten dieser Art habe ich bei meinen Korrekturen auch häufiger gehabt - das kommt eigentlich nur bei völliger Ahnungslosigkeit vor.

    cera

    Das war jetzt aber arg theatralisch - und ja, auch ich habe mittlerweile den Eindruck, dass Du zuviel Zeit hast.
    Von einzelnen Erlebnissen auf das generelle Wesen einer Lehrkraft bzw. vieler Lehrkräfte zu schließen gepaart mit Whataboutism mit einer Prise Generalabrechnung mit dem Schulwesen war jetzt ausreichend Auskunft über Deinen gegenwärtigen Reifezustand. Magst Du es jetzt nicht einfach dabei belassen?

    Es ist oft eine Frage, wie viel Zeit ich für wie viel Ergebnis bzw. Belohnung investieren muss. Formale Aspekte bei Facharbeiten etc. sind für zu viele SchülerInnen lediglich lästiges Beiwerk. Dass ich als Lehrkraft sehr penibel auf solche Dinge achte, bei allen Klausuren selbstverständlich handwerklich korrekte Zeilennummern verwende, Abschnitte, Absätze und Einrückungen sowie Aufzählungen beherrsche und anwende, wird womöglich eher als Pedanterie denn als echte Kompetenz erachtet.

    Bei Snapchat etc. ist die eigene Motivation sich reinzufuchsen höher, weil der Selbstdarstellungs- und der Belohnungseffekt greifen. Mit Word- und Excel-Kenntnissen kann man sich nicht darstellen oder die Peergroup beeindrucken. Den Mehrwert für das spätere berufliche Arbeiten erkennt man in dieser Lebensphase noch nicht. Der Umstand, dass gefühlt 95% der von SchülerInnen erstellten Texte im Rahmen der sozialen Netzwerke erstellt werden, wo kein Wert auf äußere Form oder Layout gelegt wird, tut sein Übriges.

    Die Zahlen werden - welch' Überraschung - vermutlich just am Wochenende vor Schulbeginn wieder durch die Decke gehen. Weihnachten und WintersportlerInnen sei Dank. Und falls die Schule am 10. Januar wieder losgeht, wird es in den Schulen eine deutlich höhere Infektionsrate geben, wenn sich die lieben Kleinen brav in der Familie angesteckt haben...

    Was Ladenthin schreibt, ist ja schon länger bekannt - und er wettert ja auch schon seit Jahren gegen die Kompetenzorientierung, die er "als Ausdruck pädagogischer Orientierungslosigkeit" bezeichnet.

    Unsere ach so kompetenten AbiturientInnen sind in Teilen nicht studierfähig und sie sind in Teilen auch nicht selbst "lebensfähig", wie öffentlichkeitswirksame Artikel in Richtung "Texte in drei Sprachen analysieren" aber keinen "Mietvertrag unterschreiben können" zeigen. Heute muss alles gaaanz viel Praxis enthalten, total Spaß machen und so motivierend sein, dass man als geneigtes Publikum gnädigerweise mitmacht. Das habe ich auch im Unterricht in der Oberstufe in den letzten Jahren vermehrt festgestellt. "Bespaße mich, dann arbeite ich vielleicht auch mal mit".
    Die Art und Weise, die Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, fördert ein solches Verhalten und eine entsprechende Erwartungshaltung.

    Das Problem ist, dass SchülerInnen möglichst viel für möglichst wenig Geld haben wollen. Das war zumindest der Hauptgrund, den die SchülerInnen nannten, wenn der Baguettewagen bei uns in der Feuerwehrzufahrt stand und das Zeugs verkauft hat. Großes Aufbackbaguette mit Belag für 2 Euro. Da kann die Mensa nicht mithalten - die Qualität des Essens interessierte die Schüler nicht. Viel und günstig.

    Fairtrade, Nachhaltigkeit und Gesundheit interessieren ein paar wenige - sobald es an den eigenen Geldbeutel geht, ist da bei den meisten SchülerInnen Schluss mit lustig.

    Das lässt sich m.E. nicht kompensieren, weil die Klausur als Ganzes zu betrachten ist. Ferner würde die Bewertung ja auch nicht mit dem Erwartungshorizont übereinstimmen - selbst wenn man "z.B." den Items vorangestellt hat.

    Wenn ich hier mit "Folgefehlern" arbeite, suggeriere ich dem Schüler durch die vermutlich immer noch mindestens durchschnittliche Note, dass ja alles OK war. War es ja offenbar nicht, weil die Karikatur falsch gedeutet wurde. Wenn ein Schüler einen Text missversteht, würdest Du dann in der Bewertung ähnlich vorgehen, wie von Dir angedacht?

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