Beiträge von Bolzbold

    Vielleicht sollte man hier präzisieren:

    Ritalin hat während der Wirkdauer insofern Auswirkungen auf die Persönlichkeit, alsdass das Kind seine Selbstkontrolle wiedererlangt und sich fokussieren kann.

    Zu Deinem Beispiel:
    Das, was Du beschreibst, scheint mir eher eine Überdosierung zu sein oder ein Problem der Verstoffwechslung. Ein solches Kind hatte ich vor Jahren auch in meiner Klasse am Gymnasium. Man hatte aufgrund der ungewöhnlichen Verstoffwechslung augenscheinlich nur die Wahl zwischen der Wirkung "sediert" und keiner Wirkung. Da bedurfte es langer Einstellungs- und zuvor natürlich Ausschleichungszyklen.
    Dein Beispiel wäre in der Tat ein Negativbeispiel für klassisches "Ruhigstellen".

    Viel entscheidender wäre doch, ob und inwieweit Ritalin langfristige Auswirkungen auf die Persönlichkeit hat. Wenn ich diese Dissertation heranziehe, dann kann die Dauermedikation zu Wesensänderungen führen - muss aber nicht.
    https://edoc.ub.uni-muenchen.de/20090/7/Konrad…ris_Susanne.pdf

    Alias sprach aber nicht von Fehldiagnosen (die natürlich leider zu häufig vorkommen, ich habe Zahlen von zwischen 15-20% im Kopf, wobei da regional z.T. drastische Unterschiede bestehen), sondern von Eltern, die sich bewusst für eine Medikamentengabe entscheiden, um die Schuld dem Kind zuzuschieben.

    Wieoso schieben die Eltern im Falle von Medikamentengabe die Schuld dem Kind zu?

    Alias hat insofern Recht, alsdass die Diagnose ADHS oft voreiligt gestellt wird. Das ist die Generalexkulpation für alles künftige Fehlverhalten des Kinder bzw. der Fehler in der Erziehung durch seine Eltern.
    Diese Diskussion hatten wir aber weiter oben schon einmal.

    Es gibt Eltern, die nicht konsequent erziehen - und deren Kinder verhalten sich auf eine Weise, die dem Verhalten von ADHS-Kindern ähnlich sein kann.

    Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen,

    am Wochenende habe ich mich mit ein paar Bekannten unterhalten . Wir kamen auf das Thema, das Schulleiter/ Lehrkräfte Angst haben bzw. es ungern gesehen wird, wenn Eltern, Schüler und/oder Pädagogen bei der Bezirksregierung eine Dienstaufsichtsbeschwerde, Fachaufsichtsbeschwerde , Widersprüche etc einlegen. Es kam die These auf, dass es angeblich sei es mit viel schriftlichem Aufwand verbunden sei,


    Ich bin der Auffassung, dass ein guter Lehrer keine Angst haben muss, wenn man alle Behauptungen(Bsp. Widerspruch, Beschwerde) gut begründen kann.

    Wie seht ihr es?

    Ja, es ist mit schriftlichem Aufwand verbunden.
    Nein, es kommt nicht ständig und immer und überall vor.
    Nein, es fällt nicht per se auf den Lehrer zurück - es sei denn, die Beschwerden wären substantiiert und gehäuft.
    Nein, man muss als Lehrer - ob gut oder schlecht sei aufgrund der fehlenden Maßstäbe hier irrelevant - keine Angst vor Beschwerden haben, wenn man korrekt arbeitet. In der Regel kommen die dann auch selten.

    @Frapper

    Ich glaube, das ist keine Gedankelosigkeit sondern Massenkompatibilität. Die Sachen müssen so gebaut, organisiert etc. sein, dass eine möglichst große Schnittmenge an Menschen damit klarkommt. Alles andere ist in vielen Fällen aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll - und von moralischer Lauterkeit kann man sich leider nichts kaufen bzw. als Geschäftsmann überleben - wenn man das Ganze nüchtern betrachtet.

    Da fallen dann zu kleine oder zu große Menschen aus dem Raster. Wenn man jetzt ganz fies wäre, könnte man das auch auf Hautfarbe übertragen und behaupten, dass wenn in meinen Club genug "Weiße" kommen, dass ich dann problemlos den Zutritt für "Nichtweiße" begrenzen oder gar verbieten kann. Das passiert ja auch heute noch oft genug.

    Wenn wir dieses hässliche Beispiel einmal außen vor lassen, kann man die Problematik wieder darauf reduzieren, dass alles (bzw. alle), das nicht der oben genannten Schnittmenge entspricht, eben als andersartig, minderwertig, verdächtig oder was auch immer wahrgenommen wird und daher außen vor zu bleiben hat. Das können große, kleine, behinderte oder nicht-weiße Menschen sein.

    Solche Gedanken drücken sich ja auch seit ein paar Jahren stark in der Politik einer einschlägigen Partei aus.

    Auch in der Vergangenheit ist es in mehreren Fällen entweder beim Besitz von kinderpornographischem Material oder beim sexuellen Missbrauch von SchülerInnen (auch bei einverhemlichen Beziehungen) zur Entfernung aus dem Dienst bzw. dem Beamtenverhältnis gekommen. In allen Fällen war die Begründung, dass das Vertrauen des Dienstherren nachhaltig und unwiderruflich erschülttert ist und Handlungen der oben genannten Art durch Lehrer das Ansehen des Beamtentums nachhaltig beschädigen. (vgl. Juris)

    Das ist auch gut so. Mehr gibt es da meines Erachtens nicht zu zu sagen.

    Zum Teil sind die Urinale bzw. deren befüllende Körperteile durch Trennwände halbwegs vor neugierigen Blicken geschützt. Ansonsten muss ich ggf. damit leben, dass jemand neben mir beim Pieseln einen Schwanzvergleich anstellt.
    Ich persönlich finde es viel unangenehmer, wenn in der Nachbarkabine jemand lautstark sein großes Geschäft verrichtet (oder man umgekehrt Mühe hat, selbiges weniger lautstark zu verrichten).

    *Kopfkratz* Worüber zum Teufel reden wir hier gerade???

    Lasst mal besser wieder on topic weitermachen...

    @Valerianus

    Ich denke, dazwischen sollten wir in der Tat differenzieren. Das wäre aber dann in einem neuen Thread besser aufgehoben. Dass jungentypisches Verhalten schnell in einer stark effeminisierten Erziehungswelt mitunter pathologisiert wird, ist ein weiterer Teil des Problems. In diesem Thread ging es aber um Kinder, bei denen ADHS zweifelsfrei diagnostiziert wurde. Diese Kinder zeigen in der Regel auch sozial auffälliges Verhalten. Das mag sich in der Tat von hyposozialisierten Kindern nicht wesentlich unterscheiden, so dass man entweder schnell mit der küchenpsychologischen Keule ADHS kommt oder eben die Kinder als dissozial abstempelt.

    Das mit dem Kredit kann man ebenfalls knicken. Bei dem Einkommen und keinem festen Job bekommt man so schnell keinen Kredit. Dann wäre auch noch die Frage der Rückzahlung. Aus dem laufenden Etat wäre ja eine Milchmädchenrechnung. Dann stellt sich auch die Frage, ob man unbedingt mit einem fünfstelligen Betrag an Schulden in den Beruf einsteigen möchte.

    @Thamiel

    Die Antwort ist mir zu pauschal, weil sie die Problematik gefährlich simplifiziert. Diese und ähnliche Antworten kommen in meinem Umfeld gegenüber einem Mädchen und deren Eltern vorzugsweise von anderen Eltern, die von der Themaik keine Ahnung haben, aber eben zu allem ihren Senf dazugeben wollen. Das trifft auf Dich sicherlich nicht zu. Hast Du außer Sport noch weitere Ideen?

    Um auf Deine Kritik bezüglich der fehlenden Hilfsmittel bei psychischen Problemen eingehen:

    Was schlägst Du denn an konkreten Hilfsmitteln für ADHS-Kinder vor, um sich nicht dem Vorwurf der Ignoranz oder Bequemlichkeit auszusetzen?

    Könnt Ihr diesen Kleinkrieg bitte lassen? Das führt in der Sache nicht weiter.

    Zur bisherigen Diskussion:

    Die Diskussion ist hier weitgehend sachlich verlaufen, wenngleich sie auch deutlich macht, wie wenig wir als Lehrer, auch wenn wir aufgrund von ADHS-Schülern betroffen sein mögen, effektiv mitreden können.

    Einmal unabhängig von der Gabe von Ritalin bleibt das Problem, dass ein ADHS-Schüler mitunter schwer beschulbar ist und eine erhebliche Belastung für die Lehrkräfte sowie seine Mitschüler darstellen kann. Er selbst leidet oft unter Ausgrenzung bzw. negativem Feedback und schlechten Noten.
    Nun gibt es Lehrkräfte und Mitschüler, die mal besser, mal schlechter damit umgehen können.

    Wenn es um die Frage nach Alternativen zu Ritalin geht, dann muss man sich fragen, welche Form von Therapie tatsächlich möglichst zeitnah durchgeführt werden kann und welche Form von Therapie in diesem Fall für den schulischen Vormittagsbereich überhaupt greift. Es würde mich in diesem Zusammenhang einmal interessieren, wie viele von Euch hier ADHS-Kinder kennen, die einerseits kein Ritalin bekommen und andererseits verhältnismäßig problemlos durch den Schulalltag kommen durch alternative Behandlungsmethoden.

    Ich selbst habe das nur bei ADS-Kindern erlebt, weil die natürlich nicht so auffallen wie ADHS-Kinder.

    Für gewöhnlich geht der Medikation eine lange Leidensphase in der frühen Kindheit des Betroffenen voraus, unter der nicht nur der Betroffene selbst sondern auch Eltern und Geschwister leiden. Bis die gesicherte Diagnose AD(H)S vorliegt, haben die Eltern oft sechs oder mehr Jahre Ungewissheit und gemeinsam mit ihrem Kind soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung erlebt, da das Kind verhaltensauffällig war - sei es in der Krabbelgruppe, im Kindergarten oder in der Grundschule. Die Außenstehenden sehen nur das "ungezogene Kind" und deren erziehungsinkompetente Eltern (rein vom Ergebnis her betrachtet) und rümpfen die Nase.

    Jeder verantwortungsvolle Arzt wird Ritalin nicht wie Hustenstiller verschreiben sondern die Eltern auf Vor- und Nachteile hinweisen und die langfristigen Auswirkungen sowie die Perspektiven aufzeiegn. Das "Ruhigstellen" ist aus meiner Wahrnehmung mehr ein Vorurteil alsdass es der primären Intention der Eltern entspräche.

    Der Umgang mit der Störung durch Nichtbetroffene ist heutzutage ein weiteres Problem. Es ist als Modekrankheit und somit als Generalentschuldigung für jedwede Form von unerwünschtem Verhalten verschrien. Das mag an der inflationären Diagnose liegen. Die wahren Gründe für AD(H)S sind ja immer noch nicht vollständig erforscht. AD(H)S ist hingegen das HIV der Störungen - man macht folglich einen weiten Bogen um betroffene Personen. Ich habe im schulischen Kontext den Eltern der betroffenen Kinder immer empfohlen, diskret mit der Diagnose umzugehen.

    In allen Fällen, die ich mit betreut habe, bestanden die Nebenwirkungen der Einstellung auf Ritalin darin, andere Kinder zu bekommen, die in Charakter und Persönlichkeit mit den ursprünglichen Menschen nichts mehr zu tun hatten.
    Ob sie glücklich darüber waren, konnte ich nicht mehr erfahren. Sie waren nicht mehr da.

    Nartürlich waren diese Kinder durch die Gabe von Ritalin "verändert" - wie sollte es auch anders sein, wenn die Störungsbilder zumindest temporär verschwinden?

    Du zeigst aber einen interessanten Punkt auf in Bezug auf die Wahrnehmung der Medikation:
    ADHS-Kinder zeigen unter Medikation natürlich nicht mehr die oben genannten Auffälligkeiten. Es stellt sich für mich die Frage, ob die Kinder durch die Gabe von Ritalin nicht ggf. viel eher ihre eigentliche Persönlichkeit zeigen, die eben durch die Störung überlagert wird.
    Die Störung sich wirkt sich ja in der Regel negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung der betroffenen Kinder aus und die Gabe von Ritalin kompensiert dies zumindest temporär.
    Nun könnte man anhand der Verhaltensänderung auch auf ein verändertes Persönlichkeitsbild schließen oder gar - wie es einige tun - von "ruhigstellen" sprechen. Faktisch kommt die Gabe von Ritalin tatsächlich einem Ruhigstellen gleich, wenngleich die Intention aus meiner Wahrnehmung meistens eine ganz andere ist. Es geht darum, ADHS-Kinder schulfähig(er) zu machen und ihren Leidensdruck zu lindern.

    Ich glaube, dass die meisten von uns an diesem Punkt der Diskussion die faktenbasierte Ebene zwangsläufig verlassen, weil wir keine Mediziner oder Psychologen sind, die das Störungsbild vollständig überblicken.

    §30 der ADO, die in NRW das Ganze regelt, sagt nichts über eine physische Anwesenheitspflicht. Da die zentralen Unterlagen vermutlich in der Schule liegen, kann bei einer Wahrnehmung der Dienstgeschäfte aus der Ferne ggf. das eine oder andere Problem auftreten.

    Das mit dem Cloudserver bei Schulen ist ja auch so eine Sache...

    AD(H)S sollte nie nur durch den Kinderarzt diagnostiziert werden, sofern er kein wirklicher Experte ist. Das Ganze sollte im Idealfall von wirklichen Experten mit nachhaltigeren Tests als den üblichen Fragebögen überprüft werden. Einmal abgesehen davon hilft Ritalin nur bei ADHS - brutal formuliert ist die Gabe von Ritalin ein zentraler Beleg für das Vorliegen von AD(H)S.
    Was betroffenen Kindern (und Eltern) sicherlich hilft, sind Verständnis und nicht mitunter durch von Halbwissen oder Besserwisserei geprägte Pauschalantworten. (Dazu gehören z.B. auch "Sport" und "konsequente Erziehung".)

    Das Grundproblem bei dieser Störung ist die Frage nach der schulischen Integration von ADHS Kinder. Die "Träumerle" (ohne "H") sind da sicherlich weniger problematisch als die "Rappeltiere".
    Letztere fallen durch häufige Unterrichtsstörungen, starken Bewegungsdrang und weitere Undiszipliniertheiten auf, die sich mitunter auch nachteilig auf das Leistungsverhalten und die Leistung an sich auswirken. Ich hatte in der Vergangenheit mehrere ADHS-Kinder am Gymnasium - alle sehr intelligent und im Kern nette Kinder - wäre da nicht ihre Störung gewesen.
    Als Lehrkraft mag man da Strategien entwickeln, um diesen Kindern zu begegnen. ADHS-Kinder haben jedoch ein sehr sehr hohes "Nerv"-Potenzial gegenüber ihren Mitschülern, was schnell zu sozialer Ausgrenzung führt. Auf Verständnis seitens der Mitschüler kann man da nur bedingt bauen. Darüber hinaus ist die Reizüberflutung ein nicht unerhebliches Problem für ADHS-Kinder. Das kann ich als Lehrkraft jedoch nur bedingt beeinflussen.
    Das eine oder andere Kind in meinen Klassen war ohne Ritalin schlichtweg unbeschulbar und sozial nicht integrierbar. Ich würde niemals hingehenn und Ritalin in jedem Fall empfehlen, jedoch sollte man sich über sowohl über die Konsequenzen der Gabe als auch über die Konsequenzen der Nichtgabe im Klaren sein.

    In allen Fällen, die ich mit betreut habe, war die Gabe von Ritalin bei allen Nebenwirkungen, die es zweifelsfrei gibt, die "Erlösung" - für alle Beteiligten. Die Kinder waren viel fokussierter, leistungsstärker und nach kurzer Zeit wieder in die Klassengemeinschaft integriert. Es waren glückliche Kinder, denen man ihre Störung nur dann noch angemerkt hat, wenn sie denn einmal vergessen hatten, die Tablette zu nehmen.

    Hallo CDL,

    aus meiner Sicht stellt sich das gerade so dar, dass sehr viele Leute hier irgendwie gegen den Einsatz digitaler Medien im Unterricht eingestellt sind und dabei so ziemlich jedes Argument recht scheint. Es ist doch schon haarsträubend, Onlinesucht überhaupt mit einem harmlosen Belohnungssystem, das noch dazu von Lehrkräften seit Jahren in der Praxis eingesetzt wird, in Verbindung zu bringen. Und jetzt noch China - demnächst bin ich noch am Kommunismus schuld. Wenn ich dann diese Haltung parodiere, ist das sogleich eine "pädagogische Bankrotterklärung".

    Ich wollte hier nur mit bester Absicht diesem Ansatz etwas Positives abgewinnen und Gedanken dazu in der Diskussion beisteuern. Nun werde ich harsch angegangen, die Anti-Digital-Fraktion bejubelt sich wechselseitig (Belohnungssystem lässt grüßen) und ich gehe mal wieder seit vielen Beiträgen leer aus. Dabei sind sie nur in der besten Absicht verfasst und haben mir bis vorhin auch noch großen Spaß bereitet.

    Der ist mir nun freilich komplett im Hals stecken geblieben. Ich bin hier für heute Abend erst mal raus, das ist glaube ich höchste Zeit. Der Gruppendynamik hier habe ich nichts entgegen zu setzen.

    der Buntflieger

    Lieber Buntflieger,

    die Gruppendynamik, von der Du sprichst, hast Du selbst erzeugt. Von "Gruppendynamik" mit Betonung auf "Gruppe" würde ich hier auch nicht reden wollen. Vielmehr ist es ein Gegenwind von unabhängigen Einzelpersonen, die mitunter über deutlich mehr Erfahrung im Lehrerberuf verfügen als Du und denen Deine Äußerungen sauer aufgestoßen sind. Man kann das alles im Sinne der Auto-Viktimisierung psychologisieren. Letztlich ist es aber vielmehr Ausdruck typischer Geisterfahrermentalität.

    Die Anti-Digital-Fraktion, von der Du sprichst, gibt es in dieser Form hier nicht - es sei denn, man denkt nur digital und kennt nur passenderweise 1 und 0 - wahlweise ja oder nein, alles oder nichts.

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