Liebe Dafina,
die angebotenen Lösungen sind einerseits plausibel, andererseits müssen sie zur Persönlichkeit der jeweiligen Lehrerin passen. Würdest Du so auftreten wie hier gesagt, käme das bei Deiner von Dir beschriebenen Persönlichkeit total unauthentisch rüber. Bei Miss Jones und Mrs Pace kann ich mir das hingegen SEHR GUT vorstellen... 
Du schreibst, dass Du leicht gebückt vor der Klasse stehst - dass Du verunsichert bist und eine "Beißhemmung" hast.
Das merken natürlich auch Deine Schüler sofort und gehen soweit, wie Du sie letztlich lässt. "Setz Dich durch" ist natürlich auch so eine altkluge Phrase, die nur von Leuten kommen kann, die glücklicherweise dieses Problem nicht haben oder kennen.
Du brauchst meines Erachtens Rollenklarheit - in zwei Richtungen.
a) Du brauchst Rollenklarheit, was Deine Position als Lehrerin im Kollegium und gegenüber der Schulleitung angeht. Selbst in der Probezeit bist Du nicht Teil des Gesindes, das analog zum ostelbischen Gutshof in der Vorkriegszeit immer nur zu tun hat wie der Gutsherr aka Schulleiter befiehlt.
Du bist Lehrerin in der Probezeit und genießt auf der Basis des Schulgesetzes, des Landesbeamtengesetzes und der Allgemeinen Dienstordnung auch gewisse Rechte. Du bist jetzt schon faktisch unkündbar, es sei denn, Du fährst den Karren richtig gegen die Wand, was ja ganz offensichtlich nicht der Fall zu sein scheint.
Die kollegiale Zusammenarbeit ist Teil der Pflichten, die man als Lehrkraft hat, so dass Du Dich durchaus an KollegInnen wenden kannst und das auch tun solltest. Da sind mit Sicherheit einige gleichaltrige KollegInnen, mit denen man zusammenarbeiten kann. Gerade in der aktuellen Junglehrergeneration sollte das doch der Fall sein.
b) Du brauchst Rollenklarheit, was Deine Position als Lehrerin gegenüber den Schülern angeht.
Das heßt konkret, dass Du in der Tat den Schülern sagen darfst (und mitunter musst), wo es lang geht. Wie groß oder klein, dick oder dünn oder wie auch immer man aussieht, ist dabei sekundär. Eine aufrechte Haltung und eine entsprechende Entschlossenheit sind hier wesentlich. Schüler merken wie gesagt, wen sie vor sich haben. Deine Unsicherheit überträgt sich auf die Schüler - gerade in der Pubertät wollen diese ja Grenzen erfahren. Und die musst Du setzen. Das kann man auf der zwischenmenschlichen Ebene lösen (einzelne Störenfriede bei der Ehre packen, konkret ansprechen und ermahnen) und/oder auf der formalen Ebene (konkrete Sanktionen - Ausschluss aus dem laufenden Unterricht, Nacharbeit unter Aufsicht, Elterngespräch etc.). Wichtig ist dabei, dass Du Dir darüber im Klaren bist, was Du willst und dass Du das dann mit der nötigen Entschlossenheit durchsetzt. Gerade bei den 15jährigen Jungen solltest Du Dich vor versammelter Mannschaft aber auf keinen Machtkampf einlassen.
und
c) Du musst aus der - wie soll ich es sagen - "Opferrolle", in der Du Dich gerade mehr oder weniger befindest, herauskommen. Du musst die Initiative zurückgewinnen, damit Dir die Schulleitung eben nicht diverse Fortbildungen etc. aufbrummt, die Eltern oder die Schüler blöd kommen. Du kannst an der Situation durchaus etwas ändern, wenn Du auf der Basis Deiner Schwächen, derer Du Dir ja bewusst bist, konkret überlegst, was Du anders machen möchtest. Das solltest Du dann mit aller Entschlossenheit tun.