Beiträge von Bolzbold

    Schantalle,

    Du hast die Lösung doch schon präsentiert. Du hast das Ganze reflektiert, Du hast Dein Verhalten zum Teil als falsch erachtet und dies eingesehen, Du hast aber auch Grenzen aufgestellt, die Du relativ konsequent durchsetzt.

    Was willst Du mehr? Das klingt doch nach Schulalltag einer Person, die ihr Handwerk versteht, aber eben auch mal gegen den Zementsack tritt, wenn es ihr zuviel wird.

    @kecks

    Das ist sogar noch extremer, wie ich finde.
    Bei uns Deutschen findet man eine paradox anmutende Haltung zu Autorität.

    Auf der einen Seite wünschen wir uns eine übergeordnete Instanz, die bei Streitigkeiten, bei denen wir selbst nicht weiterkommen, selbstverständlich in unserem Sinne entscheidet (bzw. zu entscheiden hat) und an deren "Urteil" sich dann alle halten müssen und wodurch wir dann unserem Kontrahenten eine "von oben sanktionierte" Überlegenheit demonstrieren können.
    Auf der anderen Seite misstrauen wir per se jedem, der Autorität bzw. Macht hat, weil er sie ja (zumindest in unserer Verschwörungstheorie) missbrauchen und gegen uns verwenden könnte.

    Letztlich ist es wieder die alte opportunistische Ich-Bezogenheit. Solange Macht und Autorität mir zum Vorteil gereichen, sind sie gut. Falls sie es nicht sind, dann sind sie per se zu hinterfragen.

    Mir geht es wie dem Lehramtsstudent, auch ich habe in der Schule nicht gelernt, dass short forms in manchen Textformaten nicht angemessen sind und habe nicht schlecht gestaunt, als ich dies nach der ersten Hausarbeit an der Uni erfuhr. Da ich mich darüber geärgert habe, stelle ich sicher, dass meine Schüler über die Konventionen informiert sind und werte entsprechend ab, wenn short forms im Abitur an unpassender Stelle verwendet werden. Ich schreibe dann 1x "Stil: Keine Kurzformen" an den Rand und unterschlängele (wenn nötig) im weiteren Verlauf der Arbeit alle weiteren Kurzformen.

    Als Zweitkorrektor bin ich hier ggf. vorsichtiger - meine eigene Bildungshistorie belegt, dass zumindest manche Lehrer dieses Thema nicht mit ihren Schülern besprechen. Wenn der Erstkorrektor Kurzformen dann nicht anstreicht, lasse ich es als Zweitkorrektor ebenfalls - der Schüler kann schließlich nichts dafür, wenn er über diese Anforderung des Zieltextformates nicht aufgeklärt wurde. Formal ist das sicher nicht ganz korrekt (Fehler ist Fehler), aber ich gehe in diesem speziellen Falle nach der Devise "im Zweifelsfall für den Schüler" vor.

    Es ist als Zweitkorrektor nicht unsere Aufgabe, über die Gründe für ein stilistisches Manko zu spekulieren. Die Zweitkorrektur ist ja gerade dazu da, einheitliche Korrekturen auf Landesebene zu gewährleisten. Insofern kannst Du Dich da auch nicht eigenmächtig über die Vorgaben hinwegsetzen, nur weil es sein könnte, dass die Schüler das nicht wussten.
    Wo würde man denn dann da bei den Dingen, die die Schüler womöglich "nie gelernt haben", die Grenze ziehen?

    Ich habe freitags bis 15.45 Unterricht. Jedes Schuljahr an jedem Freitag, an dem Schule ist.
    Den Anspruch auf freie Freitage mit der freien Wirtschaft zu vergleichen und zu begründen ist wenig überzeugend, weil die Mehrheit der Vollzeit arbeitenden Menschen davon nicht betroffen ist.
    Anspruch auf nachmittags freie Freitage zu erheben, finde ich ebenfalls grenzwertig.

    JEDE Familie, in der beide Eltern arbeiten, muss ihre Betreuung sicherstellen - ganz gleich wie. Lehrer wie Nicht-Lehrer.

    Schantalle, die Sache mit dem guten Schulabschluss sehe ich aus eigener Erfahrug ein wenig kritischer als Du und ich halte nach wie vor nichts von der Argumentation mit Extremen.
    Natürlich liegt die Ursache für ausbleibenden Schulerfolg nicht per se am lernbehinderten Sitznachbarn - hier ist die Argumentation aber bewusst moralinsauer.

    Es geht hier viel eher um das, was in den Schulen vor Ort jeden Tag passiert oder nicht passiert - ganz unabhängig vom Vertrauen in mein Kind oder in meine Erziehung meines Kindes.
    Es geht darum, was ich als Elternteil zu Hause "ausbaden" muss, weil die Schule mit Inklusion überfordert ist - und das geht eben auch zu Lasten der Regelkinder - und natürlich ist das icht die Schule der Inklusionskinder. Es geht mir auch nicht darum, Regelkinder gegen Inklusionskinder auszuspielen, allerdings ist die Frage, die Du aus meiner Sicht mehr aus prinzipiellen bzw. formalen Gründen als sinnlos empfindest, leider tagesaktuell. Genau darum geht es Tag für Tag in deutschen Schulen, an denen die Inklusion so (falsch) praktiziert wird wie auch von anderen Usern beschrieben wird.

    Ich würde das Wettrüsten in die generelle Entwicklung bis zum 1. WK einordnen. Ggf. auch als Teil der deutschen Außenpolitik unter Wilhelm II.

    Schade an der ganzen Inklusions-Geschichte ist, dass es alles in Deutschland nicht nötig wäre. Immerhin ist im englischen Original der Vereinbarung von "inlusivem Bildungssystem" die Rede. Nicht von "Inklusive Schule". Wir waren der Vereinbarung mit unserem hochspezalisierten Förderschul-System also schon um Jahre voraus - und hinken nicht hinterher, wie Schantalle schreibt.

    Aber ich denke mir, ich halte mich aus dem Thema wieder raus. Ist schlecht für meinen Blutdruck.

    kl. gr. frosch

    Und genau DAS kapiere ich nicht. Wieso wurde dieser Text so selektiv gelesen und verstanden?

    Wir haben im Grunde eine ganz einfache Frage, deren Antwort aber mitunter brutal ausfallen kann - ganz gleich in welche Richtung.

    Sollen Inklusionskinder auf Kosten der Regelkinder an Regelschulen beschult werden oder sollen die Regelkinder auf Kosten der Inklusionskinder "unter sich" bleiben.
    Diese Frage birgt meines Erachtens erheblichen sozialen Sprengstoff, weil es hier m.E. kein richtig und kein falsch gibt.

    Ich kann mich mittlerweile des Eindrucks nicht erwehren, dass hier letztlich eine Form von Nivellierung betrieben werden soll, die der Kurzgeschichte "Harrison Bergeron" gleich kommt.
    Natürlich ist es selbstverständlich, dass benachteiligte Kinder besondere Förderung erhalten. Wenn dies aber - wie ich aus dem eigenen Umfeld und aus eigener Erfahrung miterlebe - auf Kosten der nicht benachteiligten Kinder geschieht, dann kann das nicht Sinn der Sache sein. Ruhige oder disziplinierte Kinder werden neben unruhige gesetzt. Starke neben schwache, damit der Starke dem Schwachen hilft. Das fordert von den stärkeren Kindern ein höheres Maß an Geduld, Empathie, Ausdauer und Rücksichtnahme, kurz Soziakompetenz ein als von den anderen Kindern. Das Ganze wird dann noch mit Moralin getränkt, so dass Stärke mittelbar zu moralischer Schuld pervertiert wird. Harrison Bergeron lässt grüßen...

    Ähm, also für eine 8. Klasse am Gymnasium wäre so eine infantilisierende Simplifizierung fachlicher Selbstmord. Gut, wir sind noch in der Sek I, aber einen gewissen fachlichen Mindestanspruch sollte man schon wahren, oder?

    Dann müsstest Du auch das Vorwissen der Schüler einbeziehen bzw. antizipieren. Dass ein historisch interessierter Schüler die Quelle kennt, ist kein Grund, sie nicht zu verwenden. In diesem Fall könntest Du sogar Dein Lehrerverhalten bei Schülern mit Wissensvorsprung positiv zeigen...
    Was ist denn aus Deiner Sicht ein "spannender Einstieg"? Bildimpuls? Stummer Impuls? Film? Szenisches Spiel?

    Ich würde mich von dem "spannend" ganz schnell wieder lösen, weil das Thema in meinen Augen längst nicht so spannend ist.

    Hallo,

    Du kannst die Karikatur nehmen, in der beide Länder als Männer dargestellt werden, die vor lauter Spielzeugschiffen in den Armen sich nicht die Hände zum Frieden reichen können.

    Ich würde das Flottenrüsten aber nicht als den einzigen Grund für den Konfikt anführen sondern ggf. weitere Gründe noch hinzuziehen.

    Dann muss im Gespräch mit den Kollegen deutlich werden, dass das keine Bestrafung oder Geringschätzung ihrer Arbeit ist sonder im Gegenteil ein Versuch, die Kollegen zu entlasten und so die Gesundheitsfürsorge, die Du als Schulleitung hast, auch aktiv wahrzunehmen.

    Es ist letztlich eine Güterabwägung zwischen dem Wohl der Schule und dem eigenen Wohl - hier der psychischen und physischen Gesundheit.
    Bei mir hat es 12 Jahre gedauert, bis ich mich von meiner Schule sozusagen "entliebt" habe. Herzblut bringe ich in meine eigenen Projekte ein, ansonsten habe ich vor allem emotional und zum Teil auch was die Zusatzaufgaben angeht, abgespeckt.

    Würden alle Kollegen an Deiner Schule so handeln, würde sich das natürlich spürbar bemerkbar machen. Bevor es dann ggf. zum Super-GAU kommt, würde ich mit dem Lehrerrat und dem Personalrat ein Gespräch mit der Schulleitung und ggf. auch mit der Schulaufsicht führen. So ein Problem muss offensiv angegangen werden.

    Ich habe durch während meiner Dienstzeit "erworbene" chronische Erkrankungen auf die harte Tour lernen müssen, dass keine Schule und keine strahlenden Kinderaugen (außer denen meiner eigenen Kinder) ein Zugrunderichten meinerseits rechtfertigen.

    Das kann eigentlich keiner so pauschal aus der Ferne beurteilen - und falls doch allenfalls anhand von Einzelfällen.
    Weder ADHS noch Depressionen sind per se Ausschlussgründe für eine Verbeamtung. Beides ist behandelbar, wenngleich nicht immer kurierbar. Insofern kann man hier keine verbindlichen und zuverlässigen Aussagen treffen.

    Würde hier ein Amtsarzt mitschreiben, könnte er/sie sicherlich dazu etwas Substantielles beitragen. So bleibt es letztlich bei Individualbeobachtungen, die letztlich aber nicht mehr weit von bloßen Spekulationen entfernt sind.

    @Trapito

    Den Grund dafür, dass das relativ wenig Menschen so machen wie von Dir beschrieben, lieferst Du doch selbst.

    Anstand, Moral, Gewissen.

    Hinzukommt sicherlich noch, dass man nicht 30 Jahre lang Freunde, Familie, Ärzte und Kollegen anlügen möchte (oder es überhaupt überzeugend hinbekommt).
    Bei dauerhafter Dienstunfähigkeit ist man ja auch nicht berufsunfähig. Man müsste also auch noch zusätzlich darlegen, wieso man denn für überhaupt keine andere Tätigkeit infrage kommt.
    Ich glaube, dass es eine Menge Energie kostet, ein solches Lügenkonstrukt über Jahre aufrechtzuherhalten und dass die Gefahr enttarnt zu werden so groß ist, dass man, sofern man überhaupt solche Gedanken hegt, sich das in der Regel nicht traut.

    Ausnahmen bestätigen leider die Regel - so einen Kollegen hatten wir auch mal. Der hat dann aber gegen die vorzeitige Pensionierung geklagt. Es ist womöglich sogar leichter, alle drei Monate zum Arzt zu gehen und sich ein Attest zu holen - und das eben die nächsten 30 Jahre - als wie von Dir beschrieben vorzugehen.

    Glücklicherweise denken und handeln die allerwenigsten Menschen so. Und das ist gut so.

    @Mikael

    Ich würde noch einen Schritt weitergehen.
    Die Idee hinter Deinem Vorschlag ist vom Grundsatz her ja die Zweckbindung des KGs. Warum können wir das KG nicht komplett streichen und stattdessen echte soziale Vergünstigungen für alle Kinder schaffen?

    Stichwort Schulmaterial, Schulessen, Klassenfahrten, ggf. auch Schulkleidung. Mit über 2000 Euro KG pro Kind pro Jahr ließe sich eine Menge zum Wohle des Kindes finanzieren. Das wäre dann echtes Kindergeld und nicht ein Betrag, der auf den Konten der Eltern mit dem sonstigen Guthaben (oder den Schulden) verschmilzt.

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