Beiträge von Bolzbold

    Also nochmal zum Thema "political correctness".

    Mein Verständnis zu diesem Thema ist folgendes:

    Die Verwendung beschönigender Begriffe, um einen peiorativen Begriff oder ein Begriff mit negativen Konnotationen zu vermeiden, obwohl man es ebenso "negativ" meint, ist heuchlerisch, wenngleich im ersten Moment auch weniger verletzend.

    Aus meiner Sicht hat das aber nichts mit PC zu tun sondern mit Taktgefühl und Einfühlungsvermögen. Wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber hat ein Problem mit seinem "Dicksein", dann spreche ich ihn/sie auch nicht notwendigerweise darauf an.

    Für mich fallen unter PC eigentlich ganz andere Dinge, die ich anhand einiger amerikanischer Begriffe erläutern möchte:

    Es ist in den USA mittlerweile ok zu sagen "Black", wenn man einen Amerikaner afrikanischer Herkunft meint.
    Die pc Variante wäre: "Afro-American"
    Diese habe ich damals, als ich Austauschschüler in den USA war, auch häufiger gehört.
    Es ist in den USA ebenfalls pc zu sagen "White", wenn man einen Amerikaner europäischer Herkunft meint.
    Die pc Variante wäre: "Anglo-American"

    Ebenso gibt es die "Asian-Americans", die "Native-Americans" und die "Hispanics".

    Bis auf den letzten Begriff haben alle Begriffe eines gemeinsam: Sie betonen die genetische Herkunft und die nationale Zugehörigkeit gleichermaßen ohne zu werten.
    Das verstehe ich unter political correctness.
    Natürlich kann man immer "Nigger" denken, wenn man von "Afro-Americans" spricht, jedoch scheint der pc-Begriff nicht sofort negative Reaktionen hervorzurufen.

    Kommen wir noch einmal auf Bezeichnungen für Dicke zurück:
    Wir haben für "Dicke" auch Begriffe wie "vollschlank", "mollig", "XXL", "ein paar Kilo zuviel", "Rubensdame", "üppig" etc.
    Alle haben sie aber eines gemeinsam. Sie beziehen sich auf die Körperfülle eines Menschen.
    Hier schlage ich den Bogen zur Metakommunikation, die stattfinden muss, wenn man miteinander kommuniziert. Falls hier Sender und Empfänger zu unterschiedliche Ansichten haben und auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, ist die Wortwahl im Grunde unerheblich.

    Gruß
    Bolzbold

    Liebe Powerflower!

    Beim Wort "behindert" würde ich Dir zustimmen, weil dies aber auch als Schimpfwort unter Jugendlichen verwendet wird ("ey bist Du behindert oder was?") und damit keinen neutral beschreibenden Charakter mehr hat.

    Wenn wir aber mal ehrlich sind, heucheln wir doch politische Korrektheit, wenn wir "kräftig gebaut" sagen und im Endeffekt aber "dick" oder gar "fett" meinen.
    Und es ist auch naiv zu glauben, dass eine "kräftig gebaute" Person sich dann nicht verletzt fühlen wird, wenn man statt "dick" eben "kräftig gebaut" sagt.

    Ich bin der Meinung, dass das weniger eine Frage der Wortwahl ist als eine Frage, welche tatsächliche Aussage sich hinter der Wortwahl verbirgt und wie der Angesprochene selbst dazu steht.

    Eine Person, die mit ihrem Dicksein selbstbewusst umgeht, wird keine Probleme haben, wenn man sie als "Dicke" bezeichnet.
    Eine Person, die damit erhebliche Probleme hat, wird sich so oder so verletzt fühlen, weil "kräftig gebaut" eben im Endeffekt auch auf ihren Körperumfang abzielt und nichts anderes. Und wenn diese Person sich immer dann verletzt fühlt, wenn man in irgendeiner Form auf ihr Äußeres Bezug nimmt, ist die Wortwahl im Grunde wurscht. Da wäre "dick" vielleicht sogar ehrlicher.

    Politische Korrektheit ist schön und gut - aber sie wird zur absoluten Farce, wenn die tatsächliche Botschaft so oder so "dick" im peiorativen Sinne lautet.

    Wie oft ist es so, dass man beispielsweise einem unattraktiven Mann/ einer unattraktiven Frau versucht in blumiger Sprache zu sagen, dass er/sie eben unattraktiv ist? Und wie oft bemüht man sich dabei die Person nicht zu verletzen, tut aber eben genau DAS, weil man durch diese blumige Sprache nicht offen und ehrlich das sagt, was man eigentlich denkt.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    row-k schrieb am 13.05.2006 19:09:
    Und was denkst Du über die übertrieben vorsichtige Wortwahl (siehe weiter oben)? Sollte man in diesem Falle nicht toleranter sein? Sicher meint es niemand böse, wenn er (bei dem Beispiel von weiter oben bleibend) die "Dicke" statt "Korpulente" oder "stärker Gebaute" sagt.

    Da trifft meine These doch voll zu. Die Intention des Schreibers, der "dick" geschrieben hat, war - das wissen wir ja jetzt - niemals, dieses Mädchen zu diffamieren.
    Einige andere haben sich aber an der Wortwahl gestört - somit die klassische Diskrepanz zwischen Intention und Rezeption.

    Was beide Seiten aber lernen müssen, ist, über den Tellerrand zu schauen und sich zu fragen, ob man eine Aussage nur so verstehen kann, wie man sie selbst verstanden hat oder ob man sie auch anders verstehen kann.
    Wenn man hier nur auf seinem Standpunkt beharrt und das als Ausgangspunkt für seine Kritik am fremden Standpunkt macht, sind die Chancen auf eine Einigung oder ein fruchtbares, konstruktives Ergebnis eher gering.

    Zitat


    Viele Diskussionen sterben (durch Schließung wegen Streits) an solchen Kleinigkeiten, die aufgebauscht werden, um den Diskussionspartner daran festzunageln, dass er ein "falsches", dafür aber treffendes, Wort gebrauchte.

    Das ist leider so. Selektives Lesen bzw. selektive Wahrnehmung spielt da eine sehr große Rolle.

    Zitat


    Können wir die Ausgangsfrage nun abwandeln, indem wir uns über Toleranz gegenüber "falscher" Worte weiter unterhalten oder sollten wir doch noch mehr über Gesprächs-Absichten und Verständnis der Nachricht an sich sprechen?

    Beides würde wieder in die oben bereits geführte Diskussion münden, wenn die Diskussionspartner nicht auch ihren Standpunkt reflektieren bzw. sich weigern das zu tun. Daher drehen wir uns in vielen Diskussionen im Kreis.

    Im Grunde müssten Sender und Empfänger die Verständnismodalitäten ihrer Botschaften während ihrer Kommunikation sozusagen meta-kommunikativ aushandeln und auf dieser Basis dann weiterkommunizieren oder aber es sein lassen, wenn es zu keinem Verhandlungsergebnis kommt. Wenn das nicht geschieht, passiert das, was wir in zahlreichen Threads schon erlebt haben - man geht sich verbal an die Gurgel.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    row-k schrieb am 13.05.2006 17:34:
    @alle:
    Das "Erziehen" gefällt mir nicht recht. Meine Absicht (Intention) war es, dass wir hier -jeder für sich- eine EINSICHT bekommen, woran es liegt, dass sich das Klima verschlechterte.
    Dabei "erziehen" wir uns selbst -jeder für sich, denn wir arbeiten an uns -wieder jeder für sich. So meine Absicht bzw. mein Ziel.

    Nehmen wir das einmal so, wie Du es gesagt hast.
    Dann gäbe es demzufolge also eine nicht unerhebliche Diskrepanz zwischen Deiner Intention und der Rezeption vieler Leser.
    Es gibt Leute, die behaupten, eine Botschaft sei ausschließlich das, was der Empfänger daraus mache. Beispiele davon hatten wir vor langer Zeit intensiv in diesem Forum.
    Wenn Intention und Rezeption nicht zusammenpassen, ist per se erst einmal niemand "schuld" oder alleine verantwortlich.
    Derartige Probleme in der Kommunikation ergeben sich aus den unterschiedlichen "Weltbildern" der Kommunikationspartner.

    Ich kann mich Stefan nur anschließen, dass eine Diskussion - in diesem Fall auch über Kommunikation - also Metakommunikation - nur dann fruchtbar ist, wenn man nicht nur den fremden Standpunkt hinterfragt sondern auch seinen eigenen.
    Das Ergebnis mag am Ende zwar dasselbe sein, doch basiert es dann auf der Auseinandersetzung mit beiden Standpunkten und nicht nur auf dem Beharren des eigegen und dem Kritisieren des fremden Standpunktes.

    Ist das nicht etwas, was wir Pädagogen unseren Schülern vermitteln sollen und wollen - Kritisches Hinterfragen der eigenen und der fremden Position?
    Die hinter den Begriffen stehende Theorie des interkulturellen Lernens und der interkulturellen Kompetenz zielen genau darauf ab.

    Fassen wir also zusammen:
    In einer Diskussion um gegensätliche Standpunkte geht es also - wie Stefan und andere schon sagten - nicht nur um die Kritik am Fremden sondern auch um die Selbstreflexion.

    Gruß
    Bolzbold

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    Liebe User!

    Offenbar geht es wieder einmal nicht darum sachlich zu diskutieren sondern sich zu bekriegen.
    Ich werde diesen Thread jetzt schließen - nicht weil ich nicht Melos Antwort abwarten will sondern weil das hier nichts bringt.
    Es steht Melo als Moderatorin jederzeit frei, den Thread wieder zu öffnen und sich zu äußern und dann den Thread ggf. offen zu lassen, damit darauf geantwortet werden kann.

    Bis dahin komme ich meiner Moderatorenpflicht nach und beende diese Auseinandersetzung in diesem Thread.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Janejane schrieb am 10.05.2006 18:57:
    8o ......das ist für jemanden, der Eltern vertritt und auf Kommunikationsbereitschaft angewiesen ist - hartes Brot.

    Wie löst man soetwas?

    lg Jane ?(

    Liebe Jane, da gibt es nicht viel zu lösen. An meiner Schule habe weder ich ein Problem mit Eltern noch haben Eltern ein Problem mit mir. Ganz im Gegenteil - sowohl Kommunikation als auch Kooperation funktionieren reibungslos.

    Es gibt Leute, die schließen vom Verhalten eines Users in diesem Forum auf sein generelles Verhalten außerhalb des Forums. Das mögen sie tun. Ich würde es als vermessen bezeichnen.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Enja schrieb am 10.05.2006 18:29:
    Tja. Das ist es doch: Du unterstellst mir, ich hätte meine Erfahrungen nicht gemacht, sondern erfunden. Dann ist doch Ende Gelände, oder?

    Vielleicht solltest du dich in solchen Fällen dann gar nicht mehr äußern, statt verletzend zu werden. Immerhin kannst du nur vermuten, dass das, was ich schreibe frei erfunden ist. Du gehst das Risiko ein, dich über Kinder lustig zu machen, die eh genug unter Schule und Lehrern zu leiden hatten.

    Wissen kann man das im Internet nie, inwieweit das, was da geschrieben wird, auch der Wirklichkeit entspricht.

    Grüße Enja

    Nein, liebe Enja, Du irrst.

    Das Problem liegt wo ganz anders.
    Offenbar verstehst Du aus meinen Postings nur das, was Du verstehen willst.
    Und erneut schiebst Du es in die Richtung, dass man sich über Kinder lustig macht - mittlerweile eine stumpfe Waffe.

    Und ja, ich sollte mich nicht mehr zu Dir äußern - aber nicht, weil ich verletzend werden könnte sondern weil ich mit dem, was ich Dir sagen möchte, offenbar nicht zu Dir durchdringe. Das mag sicherlich auch anteilig an mir liegen - die Konsequenz, die ich daraus ziehe, ist, dass ich es hiermit künftig bleiben lassen werde und in diesem Punkt konsequenter sein werde.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Enja schrieb am 09.05.2006 23:18:
    "Wenn hier mehrere User Deine Erfahrungen in Frage stellen oder sich darüber lustig machen, ist es sicherlich einfach, das mit charakterlichen Defiziten dieser User zu begründen. Mich würde interessieren, wo Du Deinen Anteil an diesem Problem siehst. "

    Was soll das? Charakterliche Defizite irgendwelcher User (tolles Wort) habe ich nie zur Erklärung herangezogen. Meine Frage war: Warum macht man sich über das Leid meiner Kinder lustig und bezweifelt meine Erfahrungen?

    Meinen Anteil an diesem Mechanismus kann ich nicht erkennen und bitte deshalb um Erklärung.

    Grüße Enja

    Obwohl Du mir die Antwort auf meine Frage bislang noch schuldig geblieben bist,
    versuche ich mal Deine zu beantworten.

    a) Es geht hier niemandem darum, sich über das Leid Deiner Kinder lustig zu machen.
    b) Ja, ab und an machen wir uns über Deine Erfahrungen lustig und zweifeln sie mitunter auch an.
    c) Dies geschieht deswegen, liebe Enja, weil es Zeiten gab, wo Du meintest, in fast jedem Thread Deinen Senf hinzugeben zu müssen und immer aus Deiner eigenen umfangreichen Erfahrung berichten musstest. Welche Eventualität es auch immer war, stets konntest Du aus eigener Erfahrung berichten.
    Das klang irgendwann unglaubwürdig und teilweise an den Haaren herbeigezogen - so kam es bei mehreren Usern an.
    Daher kann man anhand Deiner Postings zugegebenermaßen etwas sarkastisch auf die Idee kommen, Du hättest beispielsweise 140 Kinder, würdest 2000 Lehrer und Schulen kennen etc.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Anke schrieb am 09.05.2006 18:02:
    hallo row-ki,

    ich glaube es ist schwer auf einen Nenner zu kommen, wenn von Äpfeln und Birnen gesprochen wird. eine Mischung aus beiden hat noch nie zusammen an einem baum gehangen. ich glaube so manch einer hier im forum kann und will dich einfach nicht verstehen. Es ist schade so engstirnig zu denken, aber tollerant ist immer nur der, der auch andere meinungen zulässt- leider sind davon im moment nur sehr wenige vorhanden.-SCHADE

    Mit freundlichen Grüßen

    Anke

    Liebe Anke,

    ich würde behaupten wollen, dass da ein kleiner logischer Fehler vorliegt.
    Wir tolerieren rowis Meinung durchaus, aber das heißt nicht, dass seine Argumente uns zu einer anderen Entscheidung bewegen müssen. (Vgl. Erkenntnisthread)

    Dein Vorwurf ist somit weitgehend unbegründet.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Enja schrieb am 09.05.2006 14:07:
    Welchen Beitrag ich dazu leiste, dass ich es verdient habe, dass man sich über das Leid meiner Kinder lustig macht, hätte ich gern noch präziser. Vielleicht auch mit Zitaten entsprechender Threads.

    Grüße Enja

    Liebe Enja!

    Was mich an dieser Frage von Dir stört, ist der Kontext, in dem Du sie stellst. Ursprünglich ging es um die Frage, warum man sich über das eine oder andere, was Du schreibst, lustig macht und nicht konkret um das Leid Deiner Kinder.
    Ich finde es sehr armselig, dass Du nicht auf die eigentliche Frage eingehst sondern das jetzt in einen Kontext rückst, wo Du moralischen Druck aufbaust und Dich dahinter verschanzt.
    Ich wiederhole die ursprüngliche Frage und klammere hier das Leid Deiner Kinder ausdrücklich aus.
    Hast Du Dir einmal überlegt, was Dein Beitrag daran gewesen sein könnte, dass man sich hier über einige Deiner Statements lustig macht?

    Jetzt mal bitte Butter bei die Fische!

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Enja schrieb am 09.05.2006 11:25:
    Dass Eltern, wenn sie ihre Erfahrungen berichten, von den Lehrern ihrer Kinder ausgehen, ist eigentlich klar. Die Formulierung bringt also wenig Neues. Interessanter wäre es zu wissen, wieviele das sind. Die einzige Lehrerin des einzigen Kindes aus der Grundschule zum Beispiel. Bei uns sind es zum Beispiel inzwischen 140. Dass man dann doch langsam anfängt, allgemeinere Schlüsse zu ziehen, ist hoffentlich nachvollziehbar.

    Liebe Enja,

    Du beschreibst nichts Klares sondern eine AUSLEGUNG der jeweiligen Aussage. Wenn Du sie für Dich immer so auslegst, ist das schön und gut.
    Um aber Missverständnisse, sofern sie nicht provoziert werden sollen, zu vermeiden, sollte man sich einer präzisen Ausrucksweise bemühen. Damit ließe sich einiges vermeiden.

    Dass Du für Dich immer eine ausreichende Legitimation findest für das, was Du schreibst, wissen wir bereits - damit sagst Du mir somit auch nichts Neues.

    Zitat


    Schwierig finde ich es, wenn Erfahrungen in Frage gestellt werden. Oder man sich gar drüber lustig macht.

    Das kann man sicherlich kritisieren. Man könnte aber auch einmal einen Blick in den Spiegel riskieren und sich fragen, ob das nicht möglicherweise an einem selber liegt.
    Wenn hier mehrere User Deine Erfahrungen in Frage stellen oder sich darüber lustig machen, ist es sicherlich einfach, das mit charakterlichen Defiziten dieser User zu begründen. Mich würde interessieren, wo Du Deinen Anteil an diesem Problem siehst.

    Zitat


    Für die andere Seite gilt übrigens das Gleiche. Überwiegend berichten auch die Lehrer von gemachten Erfahrungen. Wie breit die sind, weiß man nicht.

    Dann zeig mir mal die Threads, wo wir Lehrer über "die Schüler" schreiben und pauschal alle Schüler verteufeln oder meinen "den gemeinen Schüler" als Spezies in- und auswendig zu kennen.
    Zeig mir als Gegenprobe die Threads, wo über "die Lehrer" geschrieben wird (Du könntest bei Deinen eigenen anfangen).

    Du kannst es Dir letztlich aber auch sparen - die Zahl ersterer wird deutlich unter der letzterer liegen - und das obwohl wir ein LEHRERforum sind.

    Vielleicht sollte das auch einmal zu denken geben.

    Gruß
    Bolzbold

    Edit: Tippfehler

    Hallo Sonia!

    Da die Promotion bzw. der Doktorgrad allenfalls etwas über Deine wissenschaftliche Qualifikation aussagt, nutzt Dir das für das Referendariat und die spätere Anstellung an einer Schule wenig - es sei denn Du hast Schulleiter o.ä., die sich davon beeindrucken lassen.
    Als Lehrer musst Du sehr oft wissenschaftliche Themen drastisch didaktisch reduzieren, damit die Schüler sie verstehen und nicht überfordert werden.
    Es stellt sich die Frage, wieso man sich erst auf hohem wissenschaftlichen Niveau mit einer Sache auseinandersetzen sollte, um dann auf dem völlig entgegengesetzen Niveau weiterzumachen.

    Andererseits: Mit 24 bist Du noch extremst jung und wärest dann mit 25 gerade einmal 6 Jahre älter als die Abiturienten. Es empfiehlt sich vor dem Gang in die Schule sicherlich einmal einen Blick nach rechts und nach links zu riskieren - beispielsweise durch eine Promotion, einen Auslandsaufenthalt etc.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Janejane schrieb am 09.05.2006 09:20:
    Wenn ich dann die Deutung über meine Erfahrung in Form einer kritischen Frage stelle, erwarte ich nicht zwangsläufig zustimmendes Kopfnicken aller, aber doch soviel Respekt zu meiner Erfahrung, wie ich mich bemühe Respekt vor der Gegenmeinung zu haben.
    Kommt man sich dann dabei näher, ist schon ein grosser Schritt gemacht und auch ein Stük "mehr Erkenntnis" gewonnen.
    lg Jane

    Liebe Jane,

    da hast Du erneut völlig Recht.
    Die Frage ist aber, wie man seine persönliche Erkenntnis darstellt. Im Klartext geht es also im Wesentlichen um sprachliche Präzisierung selbiger.

    Wenn jemand basierend auf seiner Erfahrung sagen möchte, dass die Lehrer, die er persönlich kennengelernt hat, allesamt schlecht waren, dann sollte er nicht schreiben "die Lehrer" und damit, sei es gewollt oder ungewollt, verallgemeinern.
    Vielmehr wäre es korrekter zu schreiben: "Aus meiner persönlichen Erfahrung mit Lehrern kann ich sagen, dass..."

    Damit wäre die Kernaussage immer noch dieselbe, jedoch würden wir von den Pauschalisierungen wegkommen, die vielen Lehrern hier - mich eingeschlossen - auf den Geist gehen.
    Das würde sicherlich auch eine höhere Akzeptanz der eigentlichen Aussage zur Folge haben, was sich wiederum in einer wahrscheinlich gepflegteren Diskussionskultur niederschlagen würde.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Anke schrieb am 08.05.2006 21:09:
    Lieber Bolzbold, du fühlst dich doch wohl hoffentlich hier von keinem angegriffen oder habe ich deinen letzten Beitrag falsch interpretiert?

    Mit freundlichen Grüßen

    Anke

    Nein, ich fühle mich von keinem hier angegriffen. Ich habe nur anhand zweier hoffentlich deutlicher Beispiele versucht zu erklären, was ich meine.

    Wie gesagt: Ich bin immer nur soweit angreifbar, wie ich es selbst zulasse.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    row-k schrieb am 08.05.2006 17:16:
    Mir ist das egal, lieber Bolzbold. Ich frage immer, denn ich weiß ja nicht, ob er mich schon durch Mitlesen kennt, ohne dass ich ihn kenne.

    Nun, dann halten wir es offenbar unterschiedlich.
    Ich würde mir nicht anmaßen zu behaupten, ich kenne jemanden, dadurch dass ich hier im Forum Beiträge von ihm/ihr gelesen habe.
    Wer das dennoch behauptet und daraus verallgemeinernd schlussfolgert, soll das tun, das juckt mich wenig.
    Man ist immer nur in dem Maße angreifbar oder kritisierbar wie man es zulässt.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Janejane schrieb am 08.05.2006 16:48:
    Lieber Bolzold

    Jetzt musst Du mir bitte ein Beispiel geben.
    ich kann doch nur aus meiner Sicht heraus diskutieren. 8o
    oder stellst Du etwa den Anspruch, eine wissenschaftliche Synthese herzustellen?
    lg Jane

    Darum geht es mir doch gar nicht.

    Wenn Du mir sagst a) "Dein Unterricht ist schlecht, weil dieses oder jenes Material ungeschickt ausgesucht war, weil das Zeitmanagement schlecht war (nicht fertig geworden), weil das methodische Vorgehen schlecht war",
    dann kann ich damit ganz gut umgehen und hätte auch kein Problem damit, mit Dir zu diskutieren.

    Wenn Du mir sagst b) "Dein Unterricht war schlecht, weil ich denke, das Du ein eingebildeter, arroganter Fachidiot bist",
    dann würde ich das zwar als Deine Meinung gelten lassen, jedoch wäre mir in dem Moment sicherlich nicht mehr danach, mit Dir zu diskutieren.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Janejane schrieb am 08.05.2006 16:38:
    Empirie ist ja nichts anderes als "auf Erfahrung beruhende Erkenntnis".

    Du bezeichnest jetzt pauschal die auf Erfahrung beruhende Erkenntnis von Eltern im Umgang mit der Schule als Vorurteil. Fragen, die hier von Eltern diskutiert
    werden in diesem Forum, gehen doch fast zu 100% auf deren Erfahrung mit Schule zurück. Oder habe ich da jetzt einen Denkfehler? ?(

    lg Jane

    Im Prinzip hast Du da Recht.
    Die Frage ist aber jetzt, ob die "Stichprobe", die Du als Mutter sozusagen aus Deiner Erfahrung mit Schule hast, induktiv als Allgemeinaussage über Schule verwendet werden kann. ("Wenn das für meine Schule gilt, gilt das für alle Schulen X auch").

    Deine Erfahrung mit Schule und die daraus resultierenden Erkenntnisse kann Dir niemand nehmen und will Dir auch keiner ausreden.

    Was hier aber zu oft passiert (damit meine ich nicht explizit Dich), ist, dass individuelle Erkenntnisse für allgemeingültig erklärt werden und angeblich für viele andere Fälle auch gelten. Da liegt der Knackpunkt.

    Gruß
    Bolzbold

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