Beiträge von Bolzbold

    Im Politikunterricht lassen wir unsere Schüler immer auf den Wahl-O-Mat los. Darin sind ja die Wahlprogramme „verarbeitet“. In der Folge sollen die Schüler dann die Wahlempfehlung der Seite auf einen Zettel schreiben und wir machen eine anonyme Auszählung der Empfehlungen. Im Ergebnis landen wir da allerdings immer bei 60-85% für die AfD.

    Sobald man in Ansätzen migrationskritisch ist, landet man dort. Das ist mir auch schon passiert und ich habe dann geschaut, woran das konkret lag.

    Kleines Gedankenexperiment: Würdet ihr für deutlich weniger Geld trotzdem als Lehrkraft arbeiten, weil ihr Spaß daran habt?

    Zweites Gedankenexperiment: Würdet ihr weiterhin mit vollem Deputat bei gleicher Besoldung (sagen wir mal A13) arbeiten, selbst wenn ihr Millionen erben/im Lotto gewinnen würdet?

    Ich kann beide Fragen ganz klar mit nein beantworten. Dieser Job ist zwar in Ordnung und einen anderen Job möchte ich nicht, da dieser am ehesten zu mir passt. Aber wäre ich nicht auf das Geld angewiesen, wäre ich hier raus.

    Ich wäre im Angestelltenstatus kein Lehrer geworden. (Also nein.)

    Würde ich entsprechend viel Geld erben, dann würde eine Weile erst einmal weiterarbeiten und währenddessen überlegen, ob ich den Beruf an den Nagel hänge. Ich tendiere zu "nein", d.h. ich würde dann nicht als Lehrer weiterarbeiten wollen, weil ich dann vermutlich wieder exklusiv im Bereich Musik arbeiten wollen würde. (Ggf. eine eigene Musikschule eröffnen oder so etwas...)

    Nochmal zur Anerkennung:

    Wenn ich weiß, dass ich als Lehrkraft arbeiten möchte, dann habe ich lange im Voraus die Möglichkeiten, mich über "Anerkennungs-", Aufstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten zu informieren. Das Ganze ist leichter als noch vor 25 Jahren im Netz zu finden.

    Dass es keine gesellschaftliche und keine monetäre Anerkennung gibt, kann man im Voraus wissen. Dass die Anerkennung - zumindest als verbeamtete Lehrkraft - die lebenslange Alimentation ist, sollte man sich stets vor Augen halten.
    Meine Frau und ich haben uns in den letzten 18 Jahren nie Sorgen um unsere Zukunft machen müssen. Gegenüber manchen Branchen in der freien Wirtschaft wäre das blanker Hohn, dies nicht ausreichend wertschätzen zu können.

    Ab dem Zeitpunkt, wo ich mich nicht mehr gesehen gefühlt habe bzw. die Anerkennung ausblieb, habe mich aktiv und erfolgreich um eine Veränderung bemüht. Diese mündete in beruflicher Anerkennung sowie einer Beförderung. Und wenn ich wieder an einen Punkt kommen sollte, an dem ich mir sage, so geht es nicht weiter, dann werde ich mich erneut um eine Veränderung bemühen.

    Beförderungen bedeuten in der freien Wirtschaft mitunter auch einen Wechsel in eine andere Abteilung. Wie viele KollegInnen, die sich nicht anerkannt, befördert oder was auch immer sehen, haben denn den Mut, die Schule zu wechseln? Bevor ich meine erste Schule verlassen habe, waren das die allerwenigsten. Im Anschluss daran haben die Unzufriedenen zumindest Versetzungsanträge gestellt. Beförderungen mit Versetzung waren hingegen nie der Fall.

    Es bringt also nichts, sich über mangelnde Anerkennung zu beklagen oder zu lamentieren, dass sich Anstrengung nicht lohnen würde.
    Auf der Basis der bisherigen Beiträge kann man ganz klar sagen, dass sie sich lohnt (oder ggf. nicht) - abhängig davon, wie ich diesen Lohn für mich definiere und wie flexibel ich selbst dabei bin.

    Anstrengung in Form von Leistungssteigerung lohnt sich als verbeamtete Lehrkraft einfach sowas von überhaupt nicht. In der Wirtschaft bekomme ich Boni und Beförderungen wohingegen ich weder Boni bekomme noch eine Beförderung. Die Beförderung habe ich auf ganz anderem Wege erhalten und genau das stimmt mich sogar missmutig.

    Das ist zu kurz gegriffen. Zum einen gibt es lediglich die Möglichkeit auf Beförderung und/oder Bonus, zum anderen ist das kein Automatismus, denn auch in der freien Wirtschaft gibt es nicht zig Beförderungen - von Boni mal ganz abgesehen.
    Ich stelle mir gerade Teams vor, in denen alle gute Arbeit leisten und nur eine Person befördert werden kann. Das ist doch die Standardfrage in den Karriererubriken in Nachrichtenportalen wie beispielsweise der Zeit.

    Zitat
    Ein Informatikkollege (59J) sagte mir letztens im LZ, dass er es gar nicht einsieht, seine Materialien von 2001 zu überarbeiten, da es ihn unnötig viel Zeit kosten würde und er es nicht honoriert bekommt.

    Das ist die pervertierte Form von Arbeitsverweigerung, dadurch dass man sich in die ach so bequeme Opferrolle flüchtet. Es gehört zu den Dienstpflichten einer jeden Lehrkraft ihren Unterricht auf der Basis der jeweiligen (aktuellen) Voraussetzungen zu planen. Das kann natürlich in bestimmten Bereichen dazu führen, dass man "zeitloses" Material immer wieder verwendet.
    Auf die Idee zu kommen, man würde nur einmal seine Reihen vorbereiten und dann 30 Jahre nichts mehr machen, ist schon eine eigentümliche Ansicht. Leider trägt dieser Kollege zu eben diesem Vorurteil bei. Am Besten steht noch das Originaldatum im Kopf...

    Das Problem fliegt uns bereits um die Ohren. Warum haben denn diese MEdien so eine Macht? Weil die Politiker ihnen die Sendeminuten überlassen, um darin ihre Deutungen zu verbreiten.

    Das sehe ich anders. Dort sitzen RedakteurInnen, die ja ganz bewusst das schreiben, was sie schreiben.
    Dass viele Menschen sich von ihren Bubbles und von selbsternannten Coaches oder InfluencerInnen so manipulieren lassen, ist von der Politik nur mittelbar beeinflussbar. Da müssen die Menschen schon selbst ihre Hirnmasse für das verwenden, wofür sie eigentlich im wahrsten Sinn des Wortes gedacht ist.

    Antisemitismus + Homophobie.

    Homosexuelle Menschen und Juden/Jüdinnen sind in der Regel als solche auf der Straße nicht zu erkennen, es sei denn, sie kleiden sich "stereotyp".

    Das ist bei Menschen mit Migrationsgeschichte anders. Hinzukommt, dass MigrantInnen von wesentlich mehr Menschen als Bedrohung wahrgenommen werden und sich das gesellschaftliche Klima diesbezüglich nicht zum Besseren entwickelt hat.

    Tom, mir fällt keine andere Möglichkeit der Entzauberung ein als "Let 'em take charge and fail trying to do so!".

    Die unmittelbaren Folgen werden sein, dass das ohnehin schon vergiftete politische Klima darin mündet, dass nicht deutsche aussehende Menschen wieder durch die Straßen gejagt werden aus dem Irrglauben, das wäre ja jetzt erlaubt, wenn die AfD einmal irgendwo an der Macht ist.
    Ich lebe zwar in NRW, aber ich habe keine Lust, Opfer einer solchen Denk- und Handlungsweise zu werden.

    Schaut man sich die Kommentare in dem einen oder anderen Nachrichtenportal an, wird mir schlecht - und das hat nichts mit der Ampel-Koalition zu tun.

    Seit Jahren erlebe ich eine intellektuelle Ver(bl)ödung des politischen Diskurses - es ist faszinierend, welch simple Weltbilder man in solchen Kommentarspalten findet und welch scheinbar simple Lösungen es gäbe. Sinngemäß "alle illegalen MigrantInnen raus, alle PolitikerInnen zurücktreten, alle Lehrkräfte nicht mehr verbeamten" etc. pp.

    Wenn die Wahrnehmung der Politik bzw. politischen Handelns oder des Weltgeschehens auf dem Niveau von Youtube, Tiktok oder Instagram erfolgt und diese Medien nun künftig die Menschen beeinflussen, dann haben wir nicht nur bereits ein dickes Problem, sondern das Problem wird uns irgendwann ziemlich heftig um die Ohren fliegen. Das Ganze korreliert ja mit dem insgesamt wahrgenommenen intellektuellen Niveau der Gesellschaft, was wir auch hier im Forum finden, aber eben auch in den PISA-Ergebnissen. Die Trumps, Putins, Orbans, Erdogans und Höckes (weitermachen könnte man bei LePen, Meloni etc.) auf dieser Welt sind klare Beispiele dafür, dass einem ganz erheblichen Teil der Bevölkerung einfache Lösungen, bei denen man selbst nicht mitdenken und -handeln muss und die im Idealfall im eigenen Sinne sind, am liebsten sind. Realitätsverweigerung in einer immer komplexer werdenden Welt.

    Mittlerweile überlege ich, ob es nicht notwendig wäre, die Allmacht der Medien zu begrenzen. Jedes Medium kämpft um sein Überleben und überbietet sich auf unterschiedlichen intellektuellen Niveaus darin, die jeweilige Regierungskoalition runterzuschreiben oder die nächste drohende Apokalypse zu verkünden. Wie steht es um die Klicks und die Werbeeinnahmen äh um die Verantwortung der entsprechenden Medienhäuser? Die Macht von Meta, Google und den anderen Unternehmen bekommen wir tagtäglich zu spüren - sind wir womöglich mittlerweile schon in einer Mediendystopie angekommen, in der große Medienkonzerne letztlich die Weltgeschicke bestimmen und sich gleichzeitig aus jeglicher Verantwortung stehlen können?

    Herrlich. Das ist mal Satire. Und SBZ als "Sonderbewirtschaftungszone" - super Idee.

    Obwohl: Wenn die ganzen ostdeutschen Bundesländer früher oder später faschistisch werden, dann könnten wir auch den "antifaschistischen Schutzwall" wieder aufbauen - der könnte genauso angelegt werden wie der alte, da die Sperrzonen ja schon auf der richtigen Seite lagen. Vor allem trüge er dann seinen Namen ob des neuen Zwecks tatsächlich zu Recht.

    Ich vergleiche das, weil die Linke als SED-Nachfolgepartei auch in Teilen verfassungsfeindlich ist und vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Trotzdem finden es die anderen Parteien aber inzw. in Ordnung mit dieser Partei Koalitionen einzugehen. Bei der AfD hingegen wird ein riesen Bohei gemacht.

    Für mich stehen diese beiden Parteien auf einer Stufe. Wer die Brandmauer zur AfD fordert, darf selber mit den Linken auch nicht koalieren, weder im Bund (noch nicht passiert) noch in den Ländern (sehr wohl passiert)!

    Kann man so sehen. Wir unterhalten uns dann noch einmal, wenn die erste Landesregierung mit AfD-Beteiligung oder ggf. mit absoluter Mehrheit der AfD am Ruder ist...

    Bolzbold Ich habe den Eindruck, dass in Behörden die 41 Stunden Woche besser eingehalten wird als bei vielen Schulleitungen. Aber das weißt du besser als ich.

    Sagen wir so - die 41 Stunden können in der Tat leichter eingehalten werden. Ab der Gruppenleitung aufwärts (B4) ist das jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr der Fall. Das habe ich selbst bei zwei Gruppenleitungen miterlebt.

    Ich finde es für eine normale Lehrkraft angemessen und für die SL einer großen Schule geradezu unverschämt. Und die SL Gehälter unter A16 mehr als skandalös.

    Zum Vergleich:

    In der oberen Schulaufsicht haben die DezernentInnen die Dienstbezeichnungen (Leitende/r) Regierungsschuldirektor/in, sprich Besoldung nach A15/A16.
    In der obersten Schulaufsicht haben die MinisterialrätInnen ein Anfangsgehalt von A16, später dann B2. ReferentInnen in der Regel A15, ganz wenige A16.
    In den vorgesetzten Behörden bekommt man trotz mehr Verantwortung keinen signifikant höheren Sold.

    Zumindest im ÖD geht das Maß an Verantwortung nicht mit der Besoldung einher - das Verrechnen von potenziellen Toten finde ich ziemlich morbide.

    Dass Verantwortung auch ein Kriterium für die Bezahlung einer Tätigkeit sein kann, dürfte hingegen evident sein.

    Auch wenn ich einer AfD-Regierungskoalition auf Landes- wie auf Bundesebene sehr ablehnend gegenüberstehe und ich hier ja auch schon Auswanderungsgedanken geäußert habe, frage ich mich, was eine solche Regierung konkret anders machen würde.
    Am Landes- oder Bundesverfassungsgericht käme eine solche Regierungskoalition auch nicht mal eben so vorbei, wenn Gesetzesvorhaben entsprechenden Charakter haben.
    Viel mehr Sorgen müsste man sich in den ostdeutschen Bundesländern machen, was das gesellschaftliche Klima hinsichtlich des Umgangs mit Minderheiten betrifft oder mit Leuten, die eben faktenbasiert und nicht verschwurbelt denken. Dann bekommen wir vom Prinzip her vergleichbare Verhältnisse wie in den USA. (Die Entwicklung in den USA ist für mich gesellschaftlich vor diesem Hintergrund der absolute Super-GAU.)

    Wenn Politik immer mehr in die Richtung des berühmten Pippi-Langstrumpf-Liedes abdriftet ("ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt" [ganz abseits von Fakten]), findet das natürlich auch auf Bevölkerungsebene NachahmerInnen.

    Ich habe ja in den letzten 20 Jahren nun sowohl die Mitarbeitenden der Kultusbürokratie wie auch mehrere Schulleitungen kennenlernen dürfen.
    Wenn wir die Situation nüchtern betrachten, dann ist die Besoldungsgruppe A16 gemessen an der Verantwortung, die man für ein System mit an die 1.500 Personen oder mehr trägt, augenscheinlich bescheiden bemessen.
    Das Schulleitungsteam an meiner aktuellen Schule ist weder profilneurotisch noch anderweitig "auffällig". Wobei, auffällig sind ihre professionellen und gleichzeitig unglaublich wertschätzenden Umgangsformen und ihr Führungsstil. Das kannte ich bisher in dieser Form so gar nicht.
    Auch in der Kultusbürokratie habe ich sehr kompetente und wertschätzende Menschen kennenlernen dürfen. Was hier zu dem Eindruck beiträgt, dass die sich nur ihre Hintern plattsitzen, ist wie so oft das Primat der Politik - und Politik folgt eben anderen Motiven als dem der Sache.

    Rein finanziell lohnt sich ein Aufstieg nach A16 tatsächlich nicht - das sieht auch meine Schulleitung so. Aber sie "brennt" dafür - das hat sie klar zum Ausdruck gebracht. Und das spürt man an jedem einzelnen Tag. Dennoch hat sie Hobbys und ein eigenes Privatleben - und sie wirkt alles andere als überlastet. Hier sitzen die richtigen Leute an der richtigen Stelle.

    Profilneurotiker, Narzissten und andere psychisch auffällige Personen finden wir übrigens nicht minder häufig in den Führungsetagen in der freien Wirtschaft. Dort richten sie mitunter ganz erheblichen ökonomischen Schaden an, um sich dann im Extremfall in jahrelangen Wirtschaftsprozessen verteidigt von zig Staranwälten mit einem Deal mit der Staatsanwaltschaft freizukaufen oder gar mangels handfester Beweist freigesprochen zu werden.
    Im Onlineauftritt der Zeit findet sich eine Vielzahl an Artikeln, die sich mit dieser Thematik beschäftigt.
    Macht lockt manche Persönlichkeitstypen an wie das Licht die Motten. Das gibt es überall. In der Politik, in der Wirtschaft und natürlich auch im Schulsystem.

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