Die Politik behauptet, dass in den letzten Monaten zu wenig Unterricht stattgefunden hat, dass SuS viele Defizite angehäuft haben.
Was hat in den letzten Monaten nicht (oder sehr stark reduziert) stattgefunden?
- Klassenfahrten und Austauschbegegnungen
- Wandertage und andere Exkursionen
- Betriebspraktika
- Projektwochen, Schulfeste, Schulkonzerte, Generalproben, Theaterbesuche, Besuche/Vorträge von externen Experten, Erste Hilfe Kurse für SuS, Weihnachtsfeiern, Faschingsfeiern in den Klassen, Singen und Kuchen für Geburtstagskinder, .... und noch vieles mehr
- Fortbildungen der Lehrkräfte (nur noch online, ohne Anfahrtszeiten, damit fast immer ausschließlich am Nachmittag oder Wochenende)
- krankheitsbedingtes Fehlen der Lehrkräfte (von zu Hause aus macht man eine Videokonferenz auch, wenn man sich kaum auf den Beinen halten kann)
Was hat in den letzten Monaten stattgefunden?
- Unterricht
- in Präsenz oder Distanz oder hybrid
- individuelle Betreuung der SuS (persönliche Rückmeldungen zu abgegebenen Aufgaben, wöchentliche Telefonate mit jedem Schüler, Betreuung über den Unterricht hinaus, ...)
Was Politiker nicht wissen:
- Dass nie 100% der verfügbaren Stunden "verplant" werden (nicht nur wegen der vielfältigen oben beispielhaft genannten Aktivitäten, sondern auch, weil man hier und da vielleicht mit Klassen eine interessierte (nicht unbedingt im Lehrplan vorgeschriebene) Vertiefung bei dem einen oder anderen Thema durchführen kann.
- Dass SuS in ganz vielen Fächern in vielen Themenbereichen exemplarisch lernen. Da kann auch mal ein Beispiel "wegfallen" und trotzdem noch wird ein Prinzip verstanden. (Zu viel darf da natürlich nicht wegfallen, aber ob ich an drei oder vier Gedichten, in drei oder vier Deutschstunden das Reimschema analysiere, mag nicht so "bedeutend" sein, wenn in den nächsten fünf Schuljahren das Thema immer wieder mal aufgegriffen und vertieft wird.)
Insofern:
Grundsätzlich gibt es natürlich SuS, die im Lernen zu Hause Lücken angesammelt haben. Diese sind aber nicht so groß wie durch die Politik als Schreckgespenst behauptet. Begrüßenswert ist es, wenn die Politik finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellen möchte, um gezielt die SuS zu unterstützen, die Probleme mit dem Distanzlernen etc. hatten. Diese Mittel sollten aber in den Schulen ankommen um hier bedarfsgerecht fördern zu können. Nachhilfeinstitute sind keine Lösung. Stattdessen vielleicht kleinere Klassen, Doppelsteckungen, zusätzliche Lehrerstunden für schulinternen Förderunterricht, ...