(Als ich selbst noch Schüler war, fanden auch Austauschfahrten nach Schottland und Frankreich statt. Eine Teilnahme wäre für mich völlig illusorisch gewesen. Ich habe mich dabei aber nicht "benachteiligt" gefühlt. War halt so. Punkt. Braucht man nicht weiter drüber zu reden. Wenn schon am Ende des Monats nicht immer genug Geld da ist, um Brot zu kaufen, muss man über so etwas nicht nachdenken. ... Da fällt mir ein: Vielleicht sollte man, um niemanden zu benachteiligen, in der jeweils letzten Woche des Monats allen Schülern verbieten, Frühstücksbrote mit in die Schule zu bringen, damit alle gleich gute Chancen haben, dem Unterricht zu folgen?)
Ich frage mich, ob die Ausgangsfrage etwas mit Chancengleicheit zu tun hat. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, braucht es keinen Austausch, um einem armen Schüler klar zu machen, dass er arm ist. Das merkt der tagtäglich.
Anderserseits ist wirklich fraglich, ob ich einen Schüleraustausch starte, bei dem ich weiß, dass es nur einen kleinen Kreis geben wird, der daran teilnehmen kann. Das hat dann m.E. nichts mit Chancengleichheit zu tun, sondern mit anderen Dingen, die ich grad nicht benennen kann - ich finde es einfach nicht rücksichtsvoll.
Vor allem, weil es doch genug Organisationen gibt, die solche Austäusche organisiert - d.h. wer dahin will, kommt auf jeden Fall irgendwie dahin. Die Schule muss sich da nicht engagieren, meiner Meinung nach - vor allem nicht bei einem Preis von 1500 Euro.
Die obige Nachricht habe ich deswegen zitiert, weil sie das Problem anspricht, was ich selbst aus eigener Erfahrung kenne und was mir erst später bewusst geworden ist. Dass es nicht darum geht für ein armes Kind, dass es verzichtet - sondern dass es irgendwann nicht mal mehr wünscht. D.h. hier liegt die fehlende Gerechtigkeit. Und das ist für jemanden, der selbst nicht oder nie in der Situation gewesen ist, schwer zu vermitteln.
In den Diskussionen, die ich geführt habe, wurde immer angeführt, dass man doch alles auch preiswert und umsonst bekommt: Bücher in der Stadtbücherei, Klamotten bei C&A oder von den Geschwistern, BaföG...dass dies aber seinerseits die empfundene Ungerechtigkeit noch weiter vertieft, ist oft für Außenstehende nicht nachvollziehbar.
Dass die letzte Bemerkung oben zynisch ist, liegt auf der Hand. Liegt so auf einer Eben mit Sarrazins Vorschlägen wie man sich von Hartz IV ausgewogen ernähren kann.
Aber dass sie eventuell dazu führt, dass vor allem höher bildende Schulen nicht reagieren, sondern weiterhin eine Schule der Reichen bleibt, erkenne ich eben auch. Ich kann jedenfalls ausgehend von meiner Schullaufbahn bis heute, bis in mein Kollegium hinein, die Menschen an einer Hand abzählen, die wie ich krasse soziale Aufsteiger sind - Armut hat nicht ausschließlich etwas zu tun mit dem Geld, was eine Familie hat oder eben nicht - ich dachte eigentlich, dass dies eine Erkenntnis ist, die allgemein verbreitet ist - und so kann ich Chancengleichheit nicht durch Ausgleichszahlungen erreichen.