Wenn dein Sohn Hausaufgaben macht, um keinen Ärger zu kriegen, reicht das doch für's Erste als Motivation. Überleg doch mal, wie viele Dinge du tust, um "keinen Ärger zu kriegen". Man kann überhaupt nicht früh genug anfangen, ohne großes Theater auch die Sachen zu machen, auf die man gerade keine Lust hat. Das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Je weniger man darüber nachdenkt, ob man nun den Müll rausbringt und warum, desto besser. Irgendwann muss man das drin haben. Wenn man jung ist, fehlt halt diese Erkenntnis, und der Prozess bis dahin, den wir Erwachsenen steuern müssen, heißt "Erziehung".
Klar, leuchtende Kinderaugen, wenn man einen neuen Buchstaben lernt oder ein Luftsprung, weil es endlich ans schriftliche Dividieren geht - das wäre fein. Aber woher will man wissen, dass es wunderschön ist, ein Buch zu lesen oder Mathematik zu machen, wenn man es noch nicht kann?
Belohnungssysteme helfen nur wenig bei der Erkenntnis, dass es manchmal sehr lange dauert, bis etwas wirklich Spaß macht. Ist nun mal so beim Sport, bei der Musik und eben auch beim Lernen: Ohne Fleiß kein Preis. Ja, Eigenmotivation wird gestört durch "Fleißkärtchen". Wer Profifußballer werden will, trainiert halt. Ein Lob ist ein Ansporn, um zu sehen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Das ist aber was anderes als eine Belohnung. Die ist nicht notwendig. Nur für Dinge, die man nicht so gern macht.
Wirklich schmerzhaft finde ich dagegen, dass wir Jugendlichen oft Dinge anbieten müssen, für die sie gerade gar nicht bereit sind. Sei es eine klassische Lektüre oder Unterricht zu früh am Morgen. Es gibt so wunderschöne Gedichte, die durch den Unterricht zu Unterrichtsstoff werden, und das in einem Alter, in dem man gerade ganz andere Sachen im Kopf hat.