Mich ärgert immer wieder, wenn behauptet wird, in der Schule lerne man nur unnützes Zeug, das man hinterher eh wieder vergessen hat.
Das stimmt nicht. Es mag sein, dass man das Periodensystem der Elemente nicht mehr frei herbeten kann - aber die grobe Vorstellung bleibt. Auch die Erinnerung an die Bücher, die man gelesen hat - bei mir unvergessen. Da waren ein paar furchtbare dabei, und ein paar, die mich begeistert haben. Und überhaupt das Lesen - hallo, haben diese Leute das alles verlernt? Dann könnten sie doch diese Artikel gar nicht schreiben?
Ich finde es sehr merkwürdig, wenn Leute auch alle anderen Lebenserfahrungen, die sie in der Schule gemacht haben, verdrängen. Meine Zeit als Schülerin ist wirklich lange her. Aber wie gestern weiß ich, wie es war, mit Leuten klarkommen zu müssen, die man sich nicht ausgesucht hat. Ich weiß auch durchaus noch, wie ich mich so entwickelt habe, dass ich meinen Standpunkt vertreten konnte. Sprechen konnte vor vielen.
Und so weiter und so weiter.
Klar, damals war das einfach Schule. Das, was blieb, ist etwas anderes als das, was Kinder heute beim Mittagessen erzählen. Was bleibt, stellt sich in der Tat erst viel später heraus.
Und ja, über den Rest denke ich täglich nach: Wie kommt es, dass so wenig von dem, was ich versuche rüberzubringen, hängen bleibt? Oft sind die Sachen nach zehn Minuten schon vergessen. Liegt das jetzt an mir?
Wieso hat man immer die irrsinnige Vorstellung, alles, was man selbst entdeckt, würde man sich merken? Wenn man auf der Digitalkamera irgendwas ausprobiert, dann hat man das auch am nächsten Tag wieder vergessen. Handbuch lesen wäre sinnvoller gewesen. Aber ist halt unbequemer. Logisch.
Ist es unser Job, es den Schülern bequem und vergnüglich zu machen? Nö.
