Beiträge von fossi74

    Es bereichert auch die Lehre enorm, da man den Unterricht mit zahlreichen Anekdoten schmücken kann.

    Damit muss man übrigens vorsichtig sein. Schnell mutiert man vom spannenden Vertreter des "echten Lebens" zum skurrilen Märchenonkel, der nur ein Stichwort braucht, und schon ist der Rest der Stunde (das können dann auch 44 Minuten sein) auf angenehmste Weise mit unterhaltsamen Stories vom Reisanbau in der Zentralschweiz gefüllt, während Misslichkeiten wie die Nullstellen von Funktion xy weit in den Hintergrund rücken.

    Dennoch ist unser hiesiges Leben für die, die wir hier leben, keine surreale Phantasiewelt. Es ist genauso das "echte" Leben wie für jeden Einzelnen sein Leben echt ist, wo auch immer er/sie leben mag.

    Vielleicht ist mir bei diesen Aussagen zum echten Leben und der Phantasiewelt auch nur sauer aufgestoßen, dass das die sehr echten (und nicht unbedingt finanziellen) Probleme, die Menschen auch hierzulande haben, mit einem Federstrich entwertet.

    Ich habe morgen ein Gespräch mit meiner Abteilungsleitung, die noch über der Bildungsgangleitung steht und auch weisungsbefugt uns gegenüber ist.

    Wie viele Leitungsebenen gibt es denn bei Euch? Klingt ein bisschen nach "viele Köche verderben den Brei". Alles Gute fürs weitere Vorgehen! Leider scheint Deine Bildungsgangleiterin wirklich von der Sorte zu sein, der man mit Vernunft überhaupt nicht beikommt (ich kenne das zur Genüge). Das Schlimme ist, dass der saloppe Spruch "Diskutiere nie mit einem Idioten - er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich mit Erfahrung" mehr als nur einen wahren Kern hat.
    Ein paar Tipps aus der Praxis:
    Wenn es hart auf hart kommt - ignoriere sie. Du wirst in keinem Gesetz, keiner Verordnung die Bestimmung finden, dass ein Beamter mit seinen Kollegen reden muss. Schweige sie an, lächle, und wenn sie dir ein Gespräch drücken will, verlass den Raum.
    Wenn es gar nicht zu vermeiden ist, ziehe einen Kollegen zum Gespräch hinzu (hast Du ja schon gemacht), der dann ruhig auch demonstrativ protokollieren soll.
    Merke Dir folgende Sätze und gebrauche sie gegenüber der Dame inflationär: "Das ist Deine (Ihre) Meinung." und "Wie meinst Du (meinen Sie) das?" sowie "Warum willst Du (wollen Sie) das wissen?"

    Viel Kraft für das weitere Vorgehen!

    Ich suche mehr nach Orten, die zur "echten Welt" gehören, wie ich es nenne.^^ Und die Schweiz, sowie auch Deutschland, empfinde ich eher als eine surreale Phantasiewelt. Zumindest empfinde ich das so, wenn ich von einer längeren Reise zurückkomme.^^

    Irgendwie bezweifle ich gerade, dass Du es im deutschen Schuldienst auch nur zwei Monate aushalten würdest - geschweige denn zwei Jahre. Warum willst Du nicht dauerhaft in der "echten Welt" leben?

    Wo habe ich gesagt, dass die Schule nicht "das wahre Berufsleben" ist? Und wo schreibe ich, dass jemand "leider nur Lehrer" gelernt hat?

    Das war eher allgemein gemeint - es geht mir ja um eine Gesetzmäßigkeit und nicht um den Einzelfall.

    Wie viele Leute haben denn das Glück in den von dir genannten Betrieben (die übrigens momentan sehr gut darstehen, das sah vor einem Jahr bei VW z.B. ganz anders aus) beschäftigt zu sein?

    Im Jahr 2016: 808.491 (Quelle: hier). Das sind ungefähr genauso viele wie es Lehrer in Deutschland gibt. Die größte Gruppe unter letzteren stellen übrigens mit rund 223.000 die Grundschullehrer, die von A 13 nur träumen können.

    Schutzreaktion, da Lehrer leider nicht den besten Ruf haben?

    Ach, laut dieser Statistik stehen wir gar nicht so schlecht da, so zwischen Piloten und Dachdeckern...

    Maxime ist, keine 1en auf dem Zeugnis zu geben - im ersten Ausbildungsjahr. Grund: Wenn man das tut, werden die Schüler faul und sind nicht mehr motiviert. Sie verbietet das den Kollegen sozusagen.

    O felix Bavaria, wo Noten nicht "gegeben", sondern errechnet werden... Was den Rest angeht: Solche Verhältnisse machen krank. Das solltest Du Deiner SL auch zeigen. Immer und immer wieder. Wenn Du dann mal nicht krank bist: Grenz Dich ab. Mails zu Hause abrufen? Geht nicht; kein Internet. Dokumente zu Hause ausdrucken? Geht nicht; Drucker kaputt. Usw. usw. Deine SL ist - und das stelle ich gänzlich unemotional fest - psychisch krank. Das ist übrigens ausbaufähig! Baller sie mit komplizierten Anfragen und Anliegen zu. Bestehe auf ausführlicher Begründung für JEDE ihrer Maßnahmen.

    Jede Schulleitung ist davon abhängig, dass das Kollegium zu einem bestimmten Prozentsatz hinter ihr steht. Als Einzelkämpfer hat man auf diesem Posten verloren. Ergo: Ein Kollegium muss nicht mit einer verrückten SL leben. Nicht länger als ein, zwei Schuljahre. Eine gewisse Bereitschaft zur Außerachtlassung von Rücksicht und Mitgefühl gehört natürlich dazu. Aber die zeigt Deine SL ja auch.

    Ich finde diesen ständigen Vergleich mit einem 08/15 Bürojob auch nicht sehr zielführend, hier wird zum Großteil A13 eingestrichen, was wohl kaum mit einem normalen Bürojob zu erreichen ist. Bei dem Verdienst müsste man das eher mit Entwicklungsingenieuren o.ä. vergleichen und da sieht die Arbeitsbelastung ganz!!! anders aus.

    Zum Einen vergleicht niemand hier den Lehrerberuf mit einem 08/15-Bürojob, der nicht nur vom Gehalt, sondern auch von der Ausbildung her kaum vergleichbar sein dürfte. In diesem Zusammenhang finde ich übrigens auch die Formulierung "A13 einstreichen" sehr bezeichnend.

    Zum Anderen musst Du keineswegs Entwicklungsingenieur (für VW-Software, sowas in der Art?) sein, um ein mit A13 vergleichbares Gehalt zu bekommen. Jeder Facharbeiter in der Automobilindustrie kann mit uns Lehrern LOCKER mithalten (ca. 60.000/a plus Bonus; BMW 2016: ca. 8500 €, Porsche 2016: 9111€ - und zwar für alle, auch für die Spülhilfe in der Kantine!), ebenso jeder Mitarbeiter eines Discounters oberhalb Filialleiter (Regionalleiter Lidl oder Aldi: ca. 100.000/a plus Dienstwagen). Ein ehemaliger Nachbar von mir vertreibt Tiefkühlkost für Iglo und hat (einer der wenigen, die da kein Geheimnis draus machen) ebenfalls um die 100.000 im Jahr plus 5er-BMW als Dienstwagen; das Ganze bei zwei Tagen Homeoffice.

    Nein, wir verdienen nicht zu wenig, vor allem, wenn man so ehrlich ist und zugibt, dass man nicht nur sechs Wochen Urlaub hat. ABER: Die immens hohe Rate von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen bei Lehrern hat ihre Gründe. Und die liegen nicht in der Bezahlung und nicht in einer speziellen, irgendwie defizitären Persönlichkeitsstruktur von Lehrern.

    Witzig, was ich bis jetzt als Seiteneinsteiger erlebt habe widerspricht in vielen Punkten deinen Ausführungen. Punkte wie Dauerpräsenz sind aber natürlich klar, das ist wirklich stark ausgeprägt im Lehrerberuf. Allerdings finde ich sowas wie Entscheidungsdichte einfach nicht aussagekräftig. In anderen Berufen in denen (auch) mit "Kunden" umgegangen wird trifft das auch alles zu, nur ist die Tragweite der Entscheidung eine andere bzw. anders zu bemessen.

    Ich finde diesen ständigen Vergleich mit einem 08/15 Bürojob auch nicht sehr zielführend, hier wird zum Großteil A13 eingestrichen, was wohl kaum mit einem normalen Bürojob zu erreichen ist. Bei dem Verdienst müsste man das eher mit Entwicklungsingenieuren o.ä. vergleichen und da sieht die Arbeitsbelastung ganz!!! anders aus. Und dann treffen auf einmal auch 80% der Punkte zu. Ich finde diesen Tenor "Uns gehts allen so schlecht und wir arbeiten alle so viel" wirklich störend in der Schule, das ist das was mich persönlich am meisten stresst. Das einfach niemand mehr in der Lage ist einfach mal mit dem zufrieden zu sein, was er hat

    So, ich will ja auch nicht alles schlechtreden Aber in anderen so hochbezahlten Berufen müssen die Leute auch arbeiten, das wollte ich damit nur einmal zum Ausdruck bringen!

    In Zeiten des Usenet gab es u.a. "Godwin's Law", das besagt: An einem bestimmten Punkt jeder beliebigen Diskussion kommt jemand mit einem unpassenden Nazivergleich um die Ecke.

    Ich finde, hier im Forum könnte man ein ähnliches Law postulieren: An einem bestimmten Punkt jeder beliebigen Diskussion kommt ein Seiteneinsteiger und erzählt denjenigen, die leider nur Lehrer gelernt haben, dass sie vom wahren Berufsleben keine Ahnung und damit keinerlei Berechtigung haben, sich über irgendeinen Aspekt ihrer Arbeit zu beklagen...

    unter die Klausur schreiben wir gar nichts.
    Wir müssen gesonderte Gutachten anfertigen.

    Ja, dass da nichts im lokalen Sinne unter der Klausur steht, war mir schon klar. Ich meinte genau das: Ein Gutachten, das sich auf eine Abiklausur bezieht (und nicht etwa, wie man aus dem Zeitaufwand schließen könnte, auf die gesamte Prüfung).

    Drei Stunden brauchen die erfahrenen Lehrer, Frischlinge brauchen länger. Und haben nach der Kokorrektur dann nochmal zu tun.

    Wow, das geht im korrektur- und formaliaverliebten Bayern aber mit wesentlich weniger Aufwand ab. Zumindest hab ich nie drei Stunden gebraucht, und es hat sich nie jemand über meine Korrekturen beschwert. Aber wer weiß, wahrscheinlich hab ich in München längst den fetten roten Punkt in der Akte. Gut, dass die arroganten Lodenträger da unten sich nie herablassen würden, die Existenz anderer KuMis auch nur zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn mit denen zu kommunizieren. Aber was solls, ich korrigiere eh nichts mehr außer meiner Gehaltsabrechnung, wenn wieder mal zu viel Personalessen abgezogen wurde.

    Also alle anderen Versicherungen kündigen mich dann eine Woche nach der Aufnahme durch die Öffnungsklausel.

    OH MEIN GOTT... wie alt bist Du eigentlich?

    Nochmal zum Mitschreiben:
    1. Als Beamtin hast Du keine echte Wahl. Praktisch gesehen MUSST Du Dich privat versichern, wenn Du nicht massive Nachteile in Kauf nehmen willst. Es hat seinen Grund, dass PRAKTISCH ALLE Beamten privat versichert sind. BITTE KAPIER DAS JETZT ENDLICH!

    2. Man hört immer wieder Horrorstories von Leuten, die kurz vor der Rente verzweifelt versuchen, nochmal in die gesetzliche KV zurückzukehren, weil die Private mit 1000 Euro im Monat oder noch mehr unbezahlbar wird. Das betrifft aber nur Selbständige, Freiberufler und gutverdienende Angestellte. Als Beamtin bist Du davon kaum betroffen, weil Du im Grunde genommen nicht über Deine PKV, sondern über die Beihilfe versichert bist. Die PKV deckt als Zusatzversicherung bei Beamten nur die Lücke ab, die die Beihilfe lässt (bei aktiven Beamten 50%, bei Ruheständlern 30%). Deshalb steigen die Beiträge nie in die Höhen wie bei einer privaten Vollversicherung.

    3. Wenn Du Dich partout nicht privat versichern willst - es gibt zwei Möglichkeiten: a. freiwillige GKV --> aufwendig und teuer; b. Verzicht auf den Beamtenstatus --> ganz einfach, aber noch teurer.

    Kündigung seitens der PKV kommt nur bei schwerwiegenden Verstößen seitens des Versicherten in Frage...das betrifft z.B. Abrechnungsbetrug, arglistige Täuschung bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen

    Beides allerdings schneller passiert als man denkt - mein Vater hatte mal riesigen Ärger mit der Debeka, weil er eine (unbedeutende) Rechnung versehentlich zwei Mal eingereicht hatte, und wie schnell man sich mit den Gesundheitsfragen in die Bredouille bringen kann, möge man z.B. bei http://www.frag-einen-anwalt.de nachlesen. Ich weiß schon, dass es jedem braven Beamten (und ein Lehrer IST ein braver Beamter oder wird erst gar keiner) schon mangels Traute völlig fern liegt, seine Versicherung zu behumpsen, aber manchmal geht das schneller als man denkt.

    Ist ja nun ziemlich OT aber wenn die Mutter nach 6 Jahren die Geschichten ihres Kindes nicht einordnen kann, hat wohl jemand anderer (leichten) Autismus.

    Ebenfalls OT: Wenn der Schüler normalen Umgangston als Anschreien empfindet, gehört da vielleicht mal professionell was dran gemacht. Möglicherweise ist der Autismus dann nämlich nicht ganz so leicht, wie die Eltern das (verständlicherweise) gern hätten.

    Ich habe tatsächlich hin und wieder Schüler in meinem Alter.

    Und trotzdem würde mir das nicht einfallen. Vielleicht weil ich reife Leute mag

    Das könnte - ich wiederhole: "könnte" - man jetzt auch als sehr offenherzige Äußerung Deinerseits bezüglich Deiner eigenen Reife lesen :teufel: ... ich gestatte übrigens ausdrücklich, bei der Bewertung dieses Postings auf meine Signatur zurückzugreifen!

    Es wurde einfach nicht verstanden. "Aber ordentlich arbeiten ist wichtig." "Ja, das ist wichtig. Aber der Inhalt braucht auch eine Gewichtung." "Ja aber ordentlich arbeiten ist wichtig". "Mhm, und was schreibt der Lehrplan als Ziel vor?" "Ich finde Ordentlichkeit wichtig."

    Hatten wir es nicht kürzlich mal von sächsischen Kollegen und deren gelegentlich etwas, hm, angestaubten Vorstellungen von guten Leistungen? Da würde das von mir zitierte auch wieder gut ins Bild passen.

    Bis zur Neuregelung (Anlass war damals irgendein Fall in der Presse) war es dienstrechtlich nicht verboten, wenn die Lehrkraft eben nicht den Jugendlichen unterrichtet und bewertet hat.

    Ja, aber eben immer bezogen auf U18... meine Güte, worüber diskutieren wir hier eigentlich?!


    Viele Grüße
    Fossi
    - der ein einziges Mal, noch als Schüler, so einen Fall erlebt hat. Das waren damals aber ein Referendar (nicht in der Oberstufe eingesetzt) und eine 12er-Schülerin. Hat der Karriere des jungen Mannes nicht geschadet; die beiden waren dann wohl an die zehn Jahre zusammen, soviel ich weiß. Ich hab das erst bei einem Klassentreffen erfahren und bin heute noch erstaunt, dass das an unserem extrem konservativen Kleinstadtgymnasium, wo ein Anti-Atomkraft-Sticker schon hochproblematisch sein konnte, offensichtlich niemanden gestört hat.

    Ich glaube, das ist jetzt relativ neu verboten, kann aber auch sein, dass es nur Hessen ist. Vorher war das Abhängigkeitsverhältnis enger gefasst und es nur verboten, wenn man auch zusammen Unterricht hatte.

    Ich bezweifle, dass irgendwelche ministeriellen Verordnungen über dem StGB stehen. Und das sagt ganz klar: Strafbarkeit besteht nur dann unter bestimmten Voraussetzungen, wenn einer der Beteiligten unter 18 ist (§174 StGB). Natürlich steht außer Frage, dass jede LehrerIn, das halbwegs bei Sinnen ist, von den SchülerInnen die Finger lässt, selbst wenn die schon 30 sind (Abendgymnasium etc.), aber wem das nichts ausmacht... Ach so, und dass man auf sehr dünnem Eis unterwegs ist, wenn der jüngere Part sich plötzlich überlegen sollte, dass das Ganze vielleicht doch nicht sooo einvernehmlich war, ist hoffentlich auch klar. Deshalb sollte immer gelten: Finger weg - alle elf!

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