Beiträge von fossi74

    Und dafür bekomme ich als Lehrer 3. Klasse rund 800 Euro/netto !!!

    Nur so als Tip: Genau damit würde ich gegenüber Kollegen und Schulleitung argumentieren. Dass Du nur Teilzeit machst und mehr "Freizeit" haben willst als Deine Kollegen, mag für diese schwer verständlich sein. Wenn Du ihnen aber klarmachst, dass Du für ca. ein Viertel bis ein Drittel ihres Nettogehalts arbeitest, kommt der ein oder andere sicher ins Nachdenken.

    Ich habe bei einem großen deutschen Verlag mal 4.000 € (Festhonorar) bekommen. Dafür habe ich aus zwei bereits erschienenen Werken zum Thema Abi-Vorbereitung je ein neues gemacht und ca. 25% zusätzlichen, eigenen Text beigesteuert. Ich fand das damals ganz in Ordnung, schließe mich aber meinen Vorrednern an: An einem Schulbuch mitzuarbeiten macht man nicht des Geldes wegen, sondern aus Spaß an der Sache (und vielleicht auch, um es besser zu machen als viele vor einem).

    Ich würde auf dem privaten Markt auch nicht unter 25,- Euro nehmen

    Für Unterricht auf Honorarbasis gibt es derzeit - rein empirisch im Freundeskreis erhoben - zwischen 30 und 36 Euro für 45 Minuten. 25 Euro für die Stunde halte ich immer noch für entschieden zu wenig. Wenn ein Fliesenleger oder KFZ-Mechaniker das nehmen würde, bekäme er Schwarzarbeit (und Pfuscherei) unterstellt.

    Die Grundprinzipien des Beschäftigungsverhältnisses sind bei Angestellten wie bei Beamten faktisch gleich - bis auf den Status.

    Wenn Du unter "Grundprinzipien" nichts anderes verstehst, als dass beide Gruppen morgens in die Schule dackeln und dann unterrichten, hast Du sicher recht. Insofern unterscheiden sich ein Dacia und ein Maserati auch "nur" in Leistung, Design und Prestige.

    Du musst verstehen, dass es Kollegen gibt, die sich selbst inkompetent fühlen (und dann die Vertretung nicht so machen wie gewünscht), wenn die Schüler meinetwegen mit der Verbtabelle arbeiten sollen, wenn sie ein Kreuzworträtsel machen. Die KÖNNTEN ja trotzdem nachfragen und wenn die Kollegen dann selbst nicht wüssten wie ein Verb ausgesprochen würde, DAS wäre ja hochgradig peinlich!...

    O ja, ich habe so ein Exemplar im Kollegium... und bei uns besteht ja das Problem, dass wir im Unterricht an der Schule für Kranke ja viele Fächer nebeneinander haben. Da braucht man schon das Selbstbewusstsein, um auch mal einem Schüler zu sagen, "Sorry, von Chemie verstehe ich praktisch nichts. Bitte wende dich an Kollege NN."

    Nicht so meine Kollegin! Da heißt es dann, "Ah ja, die [frei erfunden!] Polymerase von langkettigen Peptidmolekülen... lass mal sehen... aha, aha... (längere Pause)... Ja, da wiederholst Du am besten erst noch mal die Grundlagen, das ist wichtig." Richtig lustig (und ich bekomme das ja hautnah mit, wir sind zu zweit in den Gruppen) wird es, wenn der Schüler nicht völlig ahnungslos ist und dann zu Recht darauf hinweist, dass ihm mit Grundlagen gerade gar nicht geholfen ist. Dann wird sie fuchtig und verbittet sich den "frechen Tonfall". Zugeben, dass sie etwas nicht weiß? Lieber würde sie wohl [lexicon='tot',''][/lexicon] umfallen. Blöd nur, dass wir die Oberstufengruppe haben (auf jüngere Schüler wird sie gar nicht mehr losgelassen) und die etwas selbstbewussteren ihr das dann gern mal auf den Kopf zusagen. Da kann sie sich dann den ganzen Tag drüber aufregen.

    Aber in absehbarer Zeit ist damit Schluss. Gottseidank ist unser Träger entschlossen, sie keinen Tag länger als bis zur Regelaltersgrenze zu behalten.

    Dennoch frage ich mich, ob ich mit dieser Einstellung der Richtige für den Schulalltag bin.

    Man wächst da auch rein. Ich kenne etliche, die nach dem Gym-Ref keine Stelle bekommen haben und erstmal an der Hauptschule untergekommen sind. Viele von denen wollten da gar nicht mehr weg. Die Arbeitsbelastung (vor allem Vorbereitungen und Korrekturen) ist auch eine andere, von vielen (Typfrage!) als angenehmer empfundene als am Gymnasium.

    Übrigens: Wenn Du räumlich flexibel bist und nicht den Anspruch hast, dass auf der anderen Seite der Wohnungstür Deine Lieblingskneipe ist, gibt es in jedem Bundesland Ecken, die wunderschön sind und hohe Lebensqualität bieten, und wo trotzdem keiner hin will (Bayerischer Wald, Eifel, Hunsrück, Schwäbische Alb etc.). Meist sind dort auch die Preise moderat. Das Landgymnasium mit homogener und harmloser Schüler- und Elternklientel ist allerdings trotzdem eine aussterbende Art.

    Meine einzige Befürchtung dabei ist, dass die Ausbildung einen großen Einfluss auf die späteren Bewerbungen an berufsbildenden Schulen haben könnte. Wie seht ihr das?

    Du meinst die abgebrochene Ausbildung? Da kannst Du völlig entspannt sein. Für die Einstellung in den öffentlichen Schuldienst zählt Deine Examensnote und sonst genau gar nix. Da kannst Du auch fünf Ausbildungen abgebrochen haben.

    Die Schulleitung ist eine Position vergleichbar mit einem absolutistischen Herrscher

    Naja, das ist schon übertrieben.

    Nur ein kleiner Tipp von mir Peter222:

    lass dich bloß nicht von so einer extrem negativen Einzelmeinung wie der von firelilly abschrecken.
    Das sind die Kolleg/innen, die einem jedesmal den ganzen Tag verderben können. :neenee: :flieh:

    Aber insgesamt hat Firelilly schon ein bisschen recht. Dass es für eine Schule und damit auch für den einzelnen Lehrer heutzutage wichtiger ist, möglichst oft in der Zeitung zu stehen (und zwar im Kontext von "Preis gewonnen", "Projekt" und "Auszeichnung" und nicht etwa im Zusammenhang mit "Suizid", "Mobbingfall" oder "Missbrauchsskandal", notabene!) als gescheiten Unterricht zu machen, ist wohl unbestritten. Desgleichen die Tatsache, dass Teilzeit sinnvoll nur für idealistische GutverdienerInnengattInnen möglich ist.

    Viel wichtiger in dem Beruf ist, den Unterricht ganz marginal zu gestalten, aber immerhin so, dass es keine Elternbeschwerden gibt, und mit den gewonnenen Zeit irgendwelche Zusatzangebote zu liefern oder irgendwelche, meist unsinnigen Arbeitsgruppen zu besuchen und dadurch als engagiert zu gelten. Im Sinne nachhaltigen Lernens ist das nicht, aber solche Kollegen haben extreme Vorteile gegenüber denen, die "nur" einen gut durchdachten Unterricht liefern.

    Das alte Problem: Den gut durchdachten Unterricht sieht halt keiner.

    Die gängige Höchstgrenze für Nebentätigkeiten als Beamter sind 20% der regulären Arbeitszeit. Bei rund 40 Wochenstunden also rund 8. Während der Sommerferien vier Wochen Vollzeit zu arbeiten dürfte kaum genehmigt werden, zumal gerade die Sommerferien als Erholungsurlaub gelten und damit auch ein Arbeitnehmer während dieser Zeit nicht nebenher jobben dürfte.

    und die Polizei "kann nichts machen", weil er erst 13 ist

    Du magst dir Paragraph 19 StGB nochmal zu Deinem Bildzeitungsgemüte führen. Die Polizei kann da GOTTSEIDANK gar nichts machen, sondern muss sich ans Gesetz halten. Gefragt wäre der Gesetzgeber, sonst niemand.

    Weißt Du, hanuta, ich bin jetzt knapp vier Jahre in der Klinikschule (Psychotherapie) - und was Du hier schilderst, ist sozusagen der Prototyp eines unserer Schüler. Und immer, immer, immer lernen wir dann eines Tages die Eltern kennen und sagen nur: Aha. Meikes Tipp mit der klaren Ansage an die Mutter und dem Einbinden deines SL (dabei viel Erfolg!) ist wohl der einzig zielführende.

    Ich hoff, wir haben uns damit nicht als Grundschultussen geoutet - dg

    Oh weia, ich habs befürchtet... jetzt werde ich ganz schön rumeiern müssen, um da wieder rauszukommen. Kurz hatte ich ja mit dem Gedanken gespielt, mich als Moderator anzubieten, aber das lassen wir lieber. Bock, Gärtner usw.

    Gut, also dann:

    1. Das Phänomen "Grundschultussis" im Sinne von "Leute, die nicht verstanden haben, dass ein Studium mehr sein sollte als eine Berufsausbildung" geht weit über die Lehrämter hinaus. In Fakultäten wie dem Maschinenbau oder der BWL gibt es mit Sicherheit noch weit mehr Vertreter dieser Spezies als unter den Lehrämtlern. Ich darf aber nochmal darauf hinweisen, dass die inkriminierte Bezeichnung nicht von mir erfunden wurde, sondern ein Zitat aus Studententagen darstellt.

    2. Ich habe nochmal drüber nachgedacht, was mich an diesen Usern bzw. ihren Postings nervt. Vielleicht war es ungeschickt zu sagen, diese schrieben Blödsinn, ohne Ahnung zu haben. Es ist eher das, was Trantor weiter oben auch festgestellt hat, nämlich die weitverbreitete Haltung, z.B. rechtiche Sachverhalte nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip zu beurteilen (meine Chefin kann das auch ganz wunderbar, und leider habe ich durchaus fundierte Kenntnisse im Rechtswesen, bin mittlerweile Ll.B.) oder - da ist der Nervfaktor noch höher - sich hier über die unmöglichen Bedingungen auszulassen, unter denen man arbeiten muss, um dann jegliche gut gemeinten und sinnvollen Ratschläge als unbrauchbar abzutun. Ich erinnere mich da - nur ein Beispiel - an eine Userin, die an zig verschiedenen Schulen arbeiten musste und sich bitter über die Fahrerei beklagte, aber eigentlich nur hören wollte, wie furchtbar das ist und wie wir sie bedauern. Das ist genau die Art von Unprofessionalität, die auch Nele oft beklagt hat.
    Außerdem nerven mich Leute - und wie gesagt, ich habe den Eindruck, das hat stark zugenommen -, die nicht in der Lage sind, über den eigenen Vorgartenzaun hinauszublicken und von der eigenen Situation zu abstrahieren. Das ist jetzt wieder arg allgemein formuliert, ich weiß. Auch hier erinnere ich mich mühsam an ein konkretes Beispiel - eine Userin (Nomen? Nescio! Aber sie hat immer sehr gern viele Punkte zwischen ihren Sätzen gemacht. Das treibt mich eh in den Wahnsinn), die in einem Thread über Lehrereinkommen und die Möglichkeit, eine Familie mit einem Lehrergehalt zu ernähren, erst lang und breit erläutert hat, dass sie und ihr Mann das nie und nimmer machen könnten, um dann rauszulassen, dass halt ein Einkommen komplett in die Eigenhütte fließt.

    3. In einem Punkt muss ich Nele und noch einigen hier im Thread widersprechen: Ich bin nicht seit zehn, aber immerhin seit fast sieben Jahren hier angemeldet, und ich habe eigentlich gar nicht den Eindruck, dass sich dieses Forum so sehr verändert hat. Der gesellschaftliche Diskurs hat sich in der Tat verändert, und das spiegelt sich hier im Forum derzeit in einer Weise, die der Mehrheit hier gottseidank nicht gefällt - aber grundsätzlich ist das hier schon noch ein Forum zur gepflegten und zivilisierten Diskussion von schulischen Themen aller Art, und deswegen fühle ich mich nach wie vor im Großen und Ganzen recht wohl hier.


    Viele Grüße!

    Tja, siehst du, das ist das Problem: dem einen greifen die Moderatoren viel zu wenig ein, dem anderen zu viel. Dem einen schließen sie nicht genug threads, dem anderen zu viele. Der eine findet, sie dürfen keine Meinung haben, der andere will, dass sie unbedingt immer ihre Meinung sofort einbringen und mal "Klartext reden". Der eine findet kein Problem an den Rechtsauslegern, der andere findet, sie bestimmen hier den Ton und ruinieren das Forum.
    Alle davon beschweren sich gerne bei den und über die Moderatoren, und übereinander.

    Tja - "Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen."

    Gilt wohl auch für Moderatoren. Ihr macht das übrigens toll.

    User belegen lassen, dass sie Lehrer sind, halte ich für ebenso wenig durchsetzbar, wenn nichtmal der Wunsch nach Angabe von Bundesland und Schulform durchzustzen war und zu Vor- und Anwürfen geführt hat. By the way: wer genau soll wann genau die Scans der Schulbescheinigungen lesen? Also, ich wäre raus, ich bin im Moment ohnehin dabei, für mich die Vorteile des Forums gegen die Zeitfresserei, die hier durch die ständig wachsenden Forderungen, die an die Mods gestellt werden, abzuwägen.

    Das, liebe Meike, war auch nicht ganz ernstgemeint, sondern nur mein wortreiches Eingeständnis der Hilflosigkeit gegenüber Usern, die sich als Lehrer ausgeben, ohne sich durch kreativen Grammatikgebrauch gleich im ersten Post zu verraten.

    @fossi: Wieso durftest du nur die Erstkommunion erleben? Dir hat man die Firmung verweigert?

    Äh - nein. Das war aber damals (und ist meines Wissens auch heute) lange nicht so ein Event wie die Erstkommunion (eigentlich überhaupt keines) bzw. bei der Konkurrenz die Konfirmation... und um erstere ging es doch, oder?

    Gerade als Patin würde ich eher ein gemeinsames Erlebnis verschenken, also Zeit und Aufmerksamkeit. Wie wäre es mit einem Besuch in einem Freizeitpark, einem Städtetrip, ... je nach Geldbeutel. Mit essen gehen und allem drum und dran? Das ist auch nicht billig, aber viel persönlicher.

    Ich glaube, die Wertschätzung für ein persönliches, immaterielles Geschenk ist direkt proportional zum Alter des Beschenkten :-). Einem Konfirmanden machst Du mit Geld wohl die größere Freude.

    Magst du mal erläutern wie sich diese Grundschultussis hier im Forum zeigen?

    Wird leider sehr schwierig, ohne Namen zu nennen, und genau das wollte ich vermeiden. Vielleicht ist das auch mehr eine Befindlichkeit (Empfindlichkeit) von mir. Aber ich werd versuchen, mal ein paar Beispiele zu finden. In dem unsäglichen Thread über Flüchtlinge kam das ganz gut raus.

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