Spät, aber bei dem Thema kann ich nicht widerstehen:
Die meisten (fast alle) Postulate der Didaktik und [lexicon='Pädagogik',''][/lexicon] sind wissenschaftlich fragwürdig, weil sie der wissenschaftlichen Grundlage entbehren - das hat Nele schon dargelegt.
Ich halte aber zwei andere Gründe für mindestens ebenso wichtig:
1. Keine Wissenschaft (exotische naturwissenschaftliche Spezialdisziplinen vielleicht ausgenommen) ist dermaßen selbstreferentiell und kocht dermaßen im eigenen Saft wie die universitäre [lexicon='Pädagogik',''][/lexicon] und Didaktik. Man nehme drei beliebige, ähnlich alte Monographien aus diesem Bereich - Thema völlig egal! - und vergleiche die Bibliographien: Ich garantiere eine Übereinstimmung von mindestens 70%, wobei die dort aufgelisteten Werke zu ca. 90% von den immer gleichen drei Verlagen stammen (nennen wir doch Ross und Reiter: es handelt sich um Friedrich (Seelze), Beltz (Weinheim) und Schneider (Hohengehren/Baltmannsweiler). Anscheinend müssen pädagogische Fachverlage in Orten mit komischen Namen sitzen).
2. Keine Fachrichtung ist dermaßen von Leuten durchsetzt, die eigentlich mal Lehrer werden wollten, dann aber entsetzt feststellen mussten, dass die praktische Beschäftigung mit Kindern um einiges stressiger, unvorhersehbarer und nervenaufreibender ist als die theoretische und die nach kurzer praktischer Tätigkeit in die akademische Lehre flüchten. Gegenbeispiele (ich habe einiges bei einem Deutsch-Didaktiker gelernt, der tatsächlich noch 15 Stunden unterrichtet hat) stechen denn auch wie Leuchttürme heraus, wenn man als Student schon mal einem begegnet.
Bezeichnend fand ich damals an der Uni auch, dass niemand seine Titel so monstranzartig vor sich her trug wie die Pädagogen und Didaktiker. Da war kein Magister zu popelig, als dass er nicht aufs Türschild gepappt werden musste... während der Nobelpreiskandidat aus der Physik darauf bestand, mit "Herr X" angeredet zu werden.
Viele Grüße
Fossi