Beiträge von chilipaprika

    Warum löst das Muschel-Sammeln so einen Widerstand aus? Das Lesen von Zeitungen aber nicht? Kann es sein, dass manche hier wieder ziemlich despektierliche innere Meinungen über vermeintlich niedere Grundschullehrkräfte-Aufgaben haben?


    Ich spreche für mich (und ich habe ausdrücklich geschrieben, dass ich es nicht einschätzen kann).
    Muschelsammeln wäre für mich - wenn die Person nicht gerade Horterin ist - ein Teil Unterrichtsvorbereitung (weil ich WEIß, dass ich nächsten Monat Muscheln in meiner Reihe brauche), aber die 5 Minuten würde ich nicht als Arbeitszeit innerhalb meines Urlaubs eintragen.
    (Auch nicht die 5 Minuten in der Buchhandlung, die ich brauche, um die ausdrücklich angegebene Abiturlektüre zu kaufen, wenn ich eh schon da bin, um zu stöbern)

    Das mit der Zeitung ist für mich anders (als Unterrichtsvorbereitung), weil es eben KEINE direkte Unterrichtsvorbereitung und -bindung hat. Ich werde NICHT morgen eine Stunde zum Attentat in München, zur Auflösung des Parlaments oder zu den prämierten Buchpreisromane halten.
    Aber es ist für mich essenziell wichtig (mit Abstufungen), dass ich im Flow bleibe.

    Genau.
    Es müsste bei einem Modell zur Arbeitszeit eine Art Pauschale geben, die für "auf dem Laufenden halten" ist. Mir ist klar, dass einige, egal welcher Fächer, es nicht machen würden und dadurch ihre Arbeitszeit senken, aber ich finde es fatal, dass unsere eigene Weiterbildung so vernachlässigt wird. Der Übungsleiterschein / die Trainerlizenz läuft ohne stetige Aktualisierung auch ab. Auch der Erste Hilfe oder Rettungsschein.
    Ich bin froh, dass Ärzte ihre Weiter-/Fortbildungspunkte holen müssen, usw.. (auch wenn es sicher Wege gibt, "Yoga am Strand als Muskelentspannung" zu buchen, aber egal.

    Okay, der Punkt der persönlichen Abgrenzung ist natürlich individuell.

    Ich fürchte allerdings, dass man der übergeordneten Sache keinen Gefallen tut, wenn man versucht, Dinge wie Muschelsammeln oder Zeitunglesen mit in eine irgendwann hoffentlich mal vorzunehmende Arbeitszeiterfassung aufzunehmen.

    Ich möchte meine Zeitung nicht mit den Muscheln gleichstellen, auch wenn ich nicht genau weiß, was man damit macht.
    Ich bin SoWi-Lehrerin, sorry, aber Nachrichten lesen / hören / was auch immer IST meine Arbeitszeit. (selbst wenn es nur 15 Minuten Tagesschau wäre).
    Ich bin Fremdsprachenlehrerin, Diskurse und Literaturbetrieb kennen gehören auch zum Job.

    Ich will KEINESFALLS so tun, als würde ich alles als Dienst ansehen und ich die Zeit durchgehend als Arbeitszeit erfassen würde, aber ich finde es wichtig, dass wir unsere professionelle Rolle nicht als nach dem Ref fertig ansehen. Mag vielleicht für Mathe gehen (sage ich nicht!), aber Schülerorientierung und Aktualität gehen nicht ohne ständige Weiterbildung und Weiterbildung/Fortbildung ist nicht nur formelle formalisierte Bildung, sondern auch eben solche Sachen. Ich verstehe mich nicht als reine Unterrichtsvorbereiterin, die sich ausschließlich und erst für Themen interessiert, wenn sie auf den Plan kommen (und trotzdem ist mein vieles Lesen nicht Arbeitszeit, aber daraus schöpfe ich Ideen, welches Jugendbuch aktuell in Frage käme).

    Ach, ich sehe es auch nicht als Dienstzeit an (außer natürlich, dass ich als brave Beamtin immer im Dienst bin), aber ich hatte putzmunter auch so verstanden, dass sie es nicht als Dienstzeit sieht, es aber trotzdem schwer ist, eine Grenze zu ziehen, weil man bestimmte Entscheidungen job- und interessenbedingt fällt.

    Dass ich gerne auf Französisch lese, ist mein Interesse, aber trotzdem gebe ich alle französischen Bücher bei der Steuer an. (und naja, ein sehr großer Teil der anderen auf Deutsch gelesenen Literatur findet über den einen oder anderen Posten auch in die Steuererklärung Eingang).
    Das Fischmittagessen im bretonischen Restaurant natürlich nicht, die gekaufte Zeitung schon (bei Büchern setze ich auf medimops, ist wirklich günstiger auf Dauer)

    Ja, das geht natürlich gar nicht.
    Und klar ist es Urlaub.

    Aber selbst ich als Muttersprachlerin (!) merke, dass es mir gut tut, ab und zu richtiges Französisch zu sprechen, das weg vom Lehrbuch und Klassenfranzösisch ist. Und da reicht mir das französische Fernsehen und Radio nicht ganz.
    Ich unterrichte kein Englisch, mein Englisch ist ganz passabel und ich würde (leider) sagen, dass mein Englisch gar nicht so weit vom Französisch vieler Lehrkräfte entfernt ist, die mal drei Monate im Ausland waren (ich war 10 Monate im englischsprachigen Ausland, habe viel auf Englisch (teil-) gearbeitet) und ich merke, wie gut es mir in den letzten Jahren getan hat, mindestens einmal im Jahr im englischsprachigen Ausland zu sein.
    Es ist definitiv keine Arbeit (also in meinem Fall schon, weil Dienstreise, aber nicht beim Urlaub), aber dieser Urlaub sollte bei vielen (nicht unbedingt allen) Fremdsprachenlehrkräften in Betracht gezogen werden. Nicht alles kann durch das Internet abgedeckt werden. Aber ja, es geht anders, man kann auch einfach mit Mitte 40 Angst haben, eine Oberstufe zu unterrichten, weil man im Stoff (egal ob Mathe oder Sprache) völlig eingerostet ist.

    Das ins Lächerliche Ziehen offenbart nur die mangelnde Vorstellungskraft, dass andere Fächer andere Hintergründe und Bedingungen haben.

    Ja, komme gerne mit meinem verhaltensoriginellen Hund spazieren, ich stelle dir eine Bescheinigung aus.

    Bedenken meinerseits (die ich gehabt habe, als ich mich zum Ref bewarb):
    - Statuswechsel kann schwierig sein (sowohl ggü Kolleg*innen als auch Schüler*innen, aber auch sich selbst). Egal, wie man es dreht, es ist eine Bewertungssituation und es kann sich wirklich als Rückschritt anfühlen, man sollte schon stark sein und nichts persönlich nehmen, die Kompetenzen bleiben die selben, die "Rechte" erstmal nicht mehr.
    - damit verbunden: die Angst, dass Kolleg*innen plötzlich auf einmal entdecken "ach, SO hast du unterrichtet".

    Naja, einen regelmäßigen Teil / Anteil des Jahresurlaubs gezielt irgendwo verbringen "müssen", um aktiv in der Sprache zu bleiben, kann ja auch für die Familie doof sein.
    Meine Deutschlehrerin gönnte sich den Skiurlaub in Österreich. Sie machte viele Aktivitäten, die Familie konnte Ski fahren.
    Der Besuch von Bayern, Spreewald und Lüneburger Heide ist für Teenies vielleicht nicht der Traum, nur weil Mama Deutschlehrerin geworden ist, ihren Sprachbad möchte und Landeskunde aufsaugt (und glaub mir, ich habe auch schon Kolleg*innen gehabt, die genau das sagen "ach mit Familie, nee, ich war das letzte Mal vor 12 Jahren in XY".... "Ja, das höre ich" würde ich dann antworten. Man darf nicht vergessen, dass die Sprache ein ständiges Medium ist, und eben nicht scheibenweise wiederholen lässt, wie man es schnell vor dem nächsten Kapitel im Geschichts- oder Mathebuch macht, weil man da eine Lücke hat.

    und natürlich ist es selbst gewählt, ABER ich habe trotzdem Respekt davor. Genauso (noch mehr!) wie bei den doppelten Fremdsprachler*innen, die bei Aufnahme des Studiums sicher nicht nachgedacht haben, wie anstrengend es im Hirn sein kann, immer wieder zu switschen (ich will gar nicht auf die Korrektur hinaus).

    also: einen Teil der Ausgaben würde ich bei der Steuer angeben (Zeitungen, Bücher, Museumsbesuch...), je nach Ziel sogar Anreise und so (Vorbesuch der Stadt der nächsten Kursfahrt), aber das als VZ-Arbeitszeit zu sehen...

    (und trotzdem habe ich vollsten Respekt vor allen (Einfach-/Zweifach)Fremdsprachlehrer*innen (und deren Familien), die wirklich regelmäßig in das Zielland reisen müssen/sollen. Weil es durchaus auch eine Bürde sein kann.)

    Naja, es gibt doch einen Unterschied, ob man von mir (SoWi-Lehrerin) verlangt, Geschichte und Erdkunde in der Sek1 zu unterrichten (obwohl ich keine Vorbildung habe), meinetwegen auch Spanisch zu unterrichten, weil ich zwei Unikurse hatte und Fremdsprachenlehrerin bin und also eine kurze zweimonatige Elternzeit überbücke, damit die Anfänger*innen nicht komplett alleine sind, oder...

    die Lehrkraft nicht nur eine absolute Abneigung verspürt, sondern auch nicht versteht.

    [..]

    Leider ist das eigene Verständnis für den Stoff nicht gegeben und überfordert mich. Nach dem Blick ins Buch noch mehr als nach reiner Vorstellung.

    Also, auch jenseits von der experimentellen Frage: Auch im Klassenraum kann ich keine Naturwissenschaft unterrichten.
    Es würde mich jetzt total reizen, es zu verstehen, aber ich habe wirklich kein Verständnis in meinem Gehirn dafür. Hausaufgabenbetreuung oder den Kids zeigen, dass alle Fächer wichtig sind, dass alles machbar ist, das kann ich. Das Ganze unterrichten, nee.
    Wir diskutieren hier oft genug über Schäden, die Grundschulleute, die kein Mathe-Verständnis (ob durch mangelnde Ausbildung oder nicht) haben, anrichten, es gibt einfach Fälle, wo man es nur schlimmer macht.

    Sorge dafür, dass du schriftlich remonstrierst /schriftlich darauf hinweist, dass du in diesem Fach keine Kompetenz hast und du Befürchtungen hast, Schaden einzurichten.

    Der Stundenplan ist die schriftliche Dienstanweisung dagegen, aber du hast alles getan, was du konntest.

    Ausnahmen: Reli und Experimentalfächer bzw. Sport wegen Versicherungsschutz (Gott übernimmt keine Haftung, wenn du nicht geschickt/berufen wurdest)

    Es ist eine Vollzeitstelle, wenn du darauf hinwillst. Bis zu einem gewissen Grad ist Teilzeit möglich.

    Die Arbeitszeit von Lehrkräften ist in den Schulzeiten verdichtet und höher, weil die Schulferienzeiten nicht so viele Stunden ausmachen (Jahresarbeitszeit von 41 Stunden wöchentlich)

    Auch ist es so, dass man zum Einstieg durchaus mehr Zeit investieren muss, um sich in die Unterrichtsvorbdreitung reinzufuchsen, der Aufwand der ersten vollen Stelleist bei Allen (ob OBAS, PE oder Lehramt-Absolvent*in) anfänglich höher als später.

    chilipaprika: In der SI ist es verboten, das stimmt, aber dDas gilt nicht für die Oberstufe, in den VV zu §14 APO-GOSt steht, dass der Schulleiter Nachschreibtermine als Ausnahme und unter Berücksichtigung der individuellen Belastung auch am Nachmittag zulassen kann.

    Das sieht die BR bei uns anders.

    Keine Klausur endet nach 14uhr.

    Mir fehlt da gerade etwas die Fantasie, wie man Nachschreibtermine außerhalb der Unterrichtszeit unterbringen soll, die nicht nachmittags und nicht samstags liegen dürfen.

    Während des Unterrichts?

    Jaja. Herzlich willkommen in NRW.

    wow...
    Also dürfen diejenigen, die nicht mit 25 eingestiegen sind, keine Kinder bekommen? Diejenigen mit Risikozuschlag?
    Ich bezahlte bis vor kurzem, durchaus noch im grenzwertigen gebährfähigen Alter 400 Euro. Mit einem Kind wäre es entsprechend mehr geworden.

    Stichwort ADO oder BASS (meine Schule war auch auf die Idee gekommen, aber es geht nicht. Wer das macht, wurde einfach noch nicht "erwischt" (Nachfrage bei der BR, Beschwerde von Eltern, usw.. - so wie bei der Attestpflicht ohne Anlass)

    Sowohl die Lehrkräfte als auch die Schüler*innen - auch die blau machenden - haben Anspruch auf Zuverlässigkeit, einen Rahmen und Erholung.

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