Ich finde jemand, der Psychologie studiert hat oder eine mehrjährige Ausbildung als systemischer Berater absolviert hat, kann einfach viel konstruktiver beraten, als eine Person, die gefrustet aus einem Bereich ausgestiegen ist.
Ich glaube, du hast relativ wenig Ahnung vom Feld.
1) Berater und Psychotherapeut sind zwei paar Schuhe. (Sie nennt sich nicht Therapeutin und hat auch nicht das Anliegen. Und nein, ich kenne sie nicht persönlich, kannte nur ihren Podcast lange, bevor sie bekannter wurde und habe im letzten Jahr an einer Tagung teilgenommen, wo sie einen Vortrag gehalten hat)
2) Ein Psychologie-Studium und eine Ausbildung als systemischer Berater befähigen NICHT dazu, eine (Psycho)Therapie anzubieten (Der systemische Therapeut ist eine zweijährige Weiterbildung NACH der zweijährigen Beratungsausbildung).
3) Ja, jemand mit Psychologie hat Beratungstechniken gelernt, genauso wie ein Sozialpädagoge. Wer aber die Beraterausbildung gemacht hat, hat das Wissen "nachgeholt".
Genau das Prinzip der Beratung - ich spreche jetzt zumindest von der systemischen Beratung und von weiteren lösungsorientierten, personenfokussierten Ansätzen - ist: der Klient ist der Spezialist für sich selbst. Das Wissen in einem Gebiet ist nicht Teil einer systemischen Beratung im klassischen Sinne. Ihr Angebot (genauso wie bei vielen spezialisierten Coaches) ist also eine Mischung: personenzentriert beraten, aber mit dem Hintergrundwissen des Feldes.
Und zu meinem Hintergrund: ich kenne wie oben geschrieben die nette Dame nicht, ihr Werbestil ist nicht meiner, aber ihre Aufgabe ist eben nicht Schul(system)entwicklung sondern beruflicher Coach. Ich habe selbst eine systemische Beratung-Ausbildung und fühle mich trotz fehlendem Psychologie-Studium durchaus kompetent* und habe Menschen in Anliegen beraten, von denen ich keine Praxiserfahrung habe (Kindererziehung, Sucht, Scheidung...) und auch in Anliegen, wo mein Hintergrundwissen hilfreich war (berufliche Perspektiven, Ausstieg, Sozialleistungen, eigenes Spezialgebiet..). Beides hat Vor- und Nachteile, jeder Coach entscheidet, ob er sich spezialisiert.
Mich stört da die die fehlende Selbstreflexion.
Es sind bei den Beiträgen immer die anderen Schuld. Mal das Schulamt, dann die bösen Kollegen, dann wieder die Seminarleitung. Anstatt zu sagen: Für mich war das eben nicht weg. Für andere ist er es vielleicht. Möglicherweise lag es auch an mir.
Naja, das gehört zum Plakativen eines Instaposts dazu und sie betreibt eben keine Systementwicklung, wo man sich fragt "was kann ich ändern?" sondern "wie kann ich mit einigen Situationen leben?". Da hat sie auch genug Posts oder Beiträgen, wo sie erläutert, dass viele Kund*innen für sich entscheiden, im Schuldienst zu bleiben und sich zu arrangieren, es sei auch okay. und DAS ist personenzentriert.
Edit / Bearbeitung: Ich fühle mich kompetent im Feld, in dem ich ausgebildet bin: Beratung. Nicht für eine Therapie. Um Gottes Willen. Dafür fehlen mir viele Hintergründe. Und auch mit einer weiteren Weiterbildung wäre ich "nur" "systemische Therapeutin" und nicht PSYCHOtherapeutin.
Menschen mit Psychologie-Studium und Thera-Weiterbildung sind übrigens: "Psychologe, M.Sc., systemischer Berater, systemischer Therapeut".
Psychotherapeut ist man - wenn man es sauber schreibt - nach einer Ausbildung nach dem Psychotherapeutengesetz, die man nur nach einem Psychologie-Studium (Ausnahmen: KiJu, dann muss die Bezeichnung immer genannt werden) oder Medizin-Studium machen kann (dann ist man ärztlicher Psychotherapeut. Oder Facharzt für Psychotherapie oder Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie.)