Beiträge von chilipaprika

    Die Wahrnemung, was Einzelfall ist und was nicht, hängt möglicherweise sehr von der Schulform ab und was man dort so erlebt. Viele meiner letztjährigen Schüler hatten hochseltsame Fehlstundenmuster, die sich mit "einmal am Tag vorbeischauen reicht der Behörde" zumindest erklären ließen. Von woanders kannte ich das so nicht.

    Und ja, mich ärgert das Verhalten auch, zumal man dieses ganz offen gelebte Ausreizen des Systems als Steuerzahler ja auch noch mitfianzieren darf. Wenn solche Schüler aufgrund ihres selbst zu verantwortenden Fehlverhaltens gehen müssen, halte ich das für eine Entlastung des Systems und nicht für einen Arschloch-Move.

    Dass es an der BK-Schulform aber Schultourismus gibt, hört man doch ständig. Betrifft es Neuankömmlinge statistisch höher? Oder ärgert man sich allgemein und wenn das einer im Duldungsstatus macht (warum auch immer man es weiß), fühlt man sich komplett betrogen?
    Ich meine: Bis ich eine Klassenfahrt organisiere (was ihr am BK kaum macht), weiß ich gar nicht, ob meine SuS deutsche Staatsbürger, Ausländer oder geduldet sind. Ich weiß höchstens, ob sie in den letzten Jahren angekommen sind.

    Wir sind doch die Berufsgruppe, die in der Wahrnehmung vieler in der Gesellschaft ständig krank und voll bezahlt bleibt, weil einige Einzelfälle in der Öffentlichkeit bekannt wurden und jede*r von uns Kinder im Umfeld hat, wo "gefühlt" "ständig" jemand ausfällt. Also sind alle verbeamtete Lehrkräfte Betrüger, die die Regeln ausreizen und denen gekündigt werden muss?

    Ich will damit an dieser Stelle aufzeigen, dass wir nicht vom 8jährigen Zweitklässler reden, genauso wie in den Medien beim Thema Inklusion immer die Schülerin im Rollstuhl gezeigt wird und eben nicht ESE.

    eine überwältigende Mehrheit der Gewalttäter sind Männer und trotzdem brauche ich nicht männliche Einzelfälle, um dann alle Männer einsperren zu wollen.
    Also: WAS willst du uns mit deinen Einzelfällen mitteilen?
    und: WAS willst du denn über DICH mitteilen, wenn du sowas machst? Dass du ein A... bist? (Wo wir wieder bei der Verallgemeinerung auf Männer wären?!)

    Ich spreche mal von Jugendlichen und nicht von Grundschulkindern: Da hätte ich kein Problem damit sie aus der Schule abzuholen, mit den Eltern zusammenzuführen und direkt in den Flieger zu setzen. Das würde wenigstens auf die Klassenkameraden den Eindruck machen, dass der Staat handlungsfähig ist und sich nicht auf der Nase rumtanzen lässt.


    Seitdem mir vor gut 2 Jahren einer meiner Schüler vor der ganzen Klasse haarscharf vorgerechnet hat was er sich alles in Deutschland erlauben kann ohne abgeschoben zu werden und Sozialhilfe zu kassieren, bin ich da auf der „Null Toleranz“-Linie. Sein Auffenthaltsrecht hing am Schulbesuch, er durfte maximal 30% der Zeit fehlen. Zudem hat er mir erklärt, dass das Ausländerant nur ganze Tage zählt. Wenn er also um 14:27 Uhr kommt und der Unterricht um 14:30 Uhr endet, dann war er an dem Tag da. Der hat das mir mit Excel vorgerechnet. Womit er nicht gerechnet hatte: Am letzten Tag vor den Sommerferien endete der Unterricht nach der 4. Stunde anstatt nach Stundenplan nach der 8. Stunde. Damit war die Grundgesamtheit der Unterrichtsstunden im Schuljahr kleiner und seine Fehlzeiten beliefen sich nicht auf 29,98% sondern auf 30,01%.

    —> Zurück in den Irak

    es ist nicht das erste Mal, dass du die Geschichte (oder eine ähnliche) erzählst, aber es gibt Sachen, sie widern mich beim 2. (3., etc..) Mal weiterhin an...

    Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, bedeutet, in vielen Familien ist die Mutter nachmittags zuhause.

    Stimmt, "Teilzeit" bedeutet nur vormittags...

    Laut Deutschem Jugendinstitut wohnen in einem Drittel der Fälle die Großeltern in unmittelbarer Nähe. Es sind also nur wenige Fälle, bei denen nachmittags wirklich gar kein Erwachsener zumindest mal ab und zu nach den Kindern schauen könnte.

    Rechne mal nach und überlege, ob
    - die "jungen" Großeltern ihren Job aufgeben müssen, um sich um die 6jährigen zu kümmern? oder
    - die "alten" Großeltern mit 70 sich um die 6jährigen kümmern sollen?

    In der Nähe bedeutet, dass man - bei guter Beziehung - vielleicht einspringt und unterstützt. Doch nicht, dass man 5 Tage die Woche kein eigenes Leben mehr hat.

    Zudem sollten wir nicht vergessen, dass es nicht nur das klassische 9-to-5 gibt. Wenn Eltern früh morgens oder spät abends arbeiten (Stichwort Schichtarbeit), bringt eine Gantagsbetreuung, die effektiv auch "nur" bis zum Nachmittag geht, nur bedingt etwas.

    Ist es jetzt ein Argument für noch längere Pflichtbetreuungszeiten?
    Für Regulierung von Arbeitszeiten (zum Beispiel Einschränkung von Ladensöffnungszeiten?)
    Für komplettes Aufgeben, weil man nie alle erreichen kann?

    Die Frage ist, was ist das optimale für dich und was ist das optimale für die Gesellschaft als ganzes. Am Ende trifft es dich dann auch wieder. Die Eltern, die ihre Kinder auf dem Gymnasium haben, brauchen sich erstmal keine Gedanken machen über Kinder an Brennpunktschulen.

    Du meinst, die Eltern in "guten Gegenden" brauchen sich erstmal keine Gedanken machen über Kinder an Brennpunktschulen.
    Es gibt Gyms in Brennpunktstadtteilen, die auch kämpfen, und es gibt Sek1-Schulen in sehr guten Gegenden, die überhaupt keine / kaum Probleme haben.

    Aber wenn die später von Sozialleistungen leben, müssen das ihre Kinder wieder verdienen.

    Wer ist "die", wer ist "ihre Kinder" ?

    Das wäre schön, ist aber halt nicht realistisch. Akzent hat neurologische und physiologische Gründe, den bekommt man auch durch Studium nicht in den Griff.

    Warum nicht?!
    Ich bin wirklich die letzte, die akzentfreie Sprache erwartet, aber es geht jetzt um "minimal".
    Ich mache gerne den Vergleich: Dass ich erst mit 25 erfuhr, dass es auf Englisch ein "H" gibt (und mit 19 auch auf Deutsch), ist keine Glanzleistung meines Schulsystems (obwohl meine Deutschlehrerin nach Aussage meiner Austauschschülerin akzentfrei sprach. Ich vermute, es bedeutet: nahezu).
    Aber als Sprachvorbild sollte man eben so nah wie möglich an der Realität sein. Und die meisten Sprachen haben eben viele Varietäten (und das sage ich als Französin gegen all meine universitäre Ausbildung, die meine Pariser Aussprache gerade noch duldete, die Aussprache aus Südfrankreich und "Afrika" aber hart bestrafte).

    mir fällt auf: mein Lehramtsstudium begann unter der Prämisse einer möglichen 6 Tage-Woche und Stundenpläne von 8-18 Uhr.
    Mmmm... lasst mich überlegen, wieviele von den ca. 30 Leuten noch Lehrer*innen sind.
    Meines Wissens drei. Und es sind die drei, die es in Deutschland geworden sind (und zwei davon sind Mütter im richtig traditionellen Familienmodell mit der möglichst kleinen Stundenzahl, die andere.. naja, bin ich). Zugegeben, einige haben die Prüfungen nicht geschafft, aber sowohl diejenigen, die an der Mittelstufe, als auch Oberstufe und Grundschule gelandet sind, haben gekündigt. Eine aus dem Jahrgang unter mir ist noch im System.
    Es liegt aber ganz sicher nicht NUR an den Arbeitstagen, zumal ich nicht weiß, ob sie tatsächlich samstags gearbeitet haben, das sind mittlerweile doch die wenigsten Schulen.

    ach, mit 18 sind die heutigen Jugendlichen genauso.
    Aber mit Mitte 20 haben sie einiges gemerkt. Die Abbruch- und Umstiegsquoten sind oft dem geschuldet. Vielleicht habe ich ein Ohr dafür, vielleicht bin ich in einem besonderen Umfeld, aber ich treffe ständig Leute, die nach dem Master of Education erstmal viel anderes ausprobieren (meine Nichte hat ZWEI Freundinnen, die ins Ref gegangen sind. Von der Lehramtsclique (über 10) sind alle (erstmal?) sonst woanders unterwegs), trotz MEd-Abschluss (zum Teil Doppelabschluss aus dem Grund).
    Von unseren Reffis berichten viele, dass sie erstmal keine Planstelle anstreben, weil sie doch unsicher sind und DIE Schule finden wollen.
    Natürlich gibt es auch die Anderen, das sage ich nicht!
    Aber mir kommt es so vor, als würden sich das viele gut überlegen. AUCH diejenigen, für die Lehramt der soziale Aufstieg mit Sicherheit war. und das finde ich bemerkenswert. (und für das System bedenkenswert)

    Fachkräftemangel 2026: Arbeitgebermarkt oder Arbeitnehmermarkt? | Sandra Lochmann

    Wir haben nicht dieselben Branchen im Umfeld.
    Ich wüsste nicht, wo die Auswahl in den sozialen Berufen so groß ist.
    Auch bei Technikern findet mein Mann keine Leute und das größte Problem ist: das Reisen. Deswegen ist er auch ständig auf der Suche, denn: Selbst wenn er welche gefunden hat, weiß er, dass es nur für 1-2 Jahre ist, bevor sie Leute "ins Werk" wollen (und/oder kündigen)
    und ich habe nicht gesagt, dass sie es auch durchsetzen, sondern dass es zu deren Erwartungen gehört. Dann fangen sie eben nicht die Ausbildung in dem Job / der Branche an, die es gar nicht mal in Aussicht stellt.

    Wieso wäre das überhaupt eine 6-Tage-Woche? Ich arbeite immer auch am Wochenende. Wenn ich samstags Unterricht hätte und dafür Dienstag frei oder jeden Tag nur 4 Stunden, würde ich die Unterrichtsvorbereitung halt zu einem anderen Zeitpunkt machen.

    Vom Studium hätte mich das jedenfalls nicht abgehalten, ich hab mit 19 sowieso andere Zielvorstellungen gehabt.

    Nicht beleidigt sein, aber ich glaube, du bist (so wie ich) echt ein Stück weit von 19.
    Die heutigen 19-25jährigen haben sehr gute Vorstellungen von einer 4-Tage-Woche oder 70% Home-Office.
    Da ist eine 6-Tage-Woche mit je wenig-Stunden noch kein Konzept, das sich nach "Umverteilung der Arbeitszeit" anhört, sondern "freitags abends habe ich die und die Veranstaltung, nee, auf keinen Fall".
    und das meine ich nicht altklug und despektierlich, sondern voller Zustimmung.

    Der obere Teil ist für mich und die Kolleginnen, die ich kenne (sind wie erwähnt im Grundschulbereich nicht so viele mit dem Fach) eigentlich selbstverständlich. Kennst du da tatsächlich Gegenbeispiele?

    Leider aus meiner Zeit an der Uni ja.
    Ich schließe nicht aus, dass Menschen eine Entwicklung durchmachen und es dann anders sehen.
    (Allerdings ist es mit der Planstelle schwieriger, mal schnell für ein paar Monate ins Ausland zu hüpfen)

    Und zur Klarstellung: diese "Haltung" (ich brauche keine Uni, ich habe Abitur und kann es schon alles) ist in meinem Gefühl auf alle Lehrämter verteilt. Die anekdotische Evidenz, dass es bei den Grundschulleuten häufiger war, resultiert vermutlich davon, dass sie mehr Fächer haben und die Koordination dann schwieriger wird, bzw. viele (am Anfang) nicht verstehen, dass es bei Sprachen überhaupt nicht darum geht, "genug Vorsprung" zu haben, sondern ein (sehr hohes!) Mindestniveau zu haben und mehr als nur die Sprache zu beherrschen.
    Mein Gefühl ist, dass es zwar bei allen Sprachen so ist (ich habe schon sehr problematische Fälle unter meinen Referendar*innen gehabt), aber in Englisch am höchsten diese "Scheinsicherheit" immer weiter wächst. Ein bisschen wie dieser "Digital natives"-Narrativ. Ja, die Generation kann Tiktok und Handy, aber nicht automatisch Textverarbeitung, Programmierung und Reflexion des Umgangs, genauso: ja, diese Generation kann Pop auf Englisch singen, Netflix auf Englisch rauf und runter, kann "relaten", "by the way", "didn't see that coming", usw.. aber ein Abizeugnis (und manchmal ein Hochschulabschluss) ist bei weitem nicht ausreichend, um Kultur und Sprache beizubringen, sowie Spracherwerb zu steuern.

    Für Leute mit großem Haus ändert es sich vielleicht zum Negativen, das kann ich nicht beurteilen.

    umgekehrt, würde ich sagen.
    Ich profitiere - wenn ich keine massiven Krankheitsausfälle geltend mache - sehr stark von der neuen Regelung, weil mein Arbeitszimmer, im Vergleich zur Wohnfläche des Hauses, und das obwohl es ein normal großer Arbeitsraum ist, zu klein ist (weswegen meine Sammlung auch zusätzlich im Nachbarraum und im Keller ist ..)
    Irgendwie komme ich mit der bisherigen Berechnungsmöglichkeit auf 900 Euro, jetzt auf eben 1260 Euro.
    Ich weiß allerdings nicht, ob ich neue Möbel irgendwann kaufen und absetzen darf. Aber zur Zeit habe ich eh schon alles und ich versuche, für jeden Buch-Kauf einen Medimops-Verkauf zu machen. (Klappt mäßig)

    und die Aussprache der Lehrkraft ist mit deutschem Akzent,

    Vielleicht ist das auch ein Teil des Problems..

    Tukan schrieb auch

    Gäbe es so viele studierte Englischlehrer/innen wie Sachunterrichts- oder Religionslehrerinnen, würden sich die Effekte endlich auch noch mehr flächendeckend einstellen, denke ich...

    ich ergänze: ... und diese auch ihren Auftrag gut verstehen (also diejenigen, die dann denken "ich hatte es im Abi, es reicht, die Uniseminare und der Auslandsaufenthalt nerven", aussortiert werden), dann wäre es tatsächlich sehr gut.

    Wenn das Land sich damit begnügt, Menschen, die 30 Jahre nach dem Abitur gezwungen worden sind, schnell einen 2-Wochen-Kurs zu machen, einzusetzen (also noch: teilweise, aber an einigen kleinen Grundschulen ist es womöglich flächendeckend der Fall), dann wird es nicht besser.

    Ja, gibt es, aber warum sollten sich das die SuS "antun" (Kosten und spezifische Vorbereitung), wenn das (angebliche) Niveau eh auf dem Abizeugnis steht?
    Bei uns wird die AG nicht jedes Jahr angeboten (machen nur übermotivierte Reffis) und die Anzahl an Teilnehmer*innen ist sehr klein. Kann ich beim Preis echt verstehen, ich bin echt schockiert, dass DELF die Preise auch so stark angehoben hat.
    Wann braucht man denn sonst ein (Cambridge-)Zertifikat?

    Das kann sein.
    Aber ich bin definitiv nicht im schlimmsten Gebiet der Republik und zwischen passiv und aktiv (aktiv richtig) liegen doch oft Welten.
    (und meinetwegen wäre es MIR total egal, wenn es transparent und klar wäre, dass es zu einer sprachlichen Begegnung geht, usw. Dafür ist aber natürlich das Fachstudium der Lehrkräfte zu schade. Nur haben die meisten eben dieses Sprachstudium nicht bzw. können nicht all die schlauen Sachen anwenden, weil die Kinder in Klasse 3 noch stark damit beschäftigt sind, Deutsch in einem Tempo zu schreiben, das angemessen ist, und das auch noch richtig. Es ist auch okay, den Kids nicht sofort mit der Notenkeule zu kommen und 5er zu verteilen. Erst recht nicht, wenn die Lehrkraft kein th aussprechen kann.

    Wie gesagt, Lügen kommt wirklich nicht in Frage. Ich ärgere mich gerne über die Situation, optimiere vielleicht gerne etwas, halte mich aber wirklich immer brav an Regeln. Gewisse Leute mögen sogar das als Problem ansehen, aber eyh. Ich wurde in der Krankheitszeit nicht nur weiterbezahlt, sondern hatte auch keine laufenden zusätzlichen Kosten für ein Arbeitszimmer, das ich jetzt auch nicht absetzen könnte.
    Betrug liegt mir ferne, und noch weniger an staatlichen Einnahmen.
    Karma.

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