Beiträge von chilipaprika

    arbeitest lehrplan- und leitlinienkonform und bietest Unterstützung an wenn du was siehst (laut Leitlinie fallen Traumatisierungen nach der Familie am häufigsten in der Schule auf) oder alternativ lässt du halt alles weg und bist "traumasensibel"...

    es kommt bei mir ein Unterton rüber, als sei "traumasensibel" ein Schimpfwort bzw. absurd.
    Natürlich kann man nicht alle Themen ausklammern. Wir MÜSSEN über Krieg reden, wir MÜSSEN/SOLLEN aufklären... aber muss es mit Details sein? Kann es nicht sachlich sein? Ich fände es genauso absurd, eine detaillierte Szene vom Sterben durch Folter / in der Gaskammer zur Literaturanalyse zu nehmen.
    Und Sensibilität ist für mich auch ein bisschen wie Barrierefreiheit und alle Möglichkeiten mitdenken, in der Regel profitieren Alle, auch die (vermeintlich) Nicht-Betroffenen.

    und in den Fremdsprachen (Achtung, nur Vermutung, weil "meine" FS eh ein anderes Niveau hat und ich das letzte Mal 2016-2018 dran war) finde ich es super schwer, was das Sprachniveau angeht. 0 Punkte wird man nicht geben, wenn jemand auf A2-B1-Niveau ist, erst recht, wenn es sogar halb fehlerfrei ist, obwohl es C1 sein sollte.
    Und dann summieren sich Punkte und Punkte.
    Wenn man bedenkt, dass die 4 das C1-Niveau (oder ähnlich, je nach Sprache) bescheinigt, eine Unverschämtheit. (Sowieso, weil der ERR ja das SPRACHniveau prüft und nicht durch Argumentationsfähigkeiten oder inhaltliche Kompetenzen beeinträchtigt sein sollte)

    Das war doch früher auch nicht viel anders, man konnte im Zweifel die Gedichtinterpretation nehmen, dazu brauchte man nur die Stilmittel wissen, die man irgendwann mal erarbeitet hatte. Oder erinnere ich das falsch?

    Einerseits weiß ich nicht, wie es "früher" war, da ich nicht "da" war, andererseits: Auch für ein Gedicht braucht man Kontextwissen. Und seien wir mal ehrlich: Obwohl Gedichtanalyse hauptsächlich Handwerk ist, machen das die wenigsten SuS freiwillig. Also zumindest nicht die faulen schwachen. (Dafür verstehen sie die Hälfte der Wörter nicht. und die Stilmittel kennen sie auch nicht).
    Der neue Aufgabentyp IV gibt denen eine wirkliche Scheinsicherheit. und das Gefühl (das fast wahr ist), das könne man auch, ohne jemals im Unterricht gewesen zu sein. Ich bin sicher, meine guten 10.-Klässler*innen schaffen die Abituraufgabe im noch befriedigenden Bereich.

    Aber eyh, ich wusste zugegeben auch vor den Abiturprüfungen zu 90%, dass ich den Textkommentar nehme, weil ich den Aufsatz "auf französische Art" echt schwieriger fand (das fanden auch 70%...). Ich habe es glaube ich in Geschichte, Erdkunde, Französisch, und Philosophie durchgezogen. Glaube ich... (Die Fremdsprachen in Frankreich kennen solche Formate gar nicht, das Niveau ist deutlich geringer). Ich glaube, nur in Literatur fand ich den Aufsatz doch zu ansprechend und habe es mir also zugetraut.

    Physik (und Chemie) nehmen aber vermutlich eben nur diejenigen, die eh gut sind?
    Bio gibt eher den Eindruck, die leichte NaWi zu sein. (Ich werde nicht dagegen / dafür argumentieren können, mir war es umgekehrt so, dass Bio mir zu Laberfach war und ich mit Physik klarer kam - Achtung! Auf dem Niveau der Mittelstufe, ich hatte danach keine NaWis mehr, weil ich entweder alle oder keine hatte)

    Okay, peinlich, ich hatte noch nicht gesehen, dass Montessori raus ist :( wein (ich habe seit 6 Jahren kein Päda gehabt und steige wieder in die Q1 ein).

    Wie nehmen eure Schüler:innen die NW Fächer als Abifach wahr (schwer/ leicht) und wie beliebt sind diese? Bei uns werdern sie nicht so oft angewählt. Wir haben dafür halt gerade in den sprachlichen bzw. gesellschaftwissenschaftlichen Fächern ein "Hoch"

    Die schwammige Note in Päda erreicht man zwar mit blabla (Strukturiertes Wiedergeben und nicht komplett doof sein), ABER: für gute und sehr gute Noten muss man schon sehr viel lernen.
    Von Schüler*innen weiß ich: lerntechnisch ist Päda/Bio wohl der Horror.
    Päda wird dann tatsächlich bei uns immer weniger angewählt (LK kommt leider immer weniger zu Stande. Im Vergleich ist der LK nämlich viel besser als der GK), es hat aber mit einer seeeeehr starken Geschichtsfachschaft zu tun. Keine Ahnung, ob man dort viel lernen muss.

    In Englisch ist eine inhaltliche Vorbereitung für die Abiturklausuren mittlerweile faktisch obsolet.

    Wie mir die letzjährigen Abiturient*innen nach dem Abitur, als ich gefragt habe, was dran kam, ist es in Deutsch genauso. (Ich bin ja erst "dieses Jahr" dran).
    Fast alle Schreibenden wussten von Anfang an, sie nehmen die Klausur mit Aufgabentyp IV, Materialgestütztes Schreiben, man brauche nicht dafür zu lernen. (und haben es auch nicht getan)

    Gymshark

    zum Glück hat die Sek1 einen eigenen Lehrplan und wir arbeiten nicht thematisch à la (provokant) "Vorbereitung auf das Thema Vergewaltigung", sondern zum Beispiel nach Genres. Und die Abiturvorgaben wechseln ja alle paar Jahre. Es wäre also nicht sinnvoll, den Unterricht einer 10. Klasse nach solchen Kriterien auszurichten.
    Natürlich gibt es in fast allen klassischen Lektüren irgendetwas Schwieriges. Und natürlich muss man durch. Trotzdem kann ich ausweichen, wenn ich Kenntnis von Gründen habe.

    Aber mir ging es darum, dass ich damit leben/ungehen muss, dass es eine Pflichtlektüre ist. In der Sek1 kann ich ja versuchen, lerngruppengeeignete Texte zu finden, die auch ich okay finde.

    Beim Abitur habe ich keine Wahl und muss mit der Wahl von XY leben und das beste daraus machen. Ich habe hier ein paar Punkte gelesen (die ich zum Teil auch hatte), halte aber weiterhin die Auswahl für schwierig.

    und wie soll man - jenseits der Themen ! - Spass an Literatur bei der Sprache und dem Aufbau vermitteln.
    Ich bin zwar keine Muttersprachlerin, muss aber jede dritte Seite ein Wort nachschlagen. Meine SuS werden nie im Leben diesen ganzen Gärtnerei- und Landwirtschaftswortschatz nachschlagen.
    (Ich musste noch bewusst in Google suchen, damit mir angezeigt wird, was eine Scholle - jenseits des Fischs - ist.
    3 SuS von meinem Kurs fragten in der letzten Klausur nach, was eine Nachtigall ist. "Nur" drei. Die anderen haben zugehört, während ich die Antwort gab. Oder erinnerten sich, weil das Wort in der Vorstunde schon fiel. Wem die Nachtigall ein Problem ist, wird mit den Verben der Pflanzenpflege richtig Spass haben.)

    genau das.
    Mir ist es tatsächlich egal, dass ich nur eine von 2-3 Fächern (oder das einzige) bin, wo der jeweilige Schüler ein Heft haben muss.
    In der Mittelstufe gibt es immer mehr, die Hefte wollen und wenn ich mich im Lehrerzimmer umhöre, dann gibt es auch einen Großteil, der zwar das iPad erlaubt, aber eigentlich dagegen ist (ich spreche nicht vom Zwang der digitalen Lizenz, sondern vom Heft). Mensch. Wenn man sich in dem Punkt einer Gruppe von 8-Klässler*innen nicht durchsetzen kann, weiß ich auch nicht...)

    ich habe es auch letztens gelesen, und für mich selbst auch für unnötig gehalten, ABER: ich vermute, die meisten verstehen unter "Triggerwarnung" vor einer Lektüre / Filmvorführung sowas wie "wenn Gesprächsbedarf oder das Bedürfnis, rauszukommen, entsteht, dann los / gerne"
    (Habe ich zum Beispiel bei Napola gemacht. Natürlich haben wir viel darüber gesprochen, aber ich habe auch offen gelassen, ob jemand weggeht und sich das nicht anschaut.
    Zugegeben: Erst im letzten Durchgang, weil im Durchgang davor mich eine Mutter anrief und meinte, es sei zuviel für die Tochter, sie möchte das Ende vom Film nicht mehr gucken. Also habe ich den Unterricht umgedreht.)

    Ich habe nach zwei Doppelstunden in einem Kurs gesagt, dass ich Papier/Heft verpflichtend mache. Ich drucke auch alle Materialien.
    Ist schade, aber die Einstellung zu Beginn und Ende der Stunde, dass alle Apps gesperrt werden, außer die Notizenapps, die natürlich nicht einheitlich benutzt werden, nervt mich UND ich glaube an das handschriftliche Schreiben, das Markieren von Texten, und nicht dieses langsame Tippen mit digitaler (!!) Tastatur (nur 2/3 haben einen Stift dabei..), das Reinzoomen mit zwei Fingern, so dass man nie den ganzen Text (nicht mal ein Gedicht!) vor Augen hat, nee ...

    Und komischerweise sind die Antworten von zwei Schüler*innen so dermaßen schlechter geworden, dass ich meine Bestätigung hatte. Das sage ich auch ganz offen. Wer doch das iPad vor sich hat, nimmt das Risiko, dass ich im Zweifel glaube, er habe nicht selbst gedacht.

    Ich glaube, mein größtes Problem gerade - Reflexion / Erkenntnis des Vormittags - ist nicht der Umgang mit Schüler*innen. Ich unterrichte auch das Fach Pädagogik, für einzelne Themen habe ich auch Triggerwarnungen ausgesprochen (Erziehung, Gewalt, NS-Erziehung, ...), auch mal gelegentlich in Deutsch oder SoWi (Gewalt, soziale Ungleichheit..), aber mich triggert es gerade total, weil ich das Gefühl habe, meinen Job nicht ausführen zu können. Deutsch war gerade der erklärte Safe Pace. Ich dachte, ich könne auch wieder Päda unterrichten und ich breche gerade in der Unterrichtsvorbereitung voll in Selbstzweifel, fühle mich je nach Thema illegitim und unqualifiziert. Weil es MICH triggert und ich kann nicht raus und den SuS sagen, sie sollen es alleine erarbeiten.
    Ich bin Profi und werde es schaffen - hoffentlich - , aber irgendwo bedürfte es zum Teil einer Supervision.

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