und jetzt eine persönliche Erfahrung einer gesamtschulisch erfahrenen Schülerin (und zwar REALE Gesamtschule).
Ich kannte es nicht anders, und deswegen habe ich mir nie darüber Gedanken gemacht. In Deutschland angekommen fand ich das dreigliedrige Schulsystem und alle "Fehlentscheidungen" (Reproduktion sozialer Ungleichheit, Habitus...) furchtbar.
Und ich weiß nicht, wo ich, Arbeiterkind mit leistungsorientierter Mutter, gelandet wäre, aber: schon in der Schule (so 9./10. Klasse) konnte ich sagen, dass ich in der 6. Klasse absolut REIN GAR NICHTS gelernt habe. das bisschen Mathe hätte ich in 3-4 Wochen aufgeholt, nur Deutsch war neu. Das Jahr hat nur als Beweis dazu gedient, dass die Schulleitung am Ende doch die Deutschschüler*innen nicht auf alle Klassen der Schule aufpatscht, "um Elitenbildung zu vermeiden". Ich saß mit SuS, die keinen Satz ohne Fehler schreiben konnten. Die Stifte durch die Gegend warfen. Die die Lehrer*innen beleidigten.
Rückblickend war es selbst bis zum Abitur solala, wer alles in den Klassen saß und bis zum Abitur kam. Aber Jahr für Jahr wurden die Klassen neu gebildet, nach der 7. Klasse gingen einige in die Klasse ohne 2. Fremdsprache über. und langsam war das Leben in der Schule ein bisschen einfacher.
Ich habe erst Jahre später verstanden, dass mein Sitznachbar (echt nett und lieb aber nicht der "intellektuellste", nicht scherzt, wenn er sagt, er habe 2 Stunden an einigen Übungen gesehen, die ich ohne Übertreibungen in 5 Minuten runtergeschrieben hatte. (und ich hatte Schule bis 16 Uhr 30. JEDEN TAGE der 4 Schultage) Warum? Er hat berufliches Abitur gemacht und in der Oberstufe aufgeblüht, wo er viele mathematisch-technische Fächer hatte. Warum hatte er nicht ein Jahr mehr Mittelstufe (bzw. ich ein Jahr weniger?)