Ich bin die erste Lehrerin in direkter Linie in meiner Familie (und vermutlich die letzte :-D) und meine Generation ist auch die einzige, wo es Abiturient*innen gibt, aber relativ wenige.
Mein Vater hat sowas wie eine berufliche Fachhochschulreife, meine Mutter keinen Schulabschluss, aber eine Ausbildung als Sekretärin.
Mein Vater kommt aus einer Eisenbahnerdynastie, die aber - historisch gesehen einigermaßen verständlich - mit ihm und seinen Brüdern endet. Davor waren alle Männer "Rollende" (Lokführer und Mechaniker), fast alle Frauen Schrankwärtinnen. Diese doofe Automatisierung hat mir also die Karriere kaputt gemacht
Dass sie in der Familie alle bei der Bahn waren, ist auch logisch erklärbar: alle Eisenbahnerfamilien lebten in der Eisenbahnersiedlung. Mein Großvater und meine Großmutter kannten sich also schon vom Vorschulhof. Meine Onkel sind auch die "rollende Familie" gegangen, mein Vater ins Büro, der Verräter...
Meine Mutter kommt aus einer Familie von Bauern auf der Flucht, also haben alle irgendwas gemacht, um zu überleben. Da keiner einen richtigen Schulabschluss hat, auch nichts an richtig anerkannten Berufen...
Ich finde auf Anhieb die Studie nicht, aber ja, der Lehrerberuf ist DER Beruf des sozialen Aufstiegs, sieht man auch wieder an der 2. Generation der Migrant*innen. Das und die klassischen Beamtenstellen (nicht unbedingt sehr hoch). Mich zerreißt es regelmäßig das Herz, wenn sehr gute Abiturient*innen mit Migrationshintergrund, die mir seit Jahren erzählen, dass sie Jura, Mathe, BWL oder was auch immer studieren wollen, zum Finanzamt gehen und dann auch sagen "Papa möchte es lieber so", "Meine Eltern sind dann glücklich, sicher ist sicher".
Meine Eltern haben keinen Respekt vor meinem Job, es war aber deren Wunschvorstellung, weil eben DER Aufstieg. Alle anderen (darüber hinausgehenden) Ambitionen haben sie schön ins Keim erstickt. Das konnte ich erst Jahre später reflektieren und sehen, was sie alles bewusst/unbewusst "sabottiert" haben, Lehrerin sein war gut genug für mich, da wollte man kein Risiko nehmen.
Drei Cousins (aus über 30...) sind auch Lehrer geworden, genau aus dem selben Grund. Zwei davon haben es aber nach ein paar Jahre quittiert. Der einzige, der es noch ist, ist Berufsschullehrer, nach einer guten, braven Ausbildung.