Generell dachte ich als Kind, dass es "nur" evangelisch und katholisch gäbe.
Ich wiederum habe lange gebraucht, um zu erfahren, dass es überhaupt Protestanten / Evangelen gibt. Irgendwann in der Pubertät habe ich durch meine Schwester, deren Schulfreundin die Tochter des Pastors war, erfahren, dass eine Gruppe Menschen, die nicht mal eine richtige Kirche hat, sich in einem gemieteten Raum im Rathausgebäude trifft.
Tja, anderes Land, andere Sitte. Meine Stadt hatte mehr "Moscheen" (also islamische Treff- und Gebetsorte) als evangelischen Gebetsräume (=einen).
Ich "bin" katholisch aufgewachsen und war immer sehr irritiert, warum der Gottesdienst bei meiner Oma anders war, als der Gottesdienst, wo wir vom Katechismus hingingen. "Unsere" Kirche war auch ein modernes Gebäude ohne viel Farbfenstern, was ich bis heute traurig finde (weil ich Kirchenfenster liebe und schon alleine nur deshalb gerne zu Notre-Dame gefahren bin), die Kirche meiner Oma eine gothische Basilika... für mich war also das eine richtige Kirche. Kindergedanken, aber durchaus mit Wertung von Erwachsenen...
Einer der Höhepunkte meiner religiösen Sozialisation war wohl, als wir beim Katechismus (Reliunterricht) Geld für den Bau einer nahgelegenen Kathedrale gesammelt haben. Damals noch brav hielt ich es für eine tolle Sache, ich kann mich aber erinnern, dass viele "ältere" Menschen es für ein Unding, wie sie aussehen sollte (tatsächlich gar nicht wie eine Kirche, noch weniger wie eine Kathedrale). Und obwohl ich schöne Kirchen vom Betrachtungswert mag, fand ich es seltsam, dass das Aussehen des Gebetsorts scheinbar wichtiger sei als die Tatsache, dass man zusammen sei.
und im Hintergrund schwingte eh die Polemik mit (irgendwie hat man sowas immer mitbekommen, bzw. ich habe es auch im Nachhinein viel detaillierter mitbekommen), dass es um einen "Kampf" mit dem schon begonnenen parallelen Bau der einen Moschee (also diesmal kein Gebetsraum, sondern einer richtigen Großmoschee mit Minarett) ging.
Mein Bruch mit der Institution ein paar Jahre später hatte wenig damit zu tun, aber es blieb schon ein Beigeschmack.
Für mich ist und bleibt einiges vom Christentum / Katholizismus (ich kann ja nicht für andere Konfessionen sprechen, sowieso schon kaum für den Katholizismus an sich) mit der Lehre meiner Oma verbunden. Und da wundere ich mich immer wieder über alle Auswüchse aller Parteien mit einem C im Namen, aber auch so vieler Menschen, die mit der Institution verbunden sind. Meine nächsten- und menschenliebende Oma, die ihr letztes Hemd für jeden gegeben hätte, so oft nicht genug zu essen hatte, weil sie mit Anderen geteilt hat, mir das Pater Noster und das Ave Maria (hat man kaum gelernt, aber ihr war es wichtig) beigebracht hat, sie war noch vor ihrem Tod so traurig über die Entwicklungen. und ihr war es egal, dass die Messe nicht mehr auf Latein war. Ihr war es nicht mehr so wichtig, dass meine Schwester keine Kommunion gemacht hat und ich einen Evangelen, und das noch ohne Kirche heiraten würde: ich war glücklich, ich bin / wir sind (ihrer Meinung nach) gute Menschen geworden, die sich um ihre Nächsten kümmern, DAS war ihr wichtig.
(und obwohl sie nicht wenig Münzen in meine Kollekte für die Kathedrale reingeworfen hat, hat sie nie auch nur einen Schritt dahin getan
)