Danke kalle!
Ich finde, es wird einfach viel zu oft vergessen. Klar spielt Fleiß eine Rolle bei der Abitur- oder Durchschnittsnote. Aber ein nicht zustande kommender LK kam viel Einfluss auf die Endnote haben. Wer musisch-künstlerisch gut ist, freut sich über einen besonderen LK, hat aber vielleicht Pech und doch keine Wahl und muss Geschichte nehmen.
Viele Schulen sind zu klein, um alle Fächer anzubieten und für einige Schüler*innen macht es doch einen Unterschied, ob man Erdkunde oder Pädagogik, Bio oder Physik wählt.
Ich sage "gerne", dass mein Abitur komplett ohne Mathe und NaWi ist. Ganz stimmt es nicht, ich hatte insgesamt 3 Stunden die Woche für Mathe, Bio, Physik und Chemie zusammen. Anteil am Abitur: ca. 6%, ein Fach wurde 3 Wochen vorher ausgelost. Ich war sehr gut in Mathe (zumindest für dieses Niveau, davor aber eigentlich auch), ich habe eine 1,0 in Mathe/NaWi auf dem Zeugnis. Wäre Bio oder Physik/Chemie gelost worden, hätte ich mich über eine 3,0 freuen können...
War mein Abitur zu einfach, weil ich keine mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung hatte? Vielleicht. Aber dafür hatte ich 8 Stunden Philosophie die Woche, 4 Fremdsprachen, zwei davon wurden schriftlich und mündlich geprüft, die zwei anderen nur schriftlich, zusätzlich die Muttersprache schriftlich, mündlich plus noch dazu Literaturwissenschaft als Fach. Hinzu natürlich noch ein paar Fächer (es wurde in jedem Fach eine Abiprüfung abgelegt). "Mein" Abitur gilt / galt als das "Mülleimer-Abitur", das jeder macht, der kein Mathe kann. Kann sein. Aber 3-4 Fremdsprachen muss man aber auch können.
Sind meine Schüler*innen doof, die kein Französisch können? Nö. Einige sind stinkefaul und _könnten_ es, wenn sie arbeiten würden. Einige sind durchschnittlich aber nicht unbedingt super talentiert, andere sind einfach sehr gut. und einige sind sehr gut, entscheiden sich aber für einen anderen Schwerpunkt.
Jeder von uns, der zwei Fächer in "unterschiedlichen Bereichen" hat, kennt es: wie ein Schüler in einem anderen Fach ganz anders wirkt. Das hatte ich gerade dieses Jahr im Abitur. Ich hatte einen Drittel des Jahrgangs in der zweiten Fremdsprache unterrichtet: und bei den allermeisten war deren Entscheidung abzuwählen die beste ihrer Laufbahn. Menno haben wir uns in der Sek1 aneinandergerieben.
und dann treffen wir uns in sozialwissenschaftlichen Fächern wieder und sie sind gut. Sehr gut. Argumentativ, analytisch, in der Lage, viele Verknüpfungen zwischen Theorie und Fall herzustellen, sie können Empfehlungen formulieren. Ein richtiger Genuss. und eine richtige Freude, dass diese Schüler*innen durch den jeweiligen Schwerpunkt ihren Weg gefunden haben. Sozial- und Geisteswissenschaften sind am AG möglich. Wenn sie lieber einen wirtschaftlichen Schwerpunkt gehabt hätten, wäre der Weg zum BK um die Ecke auch schön gewesen.