Beiträge von Sarek

    Meine Eltern haben als Kind den Krieg miterlebt und vor allem die schlechte Zeit danach. Meine Mutter erzählte häufig, wie sie statt Butter Kartoffelbreiauf ihr Pausenbrot geschmiert bekam oder dass sie im Winter die Hände nicht in den Taschen des Mantels aufwärmen durfte, weil sonst die Taschen ausbeulen würden. Mitgenommen habe ich aus ihren Erzählungen die Nichtverschwendung von Lebensmitteln. Gerade Brot mit seiner Symbolkraft. Es tut mir verdammt weh, ein Brot wegwerfen zu müssen, weil es anfängt zu schimmeln. Wobei ich die Beobachtung gemacht habe, dass seit Jahren bei mir Brot gar nicht mehr schimmelt. Früher kam das immer wieder mal vor, mittlerweile extrem selten (alle paar Jahre einmal).

    Sarek

    2003! Ja der Jahrhundertsommer. Ich hatte meine Planstelle bekommen, an der Schule, wo ich jetzt immer noch bin. Viele neue Aufgaben sind hinzugekommen, dafür sind andere Aufgaben mehr und mehr zur Routine geworden. Ich stelle gerade fest, dass ich eine normal gute Seminararbeit inzwischen in drei Stunden durchkorrigiere und nicht mehr einen ganzen Arbeitstag dafür benötige. 😀

    Sarek

    Chemie hatte ich als Schüler in der Oberstufe abgewählt und hatte von organischer Chemie null Ahnung, als ich ins Studium ging. Ursprünglich nur Biologie, wo die große Angst die Mathe-Klausur gleich im ersten Semester war. Man durfte alle Unterlagen in die Klausur mitnehmen und verwenden und musste nur ein Drittel der Punkte schaffen. Trotzdem fiel jedes mal ein Drittel durch. Ich rettete mich mit meinen Schulkenntnissen aus Mathe und schaffte sie noch. Der andere Hammer im Biostudium war das Praktikum in organischer Chemie mit den Klausuren. Die Vorlesung „mathematische Grundlagen der Thermodynamik“ besuchte ich beim ersten Mal und dann nie wieder, weil ich nichts kapierte.

    Als fertiger Biologe entschloss ich mich zum Wechsel auf Lehramt und holte das Chemiestudium nach. Die Praktika aus dem Grundstudium für Biologen wurden mir anerkannt. Also Zwischenprüfung und dann ins Hauptstudium. Dort spielte Mathematik gar nicht mehr die große Rolle, wobei mein Glück war, dass ich die physikalische Chemie im Staatsexamen weitgehend ausklammern konnte.

    Im Unterricht finde ich die Mathematik nicht so wild. Das anspruchsvollste ist mal in der Oberstufe der Ansatz fürs Massenwirkungsgesetz, der in einer quadratischen Gleichung endet. Das Herleiten der Gleichungen aus dem Massenwirkungsgesetz finde ich spannend und es ist mittlerweile Routine und der Rest ist alles Auflösen von Gleichungen.

    Was ich erst im Studium kapiert habe und nun auch meinen Schülern vermittle, ist die Einstellung. Als Schüler: ich habe es nicht kapiert, hoffentlich kommt es in der Prüfung nicht dran. Als Student: Ich habe es nicht kapiert. Was muss ich machen, damit ich es kapiere?

    Sarek

    Ich finde auch nur wenige Veranstaltungen schlimmer als solche, wo ich auf lauter fremde Menschen treffe und mich mit denen unterhalten soll. Im Unterricht oder auch auf Elternabenden ist das kein Problem, weil ich da in meiner Lehrerrolle bin und im Prinzip mein Programm abspule, meine Show abhalte und das häufig auch geniße. Auch Elterngespräche laufen problemlos ab. Es ist mir aber z.B. ein Graus, am Wandertag mit Schülern ins Gespräch kommen zu müssen. Vor allem am Anfang des Jahres, wenn ich die Schüler noch nicht kenne. Oder Elternstammtische. Im Privatleben habe ich meinen Freundeskreis, bin ansonsten aber eher introvertiert und habe am liebsten meine Ruhe und gehe nur selten weg.

    Unabhängig von alledem komme ich im Lehrerberuf sehr gut zurecht.

    Sarek

    Ich komme mir gerade vor wie in der Oase der Glückseligkeit. Ich habe in meinen 20 Jahren Lehrerdaswin noch nie Gewalt erlebt, weder physisch noch psychisch. Bei uns im Kollegium habe ich auch nichts in dieser Richtung miterlebt.

    Sarek

    Seit bald 18 Jahen hänge ich jede Woche einen Cartoon von Uli Stein oder Ralph Ruthe an die Tür meines Fachraums, damit die Schüler was zu lachen haben, wenn sie vor der Tür stehen und warten, dass ich aufmache. Der Fundus ist mittlerweile groß genug, dass ich genügend Cartoons habe für einen kompletten Schülerdurchgang bis zum Abitur.

    Sarek


    Irgendwie stelle ich mir eine bayrische Seminarschule mit 20 neuen Reffis zu Jahresbeginn vor, die nach den Herbstferien ganz viel übernehmen, und dann zu Februar verschwinden (und die nächsten Reffis kommen doch erst im nächsten Schuljahr, oder?)

    Beim Gymnasium ist es so, dass die Referendare nach den Herbstferien ihre Klassen übernehmen und diese bis zum Halbjahr wie beschrieben unterrichten. Wenn sie nach dem Halbjahr in ihre Einsatzschulen wechseln, kommen dafür die Referendare des Oberseminars (also "die großen") zurück an die Seminarschule. Bisweilen führen sie diese Klassen weiter oder übernehmen andere. Wenn die Klassen nicht mehr vom Referendar unterrichtet werden, übernimmt wieder der Betreuungslehrer (also der eigentliche Lehrer) die Klasse in seinem Fach.

    Wir hatten bei uns bis vor einigen Jahren Seminare mit bis zu 28 Referendaren, aktuell sind es um die 15, im nächsten Schuljahr werden es wohl unter 10 sein. Allgemein gehen die Referendarszahlen fürs Gymnasium in Bayern deutlich zurück.

    Sarek

    Ausbilder am Studienseminar haben keine Personalverantwortung und werden mit A15 besoldet.

    Bei uns in Bayern sind ja die Studienseminare und die Ausbilder an Ort und Stelle in den Seminarschulen und die Seminarlehrer unterrichten neben der Seminartätigkeit auch selbst weiterhin. Wir Seminarlehrer sitzen auf A15-Positionen mit der Begründung, dass wir Personalverantwortung haben. Die Referendare zählen zum Personal und wir sind für sie verantworlich. Auch durch unsere Notengebung bei den Prüfungen im 2. Staatsexamen und die Beurteilungen der Referendare.

    Zur Ausgangsfrage: Ich bin auch Lehrer geworden, weil mir die Mischung aus Präsenzunterricht und dem Homeoffice am Nachmittag gefällt. Während der Corona-Schulschließung habe ich den Präsenzunterricht herbeigesehnt. Mir hat die Interaktion mit den Schülern und mit meinen Kollegen, unter denen ich einige sehr gute Freunde habe, gefehlt. Außerdem finde ich es ganz schön, wenn mir durch den Stundenplan teilweise die Struktur des Tages vorgegeben wird. Ich fand es bisweilen anstrengend, Tag für Tag nach dem Aufstehen den Computer anzuschalten, mich vor den Bildschirm zu setzen und neues Online-Unterrichtsmaterial zu erstellen. Beim Präsenzunterricht war klar, dass ich zur bestimmten Uhrzeit in der Schule sein muss, und dementsprechend habe ich mich strukturiert. Im Homeoffice musste ich mich jeden morgen selbst zur Arbeit motivieren und ich fand die Tätigkeit auf Dauer recht eintönig. Ich kann mir für mich keinen Beruf vorstellen, wo ich den ganzen Arbeitstag nur am PC verbringe, egal ob im Büro oder im Homeoffice.

    Sarek

    Da ich gerne alleine bin und vor allem kein Fan von großen Veranstaltungen, hat sich für mich kaum etwas geändert. Einkaufen normal, halt mit Maske. Aber die 10 Mimuten im Geschäft sind kein Problem. Mit Freunden und Kollegen essen gehen klappt auch, wobei wir bisher immer draußen sitzen konnten. Wirklich eingeschränkt fühle ich mich nicht und habe für nächst Woche erstmals einen Platz im Freibad gebucht. Man muss sich ein bisschen besser organisieren bzw. vorausplanen, aber das war es für mein Empfinden auch schon.

    Sarek

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