Ich bin an einer Seminarschule und von unseren Referendaren sind nur ganz wenige dabei, die für den Lehrerberuf untauglich wirken. Es gibt viele verschiedene Typen und auch Möglichkeiten, vor der Klasse zu bestehen. Der mehr extrovertierte Typ, der vor seiner Klasse auf Show macht, kann dabei genau so gut sein wie der mehr introvertierte Typ, der ruhiger ist. Ich selbst bin vor meinen Klassen recht extrovertiert, im Privatleben aber introvertiert. Damit komme ich sehr gut zurecht.
Vor der Klasse funktionieren beiden Typen und sind auch wichtig. Wie meine Seminarlehrerin damals meinte: "Sechs Stunden Sarek am Tag hält kein Schüler durch." Ich gab und gebe ihr immer noch Recht. Die Mischung macht es und die Schüler sind froh, nicht nur den Alleinunterhalter hinter dem Pult stehen zu haben, sondern auch ruhigere Personen.
Wichtig ist, dass man ein Repertoire an Methoden entwickelt, um die Klassen in den Griff zu bekommen, das Classroom Management. Also Störung sofort zu erkennen und angemessen zu reagieren, ohne selbst dabei zur noch größeren Störung zu werden. Z.B. wenn man wegen eines kleinen Fehlverhaltens eines Schülers zu einem minutenlangen Vortrag ausholt, statt den Schüler nur kurz zurechtzuweisen. Oder dass man durch den Unterrichtsfluss darauf achtet, dass es keine Stolpersteine gibt, die zu Störungen durch die Schüler führen. Beispielsweise kann ich beim Hinstellen und Anschalten des Overheadprojektors oder Beamers meinen Unterricht unterbrechen und Kabel abwickeln, Steckdose suchen etc. Damit bin ich draußen und natürlich fangen Schüler in einer solchen Situation mit Gesprächen oder anderen Fremdbeschäftigung an und ich muss sie anschließend erst wieder einfangen, bevor ich weitermachen kann. Ich kann aber auch den Projektor nebenbei aufstellen, während ich meinen Unterricht weiter halte und habe damit vermieden, den Schülern eine Gelegenheit zum Ausklinken zu geben. Das kann man aber lernen und niemand erwartet, dass jemand das von Anfang an beherrscht.
Was ich für den Lehrerberuf noch sehr wichtig halte: Selbstorganisation und Disziplin. Z.B. indem ich mir vorher überlege, wie ich meine Tasche sinnvoll packe oder meine Kopien nicht erst in Panik auf den allerletzten Drücker mache. Dass ich mit meinen Korrekturen nicht erst zwei Tage vor Ende der Frist anfange. Dass ich meine Stunde so gewissenhaft vorbereite und fachlich so fit bin, dass ich während der Stunde Gelegenheit habe, auf die oben genannten Punkte des Classroom Managements zu achten, weil ich mir nicht ständig während der Stunde Gedanken machen muss, wie es nun weitergeht.
Sarek